BNP Paribas Circular Economy Leaders ETF: Warum die bekanntesten Recycling-Namen in diesem Kreislaufwirtschaft-ETF fehlen

Wer bei diesem Kreislaufwirtschaft-ETF an Recycling- oder Entsorgungskonzerne wie Waste Management oder Veolia denkt, wird überrascht: Keines davon führt diesen ETF an.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Unter fünf verfügbaren ETFs auf die weltweite Kreislaufwirtschaft ist dieser der einzige, der sich bereits am Markt etablieren konnte, zugleich günstiger als alle Wettbewerber.
- An der Spitze stehen mit Intel, Texas Instruments und Cisco Systems keine klassischen Recycling- oder Entsorgungskonzerne, sondern Technologieunternehmen.
- Die zehn größten Positionen vereinen nur 28,9 Prozent des Fondsvermögens, ein für einen Themen-ETF außergewöhnlich niedriger Konzentrationsgrad.
Was Kreislaufwirtschaft bedeutet, und warum das Thema immer wichtiger wird
Kreislaufwirtschaft beschreibt ein Wirtschaftsmodell, das darauf abzielt, Ressourcen- und Energieverbrauch durch Einsparungen, Wiederverwertung und Instandhaltung deutlich zu senken, statt Rohstoffe wie bisher zu gewinnen, einmal zu nutzen und anschließend zu entsorgen. Wachsende Sorgen um die Verfügbarkeit knapper Rohstoffe, insbesondere seltener Metalle für Elektronik und Batterien, strengere regulatorische Vorgaben etwa durch die Europäische Union zur erweiterten Herstellerverantwortung und zum Recht auf Reparatur, sowie eigene Nachhaltigkeitsziele großer Konzerne haben Unternehmen weltweit dazu bewogen, ihre Produktions- und Lieferketten stärker auf Wiederverwertung und Ressourceneffizienz auszurichten. Langfristig dürfte sich dieser Trend fortsetzen, da der weltweite Rohstoffbedarf weiter wächst, während viele wichtige Ressourcen endlich sind und ihre Gewinnung zunehmend teurer und politisch komplizierter wird, etwa durch Abhängigkeiten von einzelnen Förderländern.
Warum weder Waste Management noch Veolia an der Spitze stehen
Der BNP Paribas Easy ECPI Circular Economy Leaders UCITS ETF EUR bildet den ECPI Circular Economy Leaders Equity Index nach, der 50 weltweite Aktien von Unternehmen mit dem höchsten Kreislaufwirtschafts-Rating des Indexanbieters ECPI bündelt. Der Index wählt allerdings nicht gezielt Unternehmen aus, deren Kerngeschäft die Entsorgung oder das Recycling von Abfällen ist, wie es bei bekannten Namen wie Waste Management, Veolia oder Republic Services der Fall wäre, sondern bewertet Unternehmen aus allen Branchen danach, wie konsequent sie Prinzipien der Kreislaufwirtschaft innerhalb der eigenen Geschäftstätigkeit umsetzen, etwa durch Materialeffizienz, Wasserrückgewinnung in der Produktion, Rücknahme- und Reparaturprogramme oder den Einsatz recycelter Werkstoffe.
Die Titel mit dem höchsten Rating werden anschließend gleichgewichtet in den Index aufgenommen, wobei zusätzlich auf eine ausgewogene Branchenverteilung geachtet wird. Genau das erklärt, warum die zehn größten Positionen mit 28,9 Prozent einen für einen Themen-ETF ungewöhnlich niedrigen Anteil ausmachen. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig, thesauriert seine Erträge und wurde bereits im April 2019 aufgelegt. Von fünf verfügbaren ETFs auf die weltweite Kreislaufwirtschaft ist er mit einem Fondsvolumen von 353 Millionen Euro der einzige, der sich am Markt wirklich etablieren konnte, alle Wettbewerber wie der VanEck Circular Economy UCITS ETF oder der Xtrackers MSCI Global Circular Economy UCITS ETF bewegen sich im niedrigen einstelligen Millionenbereich. Zugleich ist er mit 0,30 Prozent laufenden Kosten pro Jahr günstiger als sämtliche dieser kleineren Alternativen, was ihn für interessierte Anleger derzeit zur einzigen realistischen und zugleich günstigsten Option in diesem Marktsegment macht.
Intel, Texas Instruments und Cisco: Nebengeschäft statt Kerngeschäft Kreislaufwirtschaft
Größte Position ist mit 5,3 Prozent Intel, einer der größten Chiphersteller der Welt. Der Konzern erhält sein hohes Rating vermutlich vor allem durch aufwendige Programme zur Wasserrückgewinnung und Materialeffizienz in seinen Chipfabriken, die bekanntermaßen enorme Mengen ultrareines Wasser benötigen, sowie durch Recyclingprogramme für Altgeräte. Auf Platz zwei folgt mit 3,2 Prozent Texas Instruments, ebenfalls ein Halbleiterkonzern, der ähnliche Effizienz- und Recyclingprinzipien in seiner Chipproduktion verfolgt. An dritter Stelle steht mit 3,1 Prozent Cisco Systems, ein Anbieter von Netzwerktechnik, der für sein zirkuläres Produktdesign bekannt ist, etwa durch umfangreiche Rücknahme- und Aufarbeitungsprogramme für gebrauchte Netzwerkgeräte sowie den gezielten Einsatz recycelter Materialien in neuen Produkten. Bei allen drei Unternehmen gilt: Kreislaufwirtschaft ist nicht das Kerngeschäft, sondern ein Nebenaspekt der eigenen Betriebsführung, der über das ECPI-Rating in den Index einfließt. Dieser Fonds eignet sich dementsprechend weniger für Anleger, die direkt und unmittelbar von einem Wachstum der Recycling- oder Entsorgungsbranche selbst profitieren möchten, sondern eher für jene, die in bereits etablierte, breit diversifizierte Technologie- und Industriekonzerne investieren und dabei gezielt auf besonders vorbildliche Kreislaufwirtschafts-Praktiken innerhalb dieser Unternehmen Wert legen.
Ausgewogene Länder und Branchen als Nebeneffekt der Auswahlmethodik
Die USA kommen im Fonds auf 51,3 Prozent, spürbar weniger als die für einen klassischen Welt-ETF üblichen rund 68 Prozent, gefolgt von Frankreich mit 9,8 Prozent, Japan mit 8,3 Prozent und Deutschland mit 6,8 Prozent. Weil nicht nach Marktkapitalisierung, sondern nach Kreislaufwirtschafts-Rating ausgewählt wird, und gerade Länder wie Japan und Frankreich traditionell für ihre Ressourceneffizienz und regulatorische Vorreiterrolle bei der Kreislaufwirtschaft bekannt sind, fällt ihr Anteil hier deutlich höher aus als in einem markkapitalisierungsgewichteten Index. Auch bei den Branchen zeigt sich eine ausgewogene Verteilung. Industrie führt mit 24,4 Prozent, Technologie folgt mit 21,3 Prozent, danach zyklische und nicht-zyklische Konsumgüter sowie Grundstoffe mit jeweils zweistelligen Anteilen. Diese breite Streuung über mehrere annähernd gleich gewichtete Branchen reduziert das Risiko, dass der Fonds von Problemen in nur einer einzelnen Branche überproportional getroffen wird.
Warum die Rendite zunächst sank, und was die aktuelle Erholung erklärt
2023 legte der Fonds um 19,3 Prozent zu, 2024 um 11,6 Prozent und 2025 nur noch um 4,6 Prozent, eine von Jahr zu Jahr rückläufige Rendite. Das lässt sich damit erklären, dass der Fonds durch seine Gleichgewichtung über 50 Werte kaum von der extremen Konzentration auf wenige, besonders stark gestiegene KI-Technologiewerte profitierte, die in diesen Jahren einen Großteil der Rendite klassischer, marktkapitalisierungsgewichteter Indizes ausmachten. Im laufenden Jahr meldet sich der Fonds mit einem Plus von 15,1 Prozent deutlich zurück, was sich mit einer breiteren Markterholung erklären lässt, von der auch Industrie- und Halbleiterwerte außerhalb der ganz großen KI-Gewinner zunehmend profitieren, unterstützt von den langfristigen strukturellen Trends rund um Ressourceneffizienz und Materialrecycling, die bei den im Fonds enthaltenen Unternehmen eine wachsende Rolle spielen.
Warum die Schwankungsbreite niedriger ausfällt als bei einem klassischen Welt-ETF
Die Volatilität liegt über ein, drei und fünf Jahre zwischen 10,7 und 12,8 Prozent, durchgehend niedriger als beispielsweise die 14,7 Prozent des iShares Core MSCI World UCITS ETF über fünf Jahre. Das mag angesichts des Themenfokus überraschen, lässt sich aber mit der beschriebenen Gleichgewichtung und der bewussten Branchenstreuung erklären. Ohne die typische Konzentration auf wenige, besonders hoch bewertete Technologie-Schwergewichte schwankt der Fonds insgesamt ruhiger als ein klassischer, marktkapitalisierungsgewichteter Welt-ETF. Auch die maximalen Kursrückgänge fallen entsprechend etwas geringer aus: Über fünf Jahre liegt der maximale Verlust bei minus 19,6 Prozent, seit Auflage im Jahr 2019 bei minus 30,5 Prozent, jeweils etwas moderater als bei einem MSCI-World-ETF im selben Zeitraum.
Für welche Strategie sich dieser Kreislaufwirtschaft-ETF eignet
Der Fonds eignet sich für Anleger, die ihr Depot um eine breit gestreute, gleichgewichtete Auswahl international etablierter Unternehmen ergänzen möchten, die innerhalb ihres eigenen Geschäfts besonders konsequent auf Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft setzen, ohne dabei eine Wette auf die Recycling- oder Entsorgungsbranche selbst einzugehen. Die geringere US- und Technologiekonzentration sowie die niedrigere Schwankungsbreite können dabei einen zusätzlichen Diversifikationseffekt gegenüber einem klassischen Welt-ETF bieten. Wer dagegen explizit von den Wachstumspotenzialen der eigentlichen Kreislaufwirtschaftsbranche profitieren möchte, sollte sich bewusst sein, dass genau diese Unternehmen in diesem Fonds nicht die Hauptrolle spielen.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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