Nebenwerte-ETF

MSCI World Small Cap ETF: die 3.500 Aktien, die im MSCI World fehlen, und warum eine davon gerade alle anderen überragt

23.06.26 08:45 Uhr

iShares MSCI World Small Cap UCITS ETF (IE00BF4RFH31): Kosten, Top-Positionen und was Nebenwerte im Depot leisten | finanzen.net

Der globale Aktienmarkt ist mehr als der MSCI World: Die 3. Etage bietet fast 3.500 Nebenwerte und eine davon ist gerade so stark gewachsen, dass sie bald aus diesem ETF verschwinden dürfte.

Werte in diesem Artikel
Aktien

1.650,00 EUR 140,00 EUR 9,27%

58,14 EUR -0,06 EUR -0,10%

179,50 EUR -1,45 EUR -0,80%

ETFs

10,45 USD -0,03 USD -0,00%

Indizes

4.840,4 PKT -2,1 PKT -0,04%

Das Wichtigste in Kürze:

  • Fast 3.500 Aktien aus 23 Industrieländern, und trotzdem wiegt keine einzige Position mehr als 0,3 Prozent, bis auf eine Ausnahme, deren Geschichte zeigt, wie schnell ein Nebenwert keiner mehr ist.
  • Wer einen MSCI-World-ETF bespart, deckt nur die oberen zwei Etagen des Aktienmarkts ab, und warum die fehlende dritte Etage über Jahre einen Unterschied machen kann.
  • Im laufenden Jahr schlägt der Small-Cap-ETF den MSCI World deutlich, über fünf Jahre liegt er klar dahinter: was hinter dieser Diskrepanz steckt und was sie für die Rolle im Depot bedeutet.

Wer einen MSCI-World-ETF bespart, besitzt rund 1.400 der größten Unternehmen der Industrieländer. Das klingt nach viel Streuung, doch es fehlt eine ganze Etage: die Nebenwerte. Der MSCI World bildet nur Large und Mid Caps ab, also die oberen rund 85 Prozent der Marktkapitalisierung. Die restlichen 15 Prozent, fast 3.500 kleinere börsennotierte Unternehmen, bleiben außen vor. Genau diesen Bereich deckt der iShares MSCI World Small Cap UCITS ETF ab. Er ist der mit Abstand größte ETF auf diesen Index und damit der naheliegende Baustein für Anleger, die das Nebenwerte-Segment gezielt ergänzen wollen.

Fast 3.500 Nebenwerte aus der ganzen Welt für 0,35 Prozent

Der iShares MSCI World Small Cap UCITS ETF des Emittenten BlackRock bildet den MSCI World Small Cap Index ab. Dieser bündelt die kleinen börsennotierten Unternehmen aus 23 Industrieländern und gewichtet sie nach ihrer frei handelbaren Marktkapitalisierung. Mit aktuell 3.498 Positionen ist das ein deutlich breiterer Korb als der MSCI World mit seinen rund 1.400 Titeln. Zusammen decken beide Indizes praktisch den gesamten investierbaren Aktienmarkt der Industrieländer ab, der MSCI World die oberen 85 Prozent, der Small Cap die unteren 15 Prozent.

Umgesetzt wird der Index über ein optimiertes Sampling, der Fonds kauft also eine repräsentative Auswahl der Indexwerte statt jeden einzelnen der fast 3.500 Titel. Die Zusammensetzung wird vierteljährlich überprüft und angepasst. Die laufenden Kosten betragen 0,35 Prozent pro Jahr. Im Vergleich: Der günstigste Konkurrent, der Xtrackers MSCI World Small Cap, kommt auf 0,25 Prozent, ist mit 130 Millionen Euro aber deutlich kleiner und erst seit kurzem am Markt. Der SPDR-Konkurrent kostet 0,45 Prozent. Mit 0,35 Prozent liegt der iShares im Mittelfeld, ist aber teurer als die 0,07 bis 0,20 Prozent, die Anleger für einen breiten Large-Cap-Welt-ETF zahlen. Der Aufschlag erklärt sich durch die höhere Zahl an Werten und die geringere Liquidität kleiner Aktien, was den Handel und die Indexabbildung aufwendiger macht.

Der Fonds thesauriert, legt Erträge also automatisch wieder an, und bringt es auf ein Fondsvolumen von rund 7,52 Milliarden Euro, mit Abstand der größte Small-Cap-Welt-ETF. Aufgelegt wurde er im März 2018, er hat also bereits einen vollen Börsenzyklus inklusive Corona-Crash, Zinsanstieg 2022 und KI-Rally durchlaufen.

Sandisk an der Spitze: wenn ein Nebenwert keiner mehr ist

Das Auffälligste an der Zusammensetzung ist zunächst, wie breit gestreut sie ist. Die zehn größten Positionen kommen zusammen auf gerade einmal 3,54 Prozent. Bei einem MSCI-World-ETF stellen die Top-10 rund 27 Prozent. Das Konzentrationsrisiko ist bei Nebenwerten also minimal: Kein einzelnes Unternehmen und kein kleines Grüppchen bestimmt die Richtung. Bei fast 3.500 Titeln ist das Gewicht jedes einzelnen verschwindend gering, die allermeisten liegen zwischen 0,2 und 0,3 Prozent.

Die eine Ausnahme ist Sandisk mit 1,46 Prozent, rund fünfmal so viel wie die nächstgrößte Position. Das ist kein Indexfehler, sondern eine Nebenwerte-Besonderheit, die den Charakter dieses Segments gut illustriert. Sandisk wurde Ende 2023 von Western Digital abgespalten und startete als eigenständiges Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung, die noch in den Small-Cap-Bereich fiel. Seither hat der KI-Boom die Nachfrage nach NAND-Flashspeicher für Rechenzentren explodieren lassen, und Sandisks Kurs ist innerhalb eines Jahres um mehr als 3.000 Prozent gestiegen. Am 30. April 2026 meldete das Unternehmen für das dritte Geschäftsquartal einen Umsatz von 5,95 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 251 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal von 1,70 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 23,41 US-Dollar, verglichen mit 6,20 US-Dollar im Vorquartal, und übertraf die Analystenerwartungen um mehr als 60 Prozent. Haupttreiber war das Rechenzentrumsgeschäft, das sequenziell um 233 Prozent zulegte. Zwischen zwei Rebalancing-Terminen des Index ist die Aktie also vom kleinen Nebenwert zum Milliardenschwergewicht gewachsen. Bei der nächsten Indexüberprüfung dürfte Sandisk in den MSCI World hochgestuft und aus dem Small-Cap-Index entfernt werden. Für Anleger zeigt das, was das Nebenwerte-Segment von einem Large-Cap-ETF unterscheidet: Hier stecken die Unternehmen, die morgen groß sein können.

Die zweitgrößte Position ist TechnipFMC mit 0,29 Prozent, ein Gewicht, das den Normalzustand des Fonds besser widerspiegelt. Der britisch-amerikanische Konzern ist Spezialist für Unterwasser-Öl- und Gastechnik und profitiert von der wachsenden Nachfrage nach Tiefseeprojekten. Am 30. April 2026 meldete TechnipFMC für das erste Quartal einen Umsatz von 2,49 Milliarden US-Dollar und einen bereinigten Gewinn je Aktie von 0,64 US-Dollar, über der Analystenerwartung von 0,57 US-Dollar. Die Subsea-Sparte, die den Löwenanteil des Geschäfts ausmacht, erreichte mit 20 Prozent EBITDA-Marge einen Meilenstein, und der Auftragsbestand lag bei 15,8 Milliarden US-Dollar, ein komfortabler Puffer für die kommenden Jahre.

Den dritten Platz belegt XPO mit 0,25 Prozent. Das US-Logistikunternehmen ist einer der größten Anbieter von Stückgutfracht (Less-than-Truckload) in Nordamerika und setzt zunehmend auf KI-gestützte Netzwerkoptimierung. Am 30. April 2026 berichtete XPO für das erste Quartal einen Umsatz von 2,10 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 1,95 Milliarden US-Dollar im Vorjahr, und einen bereinigten Gewinn je Aktie von 1,01 US-Dollar nach 0,73 US-Dollar, ein Anstieg von 38 Prozent. Die Schadensquote im LTL-Geschäft sank auf unter 0,2 Prozent und damit auf ein Rekordtief. Dass die drei größten Positionen des Fonds aus drei völlig verschiedenen Branchen, Speicherchips, Unterwasseröltechnik und Logistik, und aus unterschiedlichen Regionen stammen, illustriert, wie heterogen das Nebenwerte-Universum ist.

Industrie statt Technologie, Amerika vor Japan, und eine andere Renditegeschichte

Die Branchenaufteilung unterscheidet sich deutlich von einem Large-Cap-Weltindex. Die Industrie führt mit 18,37 Prozent, vor Finanzdienstleistungen mit 12,64 Prozent, Technologie mit 11,22 Prozent und zyklischem Konsum mit 9,96 Prozent. Keine Branche dominiert so stark wie die Technologie im MSCI World mit ihren rund 28 Prozent. Nebenwerte sind eher durch Industrie, Finanzen und Konsum geprägt, was dem ETF eine zyklischere, aber auch breitere Ausrichtung gibt.

Regional führen die USA mit 51,55 Prozent, gefolgt von Japan mit 12,02 Prozent, Großbritannien mit 4,34 Prozent und Kanada mit 3,45 Prozent. Der US-Anteil ist hoch, aber deutlich niedriger als die rund zwei Drittel im MSCI World, dafür ist Japan unter den Nebenwerten stärker vertreten. Insgesamt ist die regionale Streuung etwas ausgewogener als bei einem Large-Cap-Weltfonds.

Die Wertentwicklung erzählt zwei verschiedene Geschichten, je nach Zeitraum. Im laufenden Jahr liegt der Small-Cap-ETF mit rund 18,60 Prozent deutlich vor dem MSCI World mit 12,49 Prozent. Auf Jahressicht ist der Vorsprung noch klarer: 34,12 Prozent gegenüber 26,11 Prozent. Dreht man den Blick auf drei und fünf Jahre, kehrt sich das Bild um: Kumuliert 53,28 Prozent über drei Jahre und 51,24 Prozent über fünf Jahre beim Small Cap, verglichen mit 62,67 Prozent und 83,13 Prozent beim MSCI World. Die Gründe liegen im KI-Zyklus. Zwischen 2023 und 2025 trieben wenige US-Technologieriesen den MSCI World nach oben, ein Boom, von dem die breite Masse der Nebenwerte kaum profitierte. Seit sich die Rally 2026 breiter verteilt und auch kleinere, konjunktursensible Unternehmen erfasst, holen die Small Caps auf. Genau dieses Muster ist historisch typisch: Nebenwerte neigen dazu, in engen, von wenigen Schwergewichten getriebenen Märkten zurückzubleiben und in breiten Aufschwüngen überdurchschnittlich zu laufen. Das sind historische Werte und keine Prognose.

Beim Risiko zeigt sich die höhere Schwankungsbreite, die zum Nebenwerte-Segment gehört. Die Volatilität lag über ein Jahr bei 15,44 Prozent, über drei Jahre bei 16,04 Prozent und über fünf Jahre bei 16,93 Prozent, jeweils etwas höher als die 10 bis 15 Prozent des MSCI World im gleichen Zeitraum. Der maximale Rückschlag über fünf Jahre betrug 22,58 Prozent, seit Auflage 40,55 Prozent, verglichen mit 20,45 und 33,91 Prozent beim Weltindex. Small Caps schwanken stärker und fallen in Krisen tiefer, das ist der Preis für die breitere Marktabdeckung und die historisch höhere Risikoprämie.

Für wen sich der Nebenwerte-Baustein eignet

Der iShares MSCI World Small Cap eignet sich für langfristig orientierte Anleger, die ein bestehendes Portfolio aus Large- und Mid-Cap-Welt-ETFs bewusst um die fehlende Nebenwerte-Etage ergänzen wollen. Die fast 3.500 Positionen liefern eine Diversifikation, die kein MSCI-World-ETF bietet: andere Unternehmen, eine breitere Branchenmischung und eine geringere Abhängigkeit von den großen US-Technologienamen. Als Beimischung kann der Fonds ein Weltportfolio vervollständigen, die historisch höhere Risikoprämie kleiner Aktien abschöpfen und in breiten Marktphasen für zusätzlichen Antrieb sorgen. Wer dagegen auf ruhigere Entwicklung und geringere Schwankung Wert legt, sollte den höheren Drawdown und die stärkere Volatilität einkalkulieren. Als alleiniger Baustein wäre der Fonds zu einseitig, denn er deckt nur die kleinen 15 Prozent des Markts ab, nicht die großen 85 Prozent. In Kombination mit einem breiten Welt-ETF füllt er dagegen genau die Lücke, die ein MSCI-World-Portfolio offen lässt.

Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.

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