Notenbanken setzen weiter auf Gold: Diese Aussage sollte Anleger hellhörig werden lassen
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sieht trotz hoher Anleiherenditen weiterhin gewichtige Argumente für Gold in den Reserven der Notenbanken.
- Bundesbank-Präsident erwartet eine bleibende Rolle des Edelmetalls in Reserven
- Warum physisches Gold für Zentralbanker bei geopolitischen Risiken attraktiv ist
- Eine Beratungsfirma rechnet dennoch mit schwächerer Nachfrage der Notenbanken
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat auf der LBMA Global Precious Metals Conference in Sorrent für eine weitere Diversifizierung der Zentralbankreserven in Gold geworben. Gold sei durch geopolitische Risiken und hohe Staatsschulden für Notenbanken weiter von Gewicht, sagte er. Eine Beratungsfirma erwartet für 2026 dagegen weniger Käufe.
Nagels Keynote in Sorrent
Nagel hielt am Montag die Eröffnungs-Keynote der Konferenz. Er betonte, die Argumente für eine weitere Diversifizierung in Gold blieben gewichtig. Er rechne damit, dass der Trend zu stärker diversifizierten Reserveportfolios anhalte, und erwarte eine bedeutende Rolle von Gold in den Zentralbankreserven.
Den Wandel der Goldrolle beschrieb er in drei Phasen: "Verankern, Rückzug und Rückkehr". Unter Bretton Woods machte Gold 1950 fast 70 Prozent der globalen Zentralbankreserven aus. Nach dem Ende des Systems verlor es an Bedeutung, seit der Finanzkrise sind Zentralbanken wieder Nettokäufer.
Sanktionsschutz und Schuldensorgen
Physisches Gold trägt laut Nagel kein Gegenparteirisiko und kann nicht ohne Weiteres eingefroren oder eingeschränkt werden. Ausländische Wertpapiere und Einlagen könnten dagegen durch Sanktionen eingefroren werden. Physisches Gold, das im Inland gehalten wird, ist diesem Risiko laut Nagel nicht in gleicher Weise ausgesetzt.
Der Goldanteil an den globalen Reserven stieg von rund 14 Prozent im Jahr 2023 auf fast 25 Prozent im Jahr 2025. Nagel zufolge war der Haupttreiber dafür der stark gestiegene Goldpreis. Wären die Goldpreise auf dem Niveau von 2023 geblieben, wäre der Anteil laut seiner Berechnung sogar von 14 auf 12 Prozent gesunken.
Darüber hinaus verwies Nagel auf die gestiegenen Staatsschulden und die damit verbundenen Sorgen über das Kreditrisiko von Staatsanleihen. Gleichzeitig sieht er geopolitische Risiken als weiteren Faktor für die Reserveentscheidungen der Notenbanken.
Die Bundesbank selbst hält nach den jüngsten offiziellen Angaben 3.350 Tonnen Gold und ist damit nach den USA der zweitgrößte staatliche Goldhalter der Welt.
Umfrage und Ausblick
Die Aussagen Nagels stehen im Einklang mit der Stimmung unter vielen Zentralbankern. Der World Gold Council meldete im Juni 2026 in seiner Umfrage unter 76 Zentralbanken einen Rekordwert: 45 Prozent wollen ihre Goldbestände in den nächsten zwölf Monaten erhöhen, nach 43 Prozent im Vorjahr. 83 Prozent erwarten in fünf Jahren einen höheren Goldanteil an den Reserven.
Auch die tatsächlichen Käufe zeigen weiterhin eine strukturelle Nachfrage. Nach Angaben des World Gold Council stieg die Netto-Nachfrage der Zentralbanken im zweiten Quartal 2026 auf 289 Tonnen, nachdem im ersten Quartal revidiert 57 Tonnen verzeichnet worden waren. Für das erste Halbjahr ergibt sich damit allerdings eine Nachfrage von 345 Tonnen – der niedrigste Wert für ein erstes Halbjahr seit 2022.
Die Entwicklung zeigt damit ein gemischtes Bild: Die strategische Bedeutung von Gold für Zentralbanken bleibt hoch, die tatsächlichen Käufe können von Quartal zu Quartal jedoch deutlich schwanken. Die Beratungsfirma Metals Focus rechnet laut investingLive zudem damit, dass die Nachfrage der Zentralbanken 2026 insgesamt um rund 15 Prozent auf etwa 720 Tonnen sinkt.
Gold-ETFs liefern ein weiteres Signal
Neben den Zentralbanken sind auch die Anleger selbst ein wichtiger Nachfragefaktor. Bei physisch besicherten Gold-ETFs nahm die Nachfrage zuletzt deutlich zu. Im August flossen weltweit 18 Milliarden US-Dollar in entsprechende Produkte. Die Bestände stiegen um 121 Tonnen auf einen Rekord von 4.189 Tonnen.
Bemerkenswert ist dabei die Entwicklung im September: Obwohl der Goldpreis im Monatsverlauf um mehr als acht Prozent nachgab, verzeichneten globale Gold-ETFs laut World Gold Council weiterhin Zuflüsse von mehr als 70 Tonnen. Die Entwicklung zeigt, dass die Nachfrage nach Gold-ETFs trotz der Kurskorrektur robust blieb.
Zinsen und Dollar bleiben wichtige Gegenspieler
Für die kurzfristige Entwicklung des Goldpreises bleibt allerdings das Zinsumfeld entscheidend. Gold wirft keine laufenden Zinsen ab. Steigende Renditen von Staatsanleihen erhöhen deshalb die Opportunitätskosten einer Goldanlage. Gleichzeitig kann ein stärkerer US-Dollar das Edelmetall für Anleger außerhalb des Dollarraums verteuern.
Genau diese Faktoren belasten Gold derzeit. Die US-Renditen sind deutlich gestiegen, während der Dollar zuletzt ebenfalls Stärke gezeigt hat. Dennoch hält sich der Goldpreis oberhalb der Marke von 4.100 US-Dollar je Feinunze. Die strukturelle Nachfrage von Zentralbanken und Anlegern bleibt dabei ein wichtiger Faktor für den Goldmarkt.
Was für Anleger jetzt wichtig wird
Damit ergibt sich für den Goldmarkt ein Spannungsfeld. Auf der einen Seite stehen geopolitische Risiken, hohe Staatsschulden, die Diversifizierung der Zentralbankreserven und die zuletzt wieder stärkeren ETF-Zuflüsse. Auf der anderen Seite sprechen hohe Anleiherenditen und ein stärkerer Dollar gegen einen weiteren schnellen Anstieg des Goldpreises.
Für Anleger sind deshalb vor allem drei Entwicklungen relevant: Bleiben die Zentralbanken trotz der hohen Goldpreise strukturelle Käufer? Setzen sich die Zuflüsse in Gold-ETFs fort? Und wie entwickeln sich die US-Renditen und der Dollar? Eine anhaltend hohe Nachfrage von Zentralbanken und Investoren könnte den Goldpreis auch bei einem weniger günstigen Zinsumfeld stützen. Umgekehrt könnten steigende Realrenditen und eine weitere Dollar-Aufwertung den Druck auf das Edelmetall erhöhen.
Nagels Aussagen liefern damit vor allem einen Hinweis auf den langfristigen Faktor. Für die kurzfristige Kursentwicklung sind dagegen das Zusammenspiel aus Zentralbanknachfrage, Anlegerzuflüssen, Zinsen, Dollar und geopolitischen Risiken relevant.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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