Samsung-Aktie stürzt ab: Anleger enttäuscht von Rekord-Ausschüttung
Samsung kündigt die größte Kapitalrückführung der Firmengeschichte an, doch statt Erleichterung folgt an der Börse in Seoul ein herber Kursrutsch.
- Rekordsumme für Aktionäre reicht der Börse offenbar nicht
- Anleger vermissen klare Ansage zu Aktienrückkäufen
- Auch Großaktionäre Samsung Life und Samsung Fire geraten unter Druck
Die Samsung-Aktie ist in Seoul am Montag letztlich um 8,7 Prozent auf 257.000 Won eingebrochen. Auslöser war ausgerechnet der am Freitag zuvor angekündigte Rekord-Ausschüttungsplan in Höhe von bis zu 79 Milliarden US-Dollar, der bei Investoren statt Erleichterung Enttäuschung auslöste. Ihnen fehlte ein größerer Anteil am KI-Gewinnboom sowie mehr Klarheit zu Aktienrückkäufen.
Was Samsung tatsächlich angekündigt hatte
Der südkoreanische Technologiekonzern, der unter anderem zu den weltweit führenden Anbietern von Speicherchips zählt, hatte am vergangenen Freitag mitgeteilt, dass die diesjährigen Aktionärsrückflüsse zwischen 90 und 110 Billionen Won liegen sollen, umgerechnet 65 bis 80 Milliarden US-Dollar. Der Vorstand genehmigte damit einen Plan, der laut Unternehmensangaben etwa das Fünffache des bisherigen Rekords von 20,3 Billionen Won aus dem Jahr 2020 erreicht und als größte Rückführung eines koreanischen Unternehmens gilt. Enthalten sind 30 Billionen Won Bardividende im dritten Quartal sowie ein separater Aktienrückkauf über rund 15 Billionen Won für Mitarbeiter-Vergütungsprogramme. Über den Rest der Summe will der Vorstand erst im Januar 2027 entscheiden, wenn das Geschäftsjahr 2026 final feststeht.
Die Ankündigung ließ die Aktie am Freitag zunächst um 3,5 Prozent steigen. Grundlage der Rückführung ist ein bereits im Januar 2024 verkündetes Aktionärsprogramm für die Jahre 2024 bis 2026, das die Auszahlung von 50 Prozent des in diesem Zeitraum kumulierten freien Cashflows vorsieht. Rechnet man die bereits gezahlten 19,6 Billionen Won reguläre Dividenden, eine Sonderdividende von 1,3 Billionen Won sowie Rückkäufe und Einziehungen von 8,4 Billionen Won hinzu, soll die Gesamtsumme für den Dreijahreszeitraum zwischen 120 und 140 Billionen Won erreichen.
Warum die Samsung-Aktie trotzdem fällt
Der Umschwung kam mit dem Wochenstart: Im Montagshandel fiel die Samsung-Aktie letztlich um 8,7 Prozent auf 257.000 Won, weil Investoren einen größeren Anteil am KI-Gewinnboom und mehr Klarheit zu Aktienrückkäufen erwartet hatten. Sohn In-joon, Analyst bei Eugene Securities, erklärte in einem Bericht, auf den Reuters verweist, anders als SK hynix habe Samsung Electronics weder eine mögliche Anhebung seiner bestehenden Rückführungspolitik erwähnt noch einen Plan zur Einziehung eigener Aktien angekündigt. SK hynix hatte in der Vorwoche angekündigt, eigene Aktien im Wert von 40 Billionen Won zurückzukaufen und einzuziehen sowie mehr als die Hälfte des zwischen 2025 und 2027 erzielten freien Cashflows auszuschütten.
Morgan Stanley bezeichnete die Kapitalrückführung laut der Nachrichtenagentur als groß, aber leicht unter den Erwartungen liegend. Kim Soo-hyun von DS Investment & Securities schätzte, dass von den verbleibenden 60 bis 80 Billionen Won voraussichtlich nur 10 bis 20 Billionen Won auf Aktienrückkäufe und Einziehungen entfallen dürften, der Rest überwiegend auf Dividenden, so Reuters. CLSA-Analyst Sanjeev Rana sah in der Ausschüttung dennoch das Potenzial für eine Kursuntergrenze, hielt einen echten Rückkauf aber für die bessere Option, da dieser zusätzliche Nachfrage nach der Aktie geschaffen hätte.
Eigentümerstruktur begrenzt Spielraum für Rückkäufe
Größere Aktienrückkäufe könnten bei Samsung an strukturelle Grenzen stoßen. Reuters berichtete, umfangreiche Rückkäufe könnten die Großaktionäre Samsung Life und Samsung Fire über die regulatorische Eigentumsgrenze heben, was die Konzerngesellschaften zu Anteilsverkäufen zwingen würde, um ihre gemeinsame Beteiligung unter 10 Prozent zu halten. Die Marktreaktion traf entsprechend nicht nur Samsung Electronics selbst: Samsung Life verlor am Montag 13,09 Prozent auf 285.500 Won, Samsung Fire gab 3,78 Prozent auf 636.000 Won ab.
Die Ausschüttung folgt auf einen Gewinnsprung im zweiten Quartal 2026, in dem der Chipgewinn um mehr als das 250-Fache auf 89 Billionen Won gestiegen war. Bereits nach dieser Zahlenvorlage im Juli hatte der Markt trotz der Rekordgewinne verhalten reagiert, aus Sorge, das Tempo der KI-Investitionen sei nicht dauerhaft haltbar.
Martina Köhler, Julia Walter, Redaktion finanzen.net
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