Aktien von Western Digital, Sandisk & Micron unter Druck: China-Konkurrenz und KI-Zweifel belasten
China-Konkurrenz und Zweifel an der KI-Rendite setzen Western Digital, Sandisk, Seagate und Micron erneut unter Druck. Wie brüchig ist die Euphorie bei den Speicherwerten?
- Neue Sorgen aus China treffen Speicherbranche
- Zweifel an Rendite der KI-Investitionen drücken Stimmung
- Zahlenvorlage von Western Digital am 22. Oktober könnte Sorgen lindern
Die Aktien von Western Digital, Sandisk, Seagate und Micron geben auch am zweiten Handelstag der Woche an der NASDAQ nach: Zeitweise stehen für die Aktien von Western Digital und Sandisk Verluste von 6,62 Prozent auf 361,33 US-Dollar bzw. 4,50 Prozent auf 1.420,47 US-Dollar an den Kurstafeln. Derweil verliert Seagate stellenweise 6,20 Prozent auf 706,54 US-Dollar, während Micron sich um 4,45 Prozent auf 945,00 US-Dollar ermäßigt.
Vor allem zwei Themen belasten: Fortschritte des chinesischen Herstellers CXMT und Zweifel, ob sich die hohen KI-Investitionen auszahlen. Für Western Digital rückt zudem die Zahlenvorlage näher.
CXMT schürt Angebotssorgen
Den Druck aus China bekommt dabei die ganze Branche zu spüren. Auslöser ist eine Meldung von CXMT (ChangXin Memory Technologies) über Fortschritte bei einer neuen Chip-Architektur, die mehr Speicher auf kleinerer Fläche unterbringen soll.
CXMT-Präsident Cao Kanyu kündigte nach Angaben der South China Morning Post am Wochenende auf einer Branchenveranstaltung in Shanghai ein neues Server-Speicherprodukt vor Ende 2026 an. Es nutzt ein "4F square"-Design, bei dem mehr Zellen auf denselben Chip passen. Erst im Juli dieses Jahres hatte CXMT an der Shanghaier STAR-Börse debütiert und war am ersten Handelstag weit über 400 Prozent gestiegen.
Zweifel an der KI-Rendite
Zusätzlich verunsicherten Aussagen der Chefs von Broadcom und Intel auf einer Konferenz in Singapur. Broadcom-CEO Hock Tan nannte Kapital möglicherweise die größte Beschränkung, die Kapitalbeschaffung könne schwieriger werden als Engpässe bei Halbleitern, Speicher oder Strom. Intel-CEO Lip-Bu Tan verwies auf hohe Kapitalkosten und sagte: "... auf lange Sicht wollen die Leute Rendite sehen". Eine deutliche Verlangsamung in den nächsten zwei bis drei Jahren hält er für unwahrscheinlich.
Vey-Sern Ling von UBP sagte CNBC, Anleger suchten Anlässe, bei KI-Aktien Gewinne mitzunehmen, besonders bei Speicherwerten. Chinesische Hersteller könnten das Gleichgewicht mit der Zeit gefährden, hätten kurzfristig aber technologische Hürden, vor allem bei HBM. Phillip Wool von Rayliant Global Advisors sieht die Bedrohung durch CXMT bei HBM als sehr gering und liest den Ausverkauf eher als Zeichen für die Verwundbarkeit der KI-Stimmung.
Brüchige KI-Euphorie: Was Anleger wissen müssen
Erst Anfang Oktober brachen die Speicherwerte nach einem Bericht über Ausbaupläne des japanischen Konkurrenten Toshiba teilweise zweistellig ein, ähnlich verhält es sich nun mit der Angst vor Konkurrenz aus China und dem Zweifel an der KI-Rendite. Schon der Hauch von Zweifel lässt die Sorgenfalten der Anleger aktuell tiefer werden, besonders weil die Speicherwerte zu den stärksten Profiteuren des KI-Booms gehören und sowohl Bewertung als auch Erwartung enorm hoch sind.
Ob die Angst vor einer ernstzunehmenden China-Konkurrenz und geringer Rentabilität der KI-Investitionen berechtigt ist, dürfte sich in der anlaufenden Berichtssaison zeigen. Einen ersten belastbaren Hinweis liefert Western Digital mit der Zahlenvorlage zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027, die für den 22. Oktober terminiert ist. Bestätigt das Management die starke Nachfrage seiner Cloud-Kunden, könnte das die Nerven der Anleger beruhigen. Fällt der Ausblick dagegen vorsichtiger aus, hätte die Sorge um die Nachhaltigkeit der KI-Investitionen neue Nahrung, und angesichts der hohen Bewertungen dürfte der Markt darauf erneut empfindlich reagieren.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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