Krypto-Marktbericht

Kryptowährungen im Aufwind: Warum Bitcoin, Ethereum & Co. von schwacher US-Inflation profitieren

15.07.26 10:14 Uhr

Bitcoin-Kurs, Ethereum, XRP & Zcash heute: Darum ziehen die Kryptowährungen an | finanzen.net

Schwächer als erwartet ausgefallene US-Inflationsdaten lassen Zinssorgen schwinden und geben dem Kryptomarkt neuen Schub.

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  • US-Inflation fällt im Juni schwächer aus als von Ökonomen erwartet
  • Fed-Zinserhöhung im Juli wird an den Märkten deutlich unwahrscheinlicher
  • Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum und Zcash reagieren positiv

Am Mittwoch zieht nahezu der gesamte Kryptomarkt an, nachdem schwächer als erwartet ausgefallene US-Inflationsdaten die Erwartungen an eine geldpolitische Straffung der US-Notenbank deutlich gedämpft haben. Vor allem Bitcoin und Ethereum legen stellenweise 3,33 Prozent auf 64.536 US-Dollar bzw. 5,26 Prozent auf 1.872,94 US-Dollar zu, nachdem die am Dienstag veröffentlichten Verbraucherpreiszahlen für Juni die Markterwartungen unterboten haben.

Schwächere Inflation nimmt der Fed-Zinssorge den Wind aus den Segeln

Der US-Verbraucherpreisindex stieg im Juni auf Jahressicht um 3,5 Prozent, während Ökonomen im Konsens mit 3,8 Prozent gerechnet hatten. Noch deutlicher fiel die Überraschung im Monatsvergleich aus: Die Verbraucherpreise sanken um 0,4 Prozent, erwartet worden war lediglich ein Rückgang von 0,1 Prozent. Auch die Kernrate, die Energie und Lebensmittel ausklammert, blieb mit 2,6 Prozent unter der Konsensschätzung von 2,8 Prozent. Für die Finanzmärkte war das ein klares Signal: Laut dem CME FedWatch Tool sank die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf der Sitzung des Offenmarktausschusses im Juli auf rund 16,6 Prozent. Auf der Prognoseplattform Polymarket rutschte die Wahrscheinlichkeit sogar auf 9 Prozent, nachdem sie zeitweise bei bis zu 34 Prozent gelegen hatte.

Risikoappetit kehrt zurück, breiter Kryptomarkt zieht mit

Sinkende Zinssorgen gelten als Rückenwind für Risikoanlagen, zu denen auch Kryptowährungen zählen: Fallen die Realzinsen künftig geringer aus als befürchtet, sinkt tendenziell der Anreiz, in vermeintlich sichere, verzinste Anlagen zu wechseln. Neben Bitcoin und Ethereum ziehen deshalb auch die großen Altcoins mit. XRP und Solana notieren zeitweise 3,45 Prozent bei 1,10 US-Dollar bzw. 3,35 Prozent bei 77,36 US-Dollar im Plus, auch Dogecoin gehört zu den Gewinnern des Tages. Zugleich hellt sich die Anlegerstimmung auf: Der vielbeachtete Fear and Greed Index für den Kryptomarkt kletterte binnen einer Woche von 26 auf 34 Punkte und nähert sich damit wieder dem neutralen Bereich.

Zcash sticht unter den Gewinnern besonders heraus

Zcash mit plus 9,14 Prozent auf 552,01 US-Dollar zählt zu den stärksten Gewinnern im breiteren Kryptomarkt. Der Privacy Coin profitiert damit nicht nur vom allgemeinen Rückenwind durch die Inflationsdaten, sondern auch von einer eigenen Story: Entwickler des Projekts Tachyon meldeten bereits am 7. Juli Fortschritte bei der formalen Verifikation des sogenannten Ironwood-Upgrades, das mathematisch belegen soll, dass während einer im Juni entdeckten Sicherheitslücke keine unbemerkt gefälschten ZEC in Umlauf gebracht wurden. Die Ankündigung hatte den Kurs bereits in der vergangenen Woche gestützt und dürfte auch am Mittwoch zur überdurchschnittlichen Nachfrage beitragen.

Fed-Chef Warsh bremst die Euphorie

Trotz der überraschend günstigen Inflationsentwicklung warnte Fed-Chef Kevin Warsh davor, aus einem einzelnen Bericht weitreichende Schlüsse für die Geldpolitik zu ziehen. Die neuen Zahlen seien lediglich ein einzelner Datenpunkt, den er weder überinterpretieren noch isoliert für eine Entscheidung heranziehen wolle. Damit widersprach er der an den Märkten aufkommenden Einschätzung, der Kampf gegen die Inflation sei bereits gewonnen.

Für den Kryptomarkt bleibt damit die Sitzung des Offenmarktausschusses Ende Juli der nächste wichtige Termin: Bestätigt die US-Notenbank den entspannteren Kurs, dürfte das den Rückenwind für Bitcoin und Co. verlängern. Ein zurückhaltenderer Tonfall Warshs könnte die Erholung dagegen schnell wieder infrage stellen.

Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.

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