Gold-ETC

Kein Zins, keine Dividende, trotzdem plus 136 Prozent in fünf Jahren: warum dieser Gold-ETF seit Jahren einen Lauf hat

01.07.26 14:00 Uhr

Invesco Physical Gold ETC (IE00B579F325): Kosten, Goldpreistreiber und Vergleich zu physischem Gold | finanzen.net

Keine Dividende, keine Unternehmensgewinne, und trotzdem hat sich der Wert dieses Papiers in fünf Jahren mehr als verdoppelt. Wir erklären, was ein ETC überhaupt ist und was den Goldpreis so stark bewegt hat.

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein ETC ist kein ETF, auch wenn beide wie Aktien gehandelt werden, worin der rechtliche Unterschied liegt und warum das für die Sicherheit des Anlegers relevant ist.
  • Gold zahlt keine Zinsen und keine Dividende, und trotzdem hat sich der Preis in wenigen Jahren mehr als verdoppelt, welche Kräfte stecken hinter dieser Entwicklung?
  • Zwei der größten Konkurrenzprodukte werben mit 0 Prozent Kosten, ganz umsonst ist das Investment aber trotzdem nicht, wo die Kosten stattdessen versteckt sind.

Was ein ETC ist und warum er kein ETF ist

Der Invesco Physical Gold ETC wird häufig in einem Atemzug mit ETFs genannt, ist rechtlich aber ein anderes Produkt. ETC steht für Exchange Traded Commodity, zu Deutsch etwa börsengehandelter Rohstoff. Der entscheidende Unterschied zu einem ETF liegt in der rechtlichen Konstruktion. Ein ETF ist ein Sondervermögen, das im Falle einer Insolvenz der Fondsgesellschaft rechtlich vom Vermögen des Emittenten getrennt bleibt und damit dem Anleger gehört. Ein ETC ist dagegen eine Inhaberschuldverschreibung, technisch also eine Anleihe. Wer einen Gold-ETC kauft, hat damit eine Forderung gegenüber dem Emittenten, dass dieser den Wert des hinterlegten Goldes auszahlt oder liefert.

Damit diese Forderung nicht zum bloßen Vertrauensvorschuss wird, sind physisch besicherte Gold-ETCs wie der Invesco-ETC durch tatsächlich eingelagerte Goldbarren gedeckt, die in der Regel bei unabhängigen Verwahrstellen liegen und regelmäßig geprüft werden. Diese physische Hinterlegung soll das Ausfallrisiko des Emittenten weitgehend neutralisieren, ein Restrisiko bleibt aber bestehen, weil ETCs anders als ETF-Sondervermögen keinen automatischen Insolvenzschutz genießen. Für Anleger, die diesen Unterschied verstehen, ändert sich in der Praxis wenig, weil die großen etablierten Gold-ETCs seit vielen Jahren zuverlässig funktionieren.

Ein Gramm Gold pro Anteil, keine klassische Zusammensetzung

Der Invesco Physical Gold ETC bildet die Entwicklung des Goldpreises nahezu eins zu eins ab. Jeder Anteil verbrieft das Eigentum an einer festgelegten Menge physischen Goldes, das in Tresoren gelagert und regelmäßig auf Reinheit und Vollständigkeit geprüft wird. Eine Zusammensetzung aus Aktien oder Anleihen wie bei einem klassischen ETF gibt es hier folgerichtig nicht, das Produkt hält ausschließlich Gold.

Mit einem verwalteten Vermögen von rund 22,9 Milliarden Euro ist der Invesco-ETC der zweitgrößte physisch besicherte Gold-ETC in Europa, knapp hinter dem iShares Physical Gold mit 29,4 Milliarden Euro. Die laufenden Kosten betragen 0,12 Prozent pro Jahr, ein Wert, den auch mehrere direkte Konkurrenten wie Amundi oder iShares verlangen.

Warum zwei Anbieter 0 Prozent Kosten angeben, und was das wirklich bedeutet

In der Liste der größten Gold-ETCs fallen zwei Namen auf, Xetra-Gold und EUWAX Gold II, die beide mit 0,00 Prozent laufenden Kosten aufgeführt sind. Diese Angabe ist korrekt, aber unvollständig, denn beide Anbieter verdienen ihr Geld auf andere Weise.

Bei Xetra-Gold gibt es tatsächlich keine klassische Verwaltungsgebühr, dafür aber separat ausgewiesene Lagerkosten von rund 0,36 Prozent pro Jahr, die in der Kostenkennziffer TER nicht auftauchen, weil sie technisch anders verbucht werden, wirtschaftlich aber genauso wirken wie eine laufende Gebühr. Viele Broker reichen diese Lagerkosten direkt an ihre Kunden weiter, meist über eine monatliche oder jährliche Belastung. Bei EUWAX Gold II entfallen sowohl Verwaltungs- als auch separate Lagerkosten vollständig. Dort verdient der Emittent stattdessen über einen deutlich breiteren Spread, also die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs, der bei etwa 0,4 bis 0,5 Prozent liegt, während der Spread bei Produkten wie dem Invesco Physical Gold ETC oder Xetra-Gold häufig nur wenige Hundertstel Prozentpunkte beträgt. Wer selten handelt und lange hält, für den kann ein breiterer Spread bei 0 Prozent laufenden Kosten trotzdem günstiger sein als eine niedrige TER mit engem Spread. Wer häufiger kauft und verkauft, fährt in der Regel mit einem engen Spread besser, selbst wenn eine kleine laufende Gebühr anfällt.

Woher die Rendite eines Goldinvestments überhaupt kommt

Bei einer Aktie oder einem Unternehmensanleihen-ETF lässt sich die Rendite auf Gewinne, Dividenden oder Zinszahlungen zurückführen. Bei Gold funktioniert das anders, denn Gold erwirtschaftet selbst nichts. Es zahlt keine Zinsen, keine Dividende und keinen Kupon. Die gesamte Rendite eines Goldinvestments entsteht ausschließlich durch die Veränderung des Goldpreises selbst, also durch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage nach dem physischen Metall. Wer Gold hält, spekuliert also weder auf ein Geschäftsmodell noch auf zukünftige Erträge, sondern darauf, dass andere Marktteilnehmer in der Zukunft bereit sind, für dieselbe Menge Gold mehr zu bezahlen als heute.

Historisch hat sich das ausgezahlt, allerdings unregelmäßig und in Schüben. Die vergangenen Jahre liefern ein Lehrbuchbeispiel dafür, welche Kräfte den Goldpreis antreiben. 2023 stieg der Goldpreis moderat um 9,71 Prozent, eine erste Reaktion auf die absehbare Entspannung bei den US-Zinserhöhungen. 2024 beschleunigte sich der Anstieg auf 34,49 Prozent, getragen von eskalierenden Spannungen im Nahen Osten, ersten Zinssenkungserwartungen und einer bereits damals deutlich gestiegenen Nachfrage der Notenbanken, die seit 2022 ihre Goldreserven in einem historisch hohen Tempo aufgebaut haben. 2025 setzte sich diese Entwicklung mit einem Plus von 45,71 Prozent fort und markierte damit den stärksten Jahresgewinn seit den späten 1970er-Jahren. Der Goldpreis überschritt erstmals die Marke von 4.000 US-Dollar pro Feinunze. Als Haupttreiber gelten vier Faktoren: eine geldpolitische Wende der US-Notenbank mit tatsächlichen Zinssenkungen, ein schwächerer US-Dollar, der Gold für Käufer außerhalb der USA günstiger macht, eine strukturelle Diversifizierung der Notenbankreserven weg vom US-Dollar, verstärkt durch das Einfrieren russischer Devisenreserven im Jahr 2022, sowie eskalierende Handelskonflikte und geopolitische Unsicherheit.

Nach dem historischen Anstieg kam es am 21. Oktober 2025 zu einem Tagesverlust von rund 6 Prozent, dem größten seit über einem Jahrzehnt, gefolgt von einer Konsolidierungsphase, die sich bis in das laufende Jahr fortsetzt. Die aktuellen Verlustwerte von minus 3,84 Prozent im laufenden Jahr und minus 9,66 Prozent im letzten Monat spiegeln diese Gegenbewegung nach der außergewöhnlich starken Rally wider, nicht eine grundsätzliche Umkehr der langfristigen Treiber. Mehrere Analysehäuser, darunter Morgan Stanley und J.P. Morgan, erwarten trotz der jüngsten Schwäche weiter steigende Preise, sofern Notenbankkäufe, geopolitische Risiken und die Aussicht auf weitere Zinssenkungen anhalten, mit Zielmarken, die teilweise deutlich über dem aktuellen Niveau liegen. Diese Prognosen sind mit der gebotenen Vorsicht zu lesen, da sie auf Annahmen über eine ungewisse politische und wirtschaftliche Zukunft beruhen.

ETC oder physisches Gold: Vor- und Nachteile im Vergleich

Wer grundsätzlich in Gold investieren möchte, kann das über einen ETC oder über den klassischen Kauf von Barren und Münzen tun. Beide Wege haben Stärken und Schwächen. Ein ETC punktet mit einfacher Handhabung: Er ist börsentäglich handelbar, passt in ein normales Wertpapierdepot, erfordert keine eigene Lagerung und keine Versicherung gegen Diebstahl, und ist meist bereits ab kleinen Beträgen sparplanfähig. Der Nachteil ist das bereits erläuterte Emittentenrisiko, das bei physischem Gold im eigenen Besitz vollständig entfällt, weil dort kein Vertragspartner zwischengeschaltet ist.

Physisches Gold in der eigenen Hand bietet dagegen die höchste Form der Unabhängigkeit. Es unterliegt keinem Emittentenrisiko und ist im Krisenfall, etwa bei einem Ausfall des Bankensystems, direkt verfügbar. Dem stehen praktische Nachteile gegenüber. Die sichere Lagerung, etwa in einem Bankschließfach oder Tresor, kostet Geld, ein Verkauf erfordert einen physischen Händler und ist weniger unmittelbar als ein Börsenverkauf, und beim beim Kauf und Verkauf fallen häufig größere Aufschläge an als beim Spread eines ETCs. Manche Anleger kombinieren deshalb beide Weg. Einen ETC für den liquiden, handelbaren Teil der Position und physisches Gold als Notfallreserve außerhalb des Finanzsystems.

Rendite und Risiko im Vergleich zu einem Aktien-Welt-ETF

Da sich die Kennzahlen der großen Gold-ETCs kaum unterscheiden, lohnt der Vergleich mit einer völlig anderen Anlageklasse, einem breiten Aktien-Welt-ETF. Über ein Jahr liegt der Gold-ETC mit 25,61 Prozent knapp über den 24,46 Prozent des Invesco MSCI World, über drei Jahre mit 99,72 Prozent deutlich vor dessen 61,52 Prozent, und über fünf Jahre mit 136,31 Prozent noch klarer vor den 79,84 Prozent. Diese Zahlen sollten nicht als Beleg dafür gelesen werden, dass Gold Aktien grundsätzlich überlegen ist, denn die vergangenen Jahre waren für Gold historisch außergewöhnlich, sondern als Hinweis darauf, wie unterschiedlich beide Anlageklassen auf dieselben Umweltbedingungen reagieren.

Beim Risiko zeigt sich ein differenzierteres Bild als oft angenommen. Die Volatilität des Gold-ETCs liegt über ein Jahr bei 23,59 Prozent, deutlich über den 10,60 Prozent des Aktien-Welt-ETFs, über fünf Jahre nähern sich die Werte mit 17,06 gegenüber 14,75 Prozent stärker an. Gold ist damit kurzfristig keineswegs die ruhigere Anlage, wie es vermutet wird, sondern kann durchaus heftig schwanken, wie der Tagesverlust vom Oktober 2025 zeigt. Der maximale Drawdown über ein Jahr liegt beim Gold-ETC bei minus 22,48 Prozent, seit Auflage bei minus 37,45 Prozent, in einer ähnlichen Größenordnung wie bei Aktien. Der viel zitierte Sicherheitscharakter von Gold zeigt sich weniger in einer geringeren Schwankungsbreite als in der geringen und teils negativen Korrelation zu Aktienmärkten in bestimmten Krisenphasen, also der Tendenz, sich unabhängig von der allgemeinen Börsenentwicklung zu bewegen.

Für wen sich eine Investition in den Gold-ETC eignet

Ein Investment in diesen Gold-ETC eignet sich für Anleger, die ihrem Portfolio eine Anlageklasse hinzufügen wollen, die sich unabhängig von Unternehmensgewinnen und weitgehend unabhängig vom Zinsniveau entwickelt, und die insbesondere von einer anhaltenden Diversifizierung der Notenbankreserven weg vom US-Dollar, von geopolitischer Unsicherheit oder von einer Fortsetzung der Zinssenkungen überzeugt sind. Wer diese Faktoren für strukturell und nicht nur vorübergehend hält, für den bietet ein Gold-ETC einen einfachen, liquiden Zugang ohne die praktischen Nachteile physischen Besitzes. Wer dagegen laufende Erträge in Form von Zinsen oder Dividenden erwartet oder eine geringere kurzfristige Schwankung sucht, findet hier nicht das passende Produkt, denn Gold liefert keine Erträge und kann, wie der Oktober 2025 zeigt, auch kurzfristig kräftig einbrechen. Als kleine, taktische oder strategische Beimischung von in der Regel 5 bis 10 Prozent des Depots wird Gold von vielen Vermögensverwaltern empfohlen, als alleiniger oder überproportional großer Depotbaustein ist es wegen der fehlenden laufenden Erträge und der Abhängigkeit von schwer vorhersehbaren geopolitischen und geldpolitischen Entwicklungen weniger geeignet.

Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net).

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Gold-ETCs unterliegen Kursschwankungen und einem Emittentenrisiko, das sich von dem eines ETF-Sondervermögens unterscheidet. Vergangene Preisentwicklungen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

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