Minus 28 Prozent in einem Jahr, dann drei Jahre mit Traumrenditen: Was den Nasdaq 100 zum Stimmungsbarometer der Tech-Welt macht

Plus 49 Prozent, plus 33 Prozent, plus 91 Prozent, und zuvor ein Verlustjahr von fast 30 Prozent: Kein anderer US-Index zeigt so deutlich, wie sehr sein Schicksal an Zinsen und KI-Euphorie hängt.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- 100 der größten Nicht-Finanzwerte der Nasdaq-Börse in einem ETF, angeführt von NVIDIA und Apple, mit einer Technologiequote von fast 56 Prozent.
- 2022 minus 28 Prozent, 2023 plus 49 Prozent, 2024 plus 33 Prozent: was diese Achterbahn über die Zinssensitivität des Index verrät und wann Anleger mit Gegenwind rechnen müssen.
- Unter den großen Nasdaq-100-ETFs mit über 2 Milliarden Euro Volumen ist nur ein Konkurrent günstiger, der dafür kaum zwei Jahre Börsenhistorie vorweisen kann.
Kein Index spiegelt die Stimmung rund um die großen Technologiekonzerne so unmittelbar wie der Nasdaq 100. Wenn die Zinsen steigen, trifft es ihn härter als jeden breiten Markt. Wenn ein KI-Boom die Fantasie beflügelt, treibt er stärker als jeder andere. Der Xtrackers Nasdaq 100 UCITS ETF bildet genau diesen Index ab, die 100 größten Nicht-Finanzunternehmen der Technologiebörse Nasdaq, angeführt von NVIDIA und Apple. Die jüngste Renditegeschichte des Fonds liest sich wie ein Lehrstück in Marktzyklen: ein brutales Verlustjahr, gefolgt von drei Jahren mit teils spektakulären Gewinnen.
100 Technologiewerte, 0,20 Prozent Kosten, ein knapp günstigerer Konkurrent
Der Xtrackers Nasdaq 100 UCITS ETF 1C bildet den Nasdaq 100 Index ab. Dieser umfasst die 100 größten an der Nasdaq notierten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors, gewichtet nach modifizierter Marktkapitalisierung mit Kappungsregeln, die eine Überkonzentration auf einzelne Werte verhindern sollen. Aktuell sind 102 Positionen enthalten (durch Mehrfachgattungen wie bei Alphabet, das mit A- und C-Aktien separat im Index steht). Überprüft wird die Zusammensetzung vierteljährlich. Umgesetzt wird der Fonds über vollständige physische Replikation, Erträge werden thesauriert.
Bei den Kosten zeigt sich ein enges Rennen an der Spitze. Unter allen Nasdaq-100-ETFs mit mehr als 2 Milliarden Euro Fondsvolumen ist nur der BNP Paribas Easy II Nasdaq 100 (0,14 Prozent, 2,4 Mrd. Euro) günstiger als der Xtrackers mit 0,20 Prozent. Der BNP-Fonds hat dafür einen entscheidenden Nachteil: Er wurde erst am 16. November 2022 aufgelegt und bringt damit knapp zwei Jahre weniger Börsenhistorie mit. Wer also Rendite- und Risikokennzahlen über drei oder fünf Jahre vergleichen will, findet beim BNP-Fonds noch keine vollständige Datenreihe, während der Xtrackers bereits seit Februar 2021 am Markt ist und damit das schwierige Jahr 2022 in seiner Historie trägt. Die etablierteren, noch größeren Anbieter wie der iShares Nasdaq 100 (23,6 Mrd. Euro) oder der Invesco EQQQ (11,6 Mrd. Euro) kosten mit jeweils 0,30 Prozent deutlich mehr.
2022 minus 28 Prozent: Warum Zinsen Gift für den Nasdaq 100 sind
Um zu verstehen, wann dieser ETF glänzt und wann er leidet, hilft der Blick auf die Mechanik dahinter. Im Nasdaq 100 dominieren Wachstumsunternehmen, deren Bewertung stark von zukünftigen, oft noch Jahre entfernten Gewinnen abhängt. Steigen die Zinsen, sinkt der heutige Wert dieser zukünftigen Gewinne überproportional, ein Effekt, der bei Substanzwerten mit stabilen, gegenwärtigen Cashflows viel schwächer ausfällt. Genau das passierte 2022: Die US-Notenbank erhöhte den Leitzins in einer der aggressivsten Zinserhöhungsserien ihrer Geschichte von 0,25 auf 5,25 Prozent, um die hohe Inflation zu bekämpfen. Der Nasdaq 100 verlor in diesem Umfeld 28,43 Prozent, deutlich mehr als der marktbreitere S&P 500.
Die Wende kam mit dem Start von ChatGPT im November 2022. Was zunächst als Kuriosität begann, entwickelte sich zur größten Investitionswelle der Technologiegeschichte. 2023 erholte sich der Index mit 49,25 Prozent fulminant, angetrieben von der Erwartung, dass generative KI die Produktivität ganzer Branchen verändern würde, und von der Aussicht auf ein langsameres Tempo künftiger Zinserhöhungen. 2024 setzte sich die Rally mit 33,49 Prozent fort, diesmal getragen von konkreten, milliardenschweren Investitionen der großen Cloud-Anbieter in KI-Rechenzentren. Im eher verhaltenen Jahr 2025 verlangsamte sich der Anstieg auf 6,67 Prozent, während das laufende Jahr mit 20,44 Prozent wieder deutlich kräftiger ausfällt.
Die Lehre für Anleger: Der Nasdaq 100 glänzt in Phasen sinkender oder stabil niedriger Zinsen, kombiniert mit Wachstumsfantasie für die enthaltenen Technologiekonzerne. Er leidet in Phasen aggressiver Zinserhöhungen oder wenn Zweifel an der Monetarisierung großer Technologietrends aufkommen. Aktuell diskutiert die US-Notenbank wieder über das Tempo künftiger Leitzinsschritte, was die Sensitivität des Index für die kommenden Quartale weiterhin hochhält.
NVIDIA, Apple und Micron: KI-Infrastruktur, persönliche Assistenten und Speicherchips
Die zehn größten Positionen stellen zusammen 45,25 Prozent, eine erhebliche Konzentration bei 102 Titeln, die der Kappungsmechanismus des Index zumindest begrenzt.
Größte Position ist NVIDIA mit 7,96 Prozent. Am 29. Juni 2026 meldete der Konzern eine Vertiefung seiner Partnerschaft mit Microsoft und dem KI-Unternehmen Anthropic: Anthropics Claude-Modelle laufen ab sofort allgemein verfügbar auf NVIDIA GB300 Blackwell-Ultra-Chips in Microsoft Azure beziehungsweise Foundry. Unternehmen können damit autonome KI-Agenten auf Basis von Claude direkt in der Microsoft-Cloud betreiben, abgesichert durch ein neues Referenzdesign für governance-konforme Agentenumgebungen. Die Meldung zeigt, wie tief NVIDIA inzwischen mit den führenden KI-Modellanbietern und Cloud-Plattformen verzahnt ist, weit über den reinen Chipverkauf hinaus.
Auf Rang zwei folgt Apple mit 6,84 Prozent. Am 8. Juni 2026 stellte der Konzern eine komplett neu entwickelte Version von Siri vor, intern Siri AI genannt. Angetrieben von der nächsten Generation von Apple Intelligence soll der Assistent deutlich gesprächiger und leistungsfähiger werden, mit Verständnis für persönlichen Kontext, breitem Weltwissen für aktuelle Informationen und der Fähigkeit, zu erkennen, was gerade auf dem Bildschirm angezeigt wird. Erste Entwicklertests starteten sofort, eine Beta-Version für Nutzer soll im weiteren Jahresverlauf folgen. Für Apple ist das ein wichtiger Schritt, weil die bisherige Siri-Version im Vergleich zu Konkurrenzassistenten als rückständig galt.
Den dritten Platz belegt Micron Technology mit 5,51 Prozent. Am 24. Juni 2026 meldete der Speicherchiphersteller Rekordergebnisse für das dritte Geschäftsquartal: Der Umsatz stieg auf 41,46 Milliarden US-Dollar, mehr als viereinhalbmal so viel wie im Vorjahresquartal, getrieben von der explodierenden Nachfrage nach KI-Speicher. Die Bruttomarge erreichte mit 84,9 Prozent einen Unternehmensrekord, und das Management hob die Umsatzprognose für das laufende Quartal auf rund 50 Milliarden US-Dollar an. Dass mit NVIDIA, Apple und Micron ein Chiphersteller, ein Gerätekonzern und ein Speicherspezialist die Spitze bilden, zeigt, wie breit die KI-Wertschöpfungskette im Nasdaq 100 bereits verankert ist.
Fast 56 Prozent Technologie und hohe Schwankung
Die Sektoraufteilung bestätigt die Tech-Dominanz: 55,83 Prozent Technologie, 12,71 Prozent Telekommunikation (darunter Meta und Alphabet) und 10,54 Prozent Nicht-Basiskonsumgüter (darunter Amazon und Tesla).
Beim Risiko zeigt sich konsequent das, was die Jahresrenditen schon andeuten. Die Volatilität liegt über ein Jahr bei 17,55 Prozent, über drei Jahre bei 20,45 Prozent und über fünf Jahre bei 23,02 Prozent, deutlich über einem breiten Welt- oder S&P-500-ETF. Der maximale Rückschlag über fünf Jahre betrug 31,37 Prozent, exakt der Wert seit Auflage, was zeigt, dass der Einbruch von 2022 bislang der größte in der Fondsgeschichte war. Das Rendite-Risiko-Verhältnis liegt über ein Jahr bei 1,98, über drei Jahre bei 1,18 und über fünf Jahre bei 0,72, eine deutliche Verschlechterung über längere Zeiträume, weil das schwache Jahr 2022 in den längeren Betrachtungsfenstern stärker durchschlägt.
Für wen sich der Nasdaq-100-ETF eignet
Der Xtrackers Nasdaq 100 eignet sich für Anleger, die gezielt auf die größten Technologie- und Wachstumskonzerne der Nasdaq setzen wollen und die damit verbundene erhöhte Zinssensitivität und Schwankungsbreite bewusst in Kauf nehmen. Wer an einen anhaltenden KI-Investitionszyklus und ein moderates Zinsumfeld glaubt, findet hier einen der günstigeren Wege, breit gestreut über 100 Werte daran zu partizipieren. Wer dagegen mit einer erneuten Phase aggressiver Zinserhöhungen rechnet, sollte sich an das Jahr 2022 erinnern, das zeigt, wie schnell sich die Stimmung drehen kann. Als alleiniger Depotbaustein ist der Fonds wegen der fehlenden Branchenstreuung (kein Finanzsektor, kaum Energie oder Grundstoffe) und der vollständigen US-Konzentration ungeeignet. Als Beimischung zu einem breiten Welt-Portfolio verstärkt er gezielt das Technologie- und Wachstumsexposure, das in einem MSCI World oder S&P 500 ohnehin schon spürbar vorhanden ist.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net).
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
Anzeige: Auf Technologie und Wachstum setzen: den Xtrackers Nasdaq 100 ETF per Sparplan bei finanzen.net zero, ab 0 Euro. (finanzen.net zero: https://www.finanzen.net/zero/)
Übrigens: Apple und andere US-Aktien sind bei finanzen.net ZERO sogar bis 23 Uhr handelbar (ohne Ordergebühren, zzgl. Spreads). Jetzt kostenlos Depot eröffnen und Neukunden-Bonus sichern!
Ausgewählte Hebelprodukte auf Apple
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf Apple
Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
| Name | Hebel | KO | Emittent |
|---|
| Name | Hebel | KO | Emittent |
|---|
Weitere News
Bildquellen: andersphoto / Shutterstock.com, Aleksandra Gigowska / Shutterstock.com
Nachrichten zu NVIDIA Corp.
Analysen zu NVIDIA Corp.
| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 29.06.2026 | NVIDIA Outperform | Bernstein Research | |
| 08.06.2026 | NVIDIA Outperform | Bernstein Research | |
| 21.05.2026 | NVIDIA Kaufen | DZ BANK | |
| 21.05.2026 | NVIDIA Buy | UBS AG | |
| 21.05.2026 | NVIDIA Outperform | RBC Capital Markets |
| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 29.06.2026 | NVIDIA Outperform | Bernstein Research | |
| 08.06.2026 | NVIDIA Outperform | Bernstein Research | |
| 21.05.2026 | NVIDIA Kaufen | DZ BANK | |
| 21.05.2026 | NVIDIA Buy | UBS AG | |
| 21.05.2026 | NVIDIA Outperform | RBC Capital Markets |
| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 18.03.2026 | NVIDIA Hold | Deutsche Bank AG | |
| 20.11.2025 | NVIDIA Hold | Deutsche Bank AG | |
| 20.08.2025 | NVIDIA Hold | Deutsche Bank AG | |
| 10.01.2025 | NVIDIA Hold | Deutsche Bank AG | |
| 21.11.2024 | NVIDIA Halten | DZ BANK |
| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 04.04.2017 | NVIDIA Underweight | Pacific Crest Securities Inc. | |
| 24.02.2017 | NVIDIA Underperform | BMO Capital Markets | |
| 23.02.2017 | NVIDIA Reduce | Instinet | |
| 14.01.2016 | NVIDIA Underweight | Barclays Capital | |
| 26.07.2011 | NVIDIA underperform | Needham & Company, LLC |
Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für NVIDIA Corp. nach folgenden Kriterien zu filtern.
Alle: Alle Empfehlungen
