Monte-Carlo-Simulation für ETF-Portfolios: Wie viel Rendite langfristig realistisch ist

Wie viel Rendite ist mit einem ETF-Portfolio realistisch erreichbar? Die Monte-Carlo-Simulation liefert keine Garantien, aber fundierte Wahrscheinlichkeiten - und zeigt, warum die Zusammensetzung des Portfolios so entscheidend ist.
•Monte-Carlo-Simulationen zeigen realistische Renditechancen statt fester Prognosen
•Gut diversifizierte ETF-Portfolios können Schwankungen und Verlustrisiken deutlich reduzieren
•Regelmäßiges Rebalancing hilft, Risiken zu kontrollieren und Renditechancen langfristig zu stabilisieren
Was die Monte-Carlo-Simulation zeigt
Wer wissen will, wie ein ETF-Portfolio unter realen Bedingungen abschneidet, kommt an einer ehrlichen Auseinandersetzung mit Unsicherheit nicht vorbei. Die Monte-Carlo-Simulation ist dafür ein bewährtes Werkzeug. Sie erzeugt tausende mögliche Marktszenarien auf Basis historischer Renditen, Schwankungsbreiten und Zusammenhänge zwischen Anlageklassen und zeigt, welche Ergebnisse wahrscheinlich, welche möglich und welche unwahrscheinlich sind. Ibbotson Associates, ein auf Finanzanalyse spezialisiertes Forschungshaus, beschreibt die Methode als Verfahren, das die Eintrittswahrscheinlichkeit bestimmter Ergebnisse durch wiederholte Simulationsläufe mit Zufallsvariablen annähert. Das Ergebnis ist keine Prognose, sondern eine Wahrscheinlichkeitsverteilung. Genau darin liegt der Nutzen. Anleger können nachvollziehen, mit welcher Rendite unter welchen Bedingungen realistisch zu rechnen ist, und ihre Portfoliostruktur entsprechend ausrichten.
Mehr Rendite durch bessere Zusammensetzung
Die entscheidende Frage lautet nicht nur, wie viel ein Portfolio erzielen kann, sondern wie viel es unter verschiedenen Marktbedingungen zuverlässig erwirtschaftet. Waypoint Capital hat in einer Analyse verschiedene Portfoliomischungen mit 50.000 simulierten Szenarien verglichen. Ein reines Aktienportfolio erzielt dabei die höchste mittlere Rendite, produziert aber auch die weitaus größten Schwankungen und die heftigsten Verluste in ungünstigen Szenarien. Ein breit gestreutes Portfolio aus Aktien, Anleihen, Immobilien und Gold erreicht dagegen in vielen Szenarien ähnliche oder nur geringfügig niedrigere Erträge bei deutlich stabilerer Entwicklung. Die Sharpe-Ratio, also die Rendite je eingegangener Risikoeinheit, fällt für gut diversifizierte Portfolios in den Simulationen regelmäßig besser aus als für konzentrierte. Wer also nicht maximale Rendite um jeden Preis anstrebt, sondern eine zuverlässige Vermögensentwicklung, fährt mit einem durchdachten Mischportfolio in der Simulation besser.
Was Rebalancing zur Rendite beiträgt
Ein gut zusammengestelltes Portfolio allein reicht nicht aus. Entscheidend ist auch, ob es regelmäßig gepflegt wird. Meher und Mishra, zwei Wirtschaftsforscher der Sambalpur University, haben genau das untersucht. Sie verglichen ein einmal optimiertes Portfolio, das danach unverändert bleibt, mit einem Portfolio, das quartalsweise auf seine ursprünglichen Zielgewichte zurückgeführt wird. Das regelmäßig angepasste Portfolio erzielte dabei einen messbaren Renditevorsprung gegenüber der statischen Variante. Der Grund: Märkte verschieben sich, einzelne Positionen wachsen über ihre ursprüngliche Gewichtung hinaus und konzentrieren damit Risiken, die beim Rebalancing wieder abgebaut werden. Gleichzeitig werden unterbewertete Positionen systematisch aufgestockt. Beide optimierten Portfolios übertrafen den Vergleichsindex deutlich, auch nach Abzug der anfallenden Transaktionskosten.
Warum Diversifikation keine Rendite kostet
Ein verbreiteter Irrtum ist die Annahme, dass Streuung über viele Anlageklassen zwangsläufig auf Kosten der Rendite geht. Die Simulationsergebnisse widerlegen das. Waypoint Capital zeigt, dass die die untersuchten Portfolios mit niedrig korrelierten Anlagen langfristig eine bessere risikobereinigte Rendite erzielen als konzentrierte Portfolios. Besonders auffällig ist, dass riskantere Anlageklassen über teils sehr lange Zeiträume hinter konservativeren Alternativen zurückbleiben können, bevor sie wieder aufholen. Wer in dieser Zeit kein stabilisierendes Gegengewicht im Portfolio hat, läuft Gefahr, zum falschen Zeitpunkt zu verkaufen und damit dauerhaft Rendite zu verschenken. Ein breit gestreutes ETF-Portfolio mit regelmäßigem Rebalancing reduziert genau dieses Risiko, ohne die langfristigen Renditechancen wesentlich zu schmälern. Die Schlussfolgerung aus den Simulationen ist damit weniger spektakulär als mancher erhofft, aber belastbar. Nicht das riskanteste, sondern das am besten strukturierte Portfolio liefert über lange Zeiträume die zuverlässigsten Ergebnisse.
Jonas Vogt, Redaktion finanzen.net
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