Renditefokus oder Risikopuffer? Wie andere Anleger ihre Portfolios aufstellen
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Immer mehr Menschen nehmen ihre Geldanlage selbst in die Hand. Doch wie gehen sie dabei vor und wie sehen ihre Portfolios aus? Aktuelle Daten von Vanguard geben Aufschluss darüber, wie Anleger ihre Portfolios aufstellen und diversifizieren.
Dr. Axel Haus, Vanguard
Über die Balance, also wie ausgewogen eine Anlagestrategie ist, entscheidet nicht nur die Streuung, sondern auch die Mischung aus Aktien und Anleihen. Kombinieren Anleger in ihrem Portfolio Aktien und Anleihen, könnte zwar die langfristige Rendite im Vergleich mit einer reinen Aktienstrategie sinken. Gleichzeitig kann dadurch aber die Schwankungsbreite der Geldanlage zurückgehen - eine breite Streuung vorausgesetzt. Zwar gab es auch Fälle, in denen sowohl die Kurse von Aktien als auch Anleihen fielen, historisch federten Anleihen aber in den meisten Marktphasen einen Teil der Verluste von Aktien ab1.
Anleger, die selbst über ihre Geldanlage entscheiden, scheinen sich am Aktienmarkt zu Hause zu fühlen. Zu mehr als 90 % bestehen die Anlegerportfolios in unserer neuesten Analyse, dem Vanguard Portfolio Check 2026, im Durchschnitt aus Aktienanlagen. Dazu zählen Einzelaktien, offene Aktienfonds und Aktien-ETFs (Grafik 1).
Grafik 1
Gewichtung verschiedener Anlageklassen in den Portfolios über alle Produktkategorien hinweg
Die Abbildung stellt keinen Indikator für zukünftige Ergebnisse dar und ist nicht als Prognose zu verstehen.
Hinweise: Anlageklassen übergreifend über alle Produktkategorien. Da nicht für alle Plattformen Daten zu Kryptowerten zur Verfügung stehen, haben wir uns dazu entschlossen, diese auszuklammern und uns auf traditionelle Portfoliobausteine zu konzentrieren. Bei "Festverzinslichen Anlagen" handelt es sich beispielsweise um Anleihen- und Geldmarkt-Anlagen, hauptsächlich in ETFs und sonstigen Fonds. Bei Multi-Asset-Anlagen handelt es sich um ETFs und sonstige Fonds, die Aktien und Anleihen in ihrem Portfolio mischen. "Sonstige" beinhaltet vor allem Immobilien-Anlagen sowie andere Investments der Kategorie Real Assets. Gezeigt wird die vermögensgewichtete Aufteilung.
Quelle: Stolper, Scheld. Eigene Berechnungen. Stand: 30. Juni 2025
Andere Vermögenswerte wie festverzinsliche Anlagen oder Geldmarkt-Investments spielen dagegen nur eine kleine Rolle. Allerdings könnten Anleger außerhalb der beobachteten Anlagestrategien über weiteres Vermögen verfügen, wie zum Beispiel Spareinlagen oder Immobilien, die diese Vermögensaufteilung verschieben würden.
Schaut man ausschließlich auf den ETF-Anteil der Portfolios (er scheint für viele Anleger in unserer Untersuchung den langfristigen Kern ihrer Geldanlage darzustellen), fiel das Aktiengewicht im Betrachtungszeitraum mit rund 80 % ebenfalls hoch aus (Grafik 2). Obwohl die hohe Aktienquote in den betrachteten Portfolios auf eine große Risikobereitschaft hindeutet, nutzen Anleger auch Investments am anderen Ende des Risikospektrums: Der Rest des ETF-Portfolios entfiel zum Stichtag 30. Juni 2025 vor allem auf Geldmarkt-ETFs (ca. 8 %) - also börsengehandelte Fonds, die von vielen Anlegern als Alternative zu Spareinlagen wie Tagesgeld-Konten genutzt werden.
Grafik 2
Aufteilung der ETF-Portfolios über die Zeit
Die Abbildung stellt keinen Indikator für zukünftige Ergebnisse dar und ist nicht als Prognose zu verstehen.
Hinweis: Anlageklassen innerhalb des ETF-Portfolios. Bei Multi-Asset-Anlagen handelt es sich um ETFs, die Aktien und Anleihen in ihrem Portfolio mischen. "Sonstiges" beinhaltet beispielsweise ETFs für Wandelanleihen, börsengelistete alternative Investments und Krypto-Anlagen. Gezeigt wird die vermögensgewichtete Aufteilung.
Quelle: Stolper, Scheld. Eigene Berechnungen. Stand: 30. Juni 2025
Mit unserem Portfolio Check wollen wir Anlegern die Möglichkeit geben, einen Blick auf die Portfolios und das Verhalten von anderen Anlegern zu werfen. Dabei konzentrieren wir uns ausschließlich auf Kapitalmarktanlagen. Wir haben über 18 Millionen Datenpunkte zu knapp 166.600 Portfolios1 mit einem gesammelten Anlagevolumen von 6,8 Milliarden € untersucht. Dafür nutzen wir Daten von extraETF, getquin und Parqet, drei Anbieter von Portfolio-Tracking-Apps, die es Anlegern ermöglichen, mehrere Depots in einer App zu bündeln, Erfolg zu messen und ihre Portfoliostruktur nachzuverfolgen. Im Fokus stehen Anleger aus Deutschland, die selbst über ihre Geldanlage entscheiden.
Anleihen oder geparktes Geld?
Obwohl Geldmarkt-ETFs oft eine Lösung für ein finanzielles Notpolster darstellen können, könnten sie als Portfoliokomponente dazu führen, dass Anleger langfristig geringere Ergebnisse erzielen als mit anderen Investments. Wenn Anleger neben den Geldmarkt-ETFs noch weitere Bareinlagen besitzen, kann das dazu führen, dass sie mehr Geld an der Seitenlinie halten als nötig. Laut Zahlen der Bundesbank bestand Ende des zweiten Quartals 2025 mehr als ein Drittel des Finanzvermögens (3,5 Billionen €) der deutschen Haushalte aus Bargeld und Einlagen.2
In den ETF-Portfolios der Anleger machten Anleihen-ETFs nur ca. 4 % des Vermögens aus. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass nur wenige Anleger Anleihen als strategischen Risikopuffer einsetzen. Genau diese Funktion konnten Anleihen historisch in vielen Fällen erfüllen. Gleichzeitig könnten sie verglichen mit dem Geldmarkt höhere Renditeaussichten bieten.
Mit steigender Portfoliogröße besitzen immer mehr Anleger mindestens einen Geldmarkt- oder Anleihen-ETF (Grafik 3). Während diese ETFs noch immer eine kleine Rolle spielen, scheinen sie insgesamt an Bedeutung zu gewinnen. Per Ende Juni 2025 besaßen 21 % der Anleger mit den größten Portfolios mindestens einen Zins-ETF, zwei Jahre zuvor waren es 16 %. Bei den kleinsten Portfolios stieg dieser Anteil von knapp 4 % auf 5 %.
Grafik 3
Anteil der Anleger mit mindestens einem Zins-ETF
Die Abbildung stellt keinen Indikator für zukünftige Ergebnisse dar und ist nicht als Prognose zu verstehen.
Hinweis: "Zins-ETFs" fassen Anleihen- und Geldmarkt-ETFs zusammen.
Quelle: Stolper, Scheld. Eigene Berechnungen. Stand: 30. Juni 2025
Was die Daten bedeuten könnten
Die hohe Aktienquote der Anlegerportfolios ist nicht per se problematisch: Für manche Menschen, z. B. junge Anleger mit langem Anlagehorizont, kann der hohe Aktienanteil sinnvoll sein. Wahrscheinlich ist die Aktienquote der Anleger auch nicht so hoch wie sie scheint: Bankeinlagen, Versicherungsprodukte und Betriebsrenten etwa werden alle nicht in Depots gehalten und kommen deshalb auch nicht in den Daten vor, sodass die tatsächliche Aktienquote über das gesamte Vermögen hinweg mit hoher Wahrscheinlichkeit niedriger ausfällt.
Dennoch steht die Frage im Raum, wie die Anleger mit deutlich stärkeren oder länger anhaltenden Marktrückgängen umgegangen wären. Verglichen mit anderen historischen Marktereignissen fielen die zwischenzeitlichen Kursrückgänge im Untersuchungszeitraum milde und kurz aus.
Am 2. April 2025 verkündete die US-Regierung weitreichende Importzölle und ernannte den Tag zum "Liberation Day", woraufhin zahlreiche Aktienbörsen weltweit mit Kursverlusten reagierten. Gemessen am FTSE All-World Index fielen die Notierungen um rund -19 %3. Ein Bärenmarkt, also eine Marktphase mit deutlicheren Rücksetzern, beginnt per Definition erst ab -20 %, während Ereignisse wie die große Finanzkrise ab 2007 die weltweiten Aktienkurse um mehr als -50 % fallen ließen4. Die Kursrückgänge im Beobachtungszeitraum waren also noch kein relevanter Stresstest.
Ermutigend ist, wie die Anleger ETFs einsetzen. Globale und regionale Allokationen dominieren die ETF-Portfolios, während thematische Produkte lediglich 4 % ausmachen. Das deutet darauf hin, dass viele Anleger ETFs als diversifizierte Kernbausteine im Portfolio einsetzen.
Dr. Axel Haus ist Kapitalmarktexperte und besitzt einen Doktortitel in Volkswirtschaftslehre von der Goethe-Universität Frankfurt. Bei Vanguard ist er für die strategische Zusammenarbeit mit Brokern, Online-Banken und digitalen Vermögensverwaltungsplattformen zuständig.
Dies ist eine Marketingmitteilung. Vanguard stellt nur Informationen zu Produkten und Dienstleistungen bereit und erteilt keine Anlageberatung basierend auf individuellen Umständen.
Wichtige Hinweise zu Anlagerisiken
Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden. Der Wert der Investitionen und die daraus resultierenden Erträge können steigen oder fallen, und Anleger:innen erhalten den ursprünglich investierten Betrag unter Umständen nicht in voller Höhe zurück. Es besteht das Risiko eines Totalverlustes.
Die frühere Wertentwicklung gibt keinen verlässlichen Hinweis auf zukünftige Ergebnisse.
Jegliche Prognosen sollten als hypothetischer Natur betrachtet werden und spiegeln keine zukünftigen Ergebnisse wider bzw. garantieren diese nicht.
ETF-Anteile können nur durch einen Makler erworben oder verkauft werden. Die Anlage in ETFs bringt eine Börsenmakler-Provision und eine Geld-Brief-Spanne mit sich, was vor der Anlage vollständig berücksichtigt werden sollte.
Festverzinsliche Wertpapiere bergen das Risiko eines Zahlungsausfalls bei Rückzahlungen und einer Beeinträchtigung des Kapitalwerts Ihrer Investition. Außerdem kann das Ertragsniveau schwanken. Änderungen der Zinssätze haben wahrscheinlich Auswirkungen auf den Kapitalwert von festverzinslichen Wertpapieren. Unternehmensanleihen können höhere Erträge abwerfen, bergen aber auch ein höheres Kreditrisiko. Dadurch steigt das Risiko eines Zahlungsausfalls bei Rückzahlungen und einer Beeinträchtigung des Kapitalwerts Ihre Investition. Das Ertragsniveau kann schwanken und Änderungen der Zinssätze haben wahrscheinlich Auswirkungen auf den Kapitalwert von Anleihen.
Alternative Anlagen unterliegen weniger Regulierung, können illiquide sein und eine signifikante Verwendung von Hebelung umfassen, was sie wesentlich riskanter als andere Anlagen macht.
Derivative Finanzinstrumente sind finanzielle Kontrakte, deren Wert auf dem Wert einer Finanzanlage (wie zum Beispiel Aktien, Anleihen oder Währungen) oder einem Marktindex basiert.
Wichtige allgemeine Hinweise
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Quellen:
1 Quelle: Vanguard. Der Vanguard Portfolio Check 2026. Grafik 6, jährliche Wertentwicklung von Aktien und Anleihen 2000 bis 2025. Stand: 31. Dezember 2025. Abrufbar unter: https://www.de.vanguard/content/dam/intl/europe/documents/en/der-vanguard-portfolio-check-2026-3.pdf
2 Quelle: Bundesbank. Stand: 15. Januar 2026
3 Maximaler zwischenzeitlicher Verlust im Zeitraum vom 01. Januar 2025 bis 30. Juni 2025 des FTSE All-World Total Return Index in Euro, jedoch ohne den Einfluss von Gebühren oder Steuern. Quelle: Bloomberg, Vanguard. Stand: 07. April 2026.
4 Maximaler zwischenzeitlicher Verlust im Zeitraum vom 01. Januar 2007 bis 31. Dezember 2009 des FTSE All-World Total Return Index in Euro, jedoch ohne den Einfluss von Gebühren oder Steuern. Quelle: Bloomberg, Vanguard. Stand: 07. April 2026.
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