Welt-ex-USA-ETF

Der Xtrackers MSCI World ex USA zeigt, wie die ganze übrige Welt in einem Produkt aussieht, um die USA im Depot bewusst zurückzustufen

16.07.26 08:45 Uhr

Xtrackers MSCI World ex USA UCITS ETF 1C (IE0006WW1TQ4) im Check: Top-Positionen, Länder und für wen er sich eignet | finanzen.net

Wer die USA im Depot bewusst zurückstufen will, muss sich nicht auf eine einzelne Region wie Europa beschränken, dieser Fonds bildet die gesamte übrige entwickelte Welt in einem einzigen Produkt ab.

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Selbst die größte Position dieses Fonds bringt es auf nur 3 Prozent Gewichtung, ein deutlicher Kontrast zur Konzentration auf wenige US-Technologiekonzerne in klassischen Welt-ETFs.
  • Hier führt nicht die Technologiebranche, sondern der Finanzsektor, während Japan mit einem Fünftel des Fonds die mit Abstand größte Länderposition stellt.
  • Im vergangenen Jahr hat dieser Fonds einen breiten US-Aktienindex deutlich hinter sich gelassen, aus Gründen, die weit über reines Glück hinausgehen.

Die ganze Welt ohne die USA in einem Fonds: Was der Xtrackers MSCI World ex USA abbildet

Der Xtrackers MSCI World ex USA UCITS ETF 1C bildet den MSCI World ex USA Index nach, der große und mittelgroße Unternehmen aus Industrieländern weltweit erfasst, mit Ausnahme der Vereinigten Staaten. Als der Fonds im März 2024 aufgelegt wurde, ermöglichte er europäischen Anlegern erstmals Zugang zu genau diesem Index in einem einzigen Produkt. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig, thesauriert seine Erträge und ist mit einem Fondsvolumen von 5.969 Mio. Euro der mit Abstand größte Anbieter auf diesen Index, deutlich vor dem iShares MSCI World ex-USA UCITS ETF und dem Amundi MSCI World Ex USA UCITS ETF. Bei den Kosten liegt er mit 0,15 Prozent pro Jahr gleichauf mit den beiden genannten Wettbewerbern, während der kleinere UBS MSCI World ex USA UCITS ETF mit 0,09 Prozent günstiger ist. Mit 758 Positionen ist der Fonds breit gestreut.

Eine Depot-Ergänzung ohne regionale Beschränkung: Warum sich dieser Ansatz von einem reinen Europa-ETF unterscheidet

Wer den US-Anteil im eigenen Depot bewusst reduzieren möchte, greift oft instinktiv zu einem Europa-ETF. Das hat jedoch einen Haken: Europa deckt nur einen Teil der entwickelten Welt außerhalb der USA ab und lässt wichtige Märkte wie Japan, Kanada, Australien oder auch asiatische Finanzzentren wie Hongkong und Singapur außen vor. Dieser Fonds geht einen anderen Weg. Er bildet sämtliche entwickelten Industrieländer außerhalb der USA gemeinsam ab, ohne sich auf eine einzelne Region festzulegen. Für Anleger, die bereits einen klassischen Welt-ETF oder einen S&P-500-ETF halten und deren US-Übergewichtung gezielt ausgleichen möchten, ergibt sich daraus ein echter Vorteil gegenüber einer reinen Europa-Beimischung. Statt eine US-Konzentration einfach gegen eine Europa-Konzentration einzutauschen, bleibt die Streuung über viele Länder und Kontinente erhalten. Ein zweiter, oft übersehener Vorteil liegt in der Positionskonzentration selbst. Die zehn größten Positionen dieses Fonds vereinen zusammen nur 12,49 Prozent des Fondsvermögens, selbst die größte Einzelposition kommt auf gerade einmal 2,99 Prozent. In vielen klassischen Welt-ETFs bringt es allein die größte Position, meist ein US-Technologiekonzern, schon auf 4 bis 5 Prozent, und die Top-10-Positionen zusammen oft auf 25 Prozent oder mehr. Wer diesen Fonds beimischt, verteilt sein Kapital damit auf spürbar mehr Schultern, statt eine bestehende Konzentration nur zu verlagern. Ein dritter Vorteil betrifft die Branchenstruktur: Während in US-lastigen Welt-ETFs die Technologiebranche meist mit deutlichem Abstand führt, dominiert hier mit 25,76 Prozent der Finanzsektor, vor Industrie mit 16,56 Prozent, während Technologie mit 10,63 Prozent erst an dritter Stelle folgt. Wer eine zu starke Abhängigkeit von einigen wenigen US-Technologiewerten im Gesamtdepot vermeiden möchte, bekommt mit diesem Fonds eine spürbar andere Branchenmischung als Ausgleich.

Japan als größte Länderposition: Was die Gewichtung für Anleger bedeutet

Mit 20,24 Prozent stellt Japan die mit Abstand größte Länderposition im Fonds, vor Kanada mit 10,52 Prozent und Großbritannien mit 10,51 Prozent. Wer diesen Fonds kauft, erhöht damit automatisch und deutlich seine Japan-Gewichtung im Depot, ein Markt, der in vielen klassischen Welt-ETFs mit oft nur 4 bis 6 Prozent eine vergleichsweise untergeordnete Rolle spielt. Auch bei den Ländern zeigt sich aber, wie ausgewogen der Fonds insgesamt aufgestellt ist: Selbst die größte Position Japan liegt bei gut einem Fünftel, deutlich unter der Abhängigkeit von einem einzigen Land, wie sie in praktisch jedem US-inkludierenden Welt-ETF mit USA-Anteilen von 60 Prozent oder mehr besteht. Frankreich, Deutschland, die Schweiz, die Niederlande und Australien folgen mit jeweils weiteren 6 bis 8 Prozent, ergänzt um kleinere Positionen in Spanien, Italien, Schweden sowie den Finanzzentren Hongkong und Singapur.

ASML, HSBC und Royal Bank of Canada: Die größten Einzelpositionen

Größte Position ist mit 2,99 Prozent ASML Holding. Der niederländische Hersteller von Lithografie-Anlagen für die Chipfertigung meldete für das zweite Quartal 2026 einen Nettoumsatz von 9,3 Mrd. Euro und einen Nettogewinn von 2,9 Mrd. Euro, getragen von der ungebrochen hohen Nachfrage nach modernster Chipfertigungstechnik im Zuge des globalen KI-Booms, einer der zentralen Gründe für die zuletzt starke Wertentwicklung asiatischer und europäischer Zulieferer außerhalb der USA. Auf Platz zwei folgt mit 1,32 Prozent HSBC Holdings. Die Großbank kündigte zuletzt an, ihr Geschäft in der Türkei künftig stärker auf internationale Firmenkunden zu fokussieren, und wurde zudem präsentierender Partner des China Open Tennisturniers, zwei Beispiele für das global verzweigte Netzwerk der Bank zwischen etablierten und aufstrebenden Märkten. An dritter Stelle steht mit 1,13 Prozent Royal Bank of Canada. Die größte kanadische Bank berief mit Tarek A. Robbiati ein neues Mitglied in ihren Vorstand und ernannte mit Sian Hurrell und Robin Beer gleich zwei neue Co-Chefs für das europäische Geschäft, ein Schritt, der auf eine gezielte Beschleunigung des Wachstums der Bank außerhalb ihres nordamerikanischen Heimatmarkts hindeutet.

Warum der Fonds 2025 so stark zulegte, und was Anleger von der Rendite erwarten können

Seit Auflage im März 2024 steht bei diesem Fonds ein Plus von 38,93 Prozent zu Buche, allein 2025 waren es 16,73 Prozent, über ein Jahr 25,58 Prozent. Damit hat der Fonds einen breiten US-Leitindex wie den S&P 500 im selben Zeitraum deutlich hinter sich gelassen. Drei Faktoren erklären diese Entwicklung. Erstens hat der US-Dollar 2025 spürbar an Wert verloren, sein schwächstes Jahr seit 2017, was Investitionen in nicht-US-Währungen wie Yen, Pfund oder Euro einen zusätzlichen Rückenwind verschaffte. Zweitens haben europäische Aktien von angekündigten staatlichen Verteidigungs- und Infrastrukturausgaben profitiert. Drittens haben auch asiatische Technologie- und Chipzulieferer wie ASML vom weltweiten KI-Boom profitiert, ohne dass diese Werte in den USA notiert sein müssen. Hinzu kommt, dass nicht-amerikanische Aktien im Vergleich zu US-Aktien seit Jahren mit einem spürbaren Bewertungsabschlag gehandelt werden, was zusätzliches Aufholpotenzial bietet, sollte sich das Anlegerinteresse weiter von den USA weg verlagern. Ob sich dieser Trend fortsetzt, lässt sich nicht seriös vorhersagen, insbesondere weil ein Großteil der Outperformance auf die Dollarschwäche zurückgeht, die sich langfristig ebenso wieder umkehren kann. Beim Risiko liegt die Volatilität der vergangenen zwölf Monate bei 11,02 Prozent, das Rendite-zu-Risiko-Verhältnis bei attraktiven 2,32, wobei diese Werte aus einer noch kurzen, überwiegend positiven Marktphase stammen und für längere Zeiträume noch keine Vergleichswerte vorliegen.

Für wen sich der Fonds als Depot-Ergänzung eignet

Der Fonds eignet sich vor allem als gezielte Ergänzung für Anleger, die bereits einen klassischen Welt- oder US-ETF halten und deren strukturelle US- und Technologielastigkeit gezielt ausgleichen möchten, ohne sich dabei auf eine einzelne Ersatzregion wie Europa zu beschränken. Die geringe Positionskonzentration, die andere Branchenmischung mit Finanzwerten statt Technologie an der Spitze sowie die zusätzliche Diversifikation über Währungen wie Yen, Pfund und Euro sprechen für eine sinnvolle Rolle als Beimischung. Wer investiert, sollte sich bewusst sein, worauf er damit verzichtet: den unmittelbaren Zugang zu den großen US-Technologiekonzernen, die einen erheblichen Teil der globalen Aktienmarktrenditen der vergangenen Jahre getragen haben. Setzt sich deren Dominanz fort, könnte dieser Fonds gegenüber einem klassischen Welt-ETF zurückbleiben. Als Risiken bleiben zudem die vergleichsweise junge Historie des Fonds sowie die mit gut einem Fünftel des Fondsvermögens recht deutliche Abhängigkeit von der Entwicklung des japanischen Aktienmarkts zu nennen. Für Anleger, die eine bewusste Depot-Balance zwischen USA und dem Rest der entwickelten Welt suchen, bietet der Fonds dafür aber einen unkomplizierten, breit gestreuten Baustein.

Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.

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Bildquellen: qingqing / Shutterstock.com, JuliusKielaitis / Shutterstock.com

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