Europa-ESG-ETF

Amundi MSCI Europe Action: Klimaführer statt Klimaausschluss: Wie ein Nachhaltigkeits-ETF nah am breiten Markt bleibt, ohne auf den Klimafilter zu verzichten

15.07.26 09:00 Uhr

Amundi MSCI Europe Action UCITS ETF Dist (LU2608817958) im Check: Kosten, Top-Positionen und Vergleich zum Amundi Eurozone Climate | finanzen.net

Vier Länder führen in diesem europäischen Nachhaltigkeits-ETF fast gleichauf. Der günstigste ESG-Europa-ETF mit über 2 Mrd. Euro Fondsvolumen im Test.

Werte in diesem Artikel

Das Wichtigste in Kürze:

  • Unter allen ESG-gefilterten Europa-ETFs mit mehr als 2 Milliarden Euro Fondsvolumen ist dieser Fonds die günstigste Variante, und das bei einer Streuung, die in keiner Weise hinter klassischen Europa-ETFs zurücksteht.
  • Ein sehr ähnlich benannter Fonds desselben Anbieters verfolgt eine deutlich engere, auf nur zwei Länder fokussierte Strategie, ein Unterschied, der sich direkt aus der jeweiligen Nachhaltigkeitsmethodik ergibt.
  • Die Dividendenrendite dieses Fonds ist innerhalb eines Jahres spürbar gesunken, ein Muster, das sich bei genauerem Hinsehen mit der Kursentwicklung erklären lässt.

Klimaführer statt Klimaausschluss: Wie der Amundi MSCI Europe Action zusammengesetzt wird

Der Amundi MSCI Europe Action UCITS ETF Dist bildet den MSCI Europe Climate Action Index nach. Ausgangspunkt ist der breite MSCI Europe Index mit großen und mittelgroßen Unternehmen aus europäischen Industrieländern. Statt ganze Sektoren oder Länder pauschal auszuschließen, wählt der Index innerhalb dieses breiten Universums gezielt die Unternehmen aus, die beim Klimaschutz als Vorreiter ihrer jeweiligen Branche gelten, unter anderem bewertet über einen von MSCI berechneten Klimarisiko-Score. Der Index ist explizit darauf ausgelegt, die Abweichung gegenüber dem breiten MSCI Europe möglichst gering zu halten, der sogenannte Tracking Error soll unter normalen Marktbedingungen bei bis zu 1 Prozentpunkt liegen. Das führt dazu, dass Klimaführer innerhalb jeder Branche und jedes Landes bevorzugt werden, ohne dass sich die grundsätzliche Sektor- und Länderstruktur des Fonds stark vom breiten europäischen Aktienmarkt entfernt. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig, schüttet seine Erträge jährlich aus und ist bereits seit Mai 2023 am Markt. Bei den Kosten liegt er mit 0,09 Prozent pro Jahr unter allen ESG-gefilterten Europa-ETFs mit mehr als 2 Milliarden Euro Fondsvolumen am günstigsten, günstiger etwa als die verschiedenen iShares-Varianten mit 0,12 bis 0,20 Prozent oder den ebenfalls von Amundi aufgelegten S&P Eurozone Climate Paris Aligned ETF mit 0,20 Prozent. Mit einem Fondsvolumen von 2,288 Mrd. Euro und 204 Positionen zählt der Fonds zu den etablierten, breit gestreuten Angeboten in diesem Marktsegment.

Zwei Nachhaltigkeitsansätze, zwei völlig unterschiedliche Länderstrukturen

Besonders aufschlussreich wird die Einordnung im Vergleich zum Amundi S&P Eurozone Climate Paris Aligned UCITS ETF Acc, dem nach Fondsvolumen größten Amundi-ETF in diesem Bereich. Auf den ersten Blick wirken beide Fonds ähnlich, ihre Nachhaltigkeitsansätze unterscheiden sich jedoch grundlegend. Der Eurozone Climate Paris Aligned ETF beschränkt sich, wie der Name schon andeutet, ausschließlich auf Unternehmen aus der Eurozone und folgt der strengeren Paris-Aligned-Benchmark-Methodik der EU, die von Auflage an eine deutlich geringere CO2-Intensität als der breite Markt sowie eine jährliche weitere Reduktion vorschreibt, verbunden mit schärferen Ausschlusskriterien. Weil dabei Länder außerhalb der Eurozone wie Großbritannien und die Schweiz von vornherein komplett herausfallen, konzentriert sich dieser Fonds zwangsläufig auf die beiden größten verbliebenen Aktienmärkte, Deutschland und Frankreich. Der hier vorgestellte Europe Action ETF verzichtet dagegen auf eine geografische Vorabbeschränkung und wählt stattdessen branchenweit die jeweiligen Klimaführer aus dem gesamten europäischen Industrieländeruniversum aus, wozu auch Großbritannien und die Schweiz zählen. Während beim Eurozone-Fonds vor allem zwei Länder den Ton angeben, führen hier gleich vier Länder mit der Schweiz an der Spitze mit 15,86 Prozent, dicht gefolgt von Großbritannien mit 15,40 Prozent, Deutschland mit 15,20 Prozent und Frankreich mit 13,92 Prozent nahezu gleichauf. Wer eine Position gegen ein zu enges Länderklumpenrisiko innerhalb Europas sucht, findet im Europe Action ETF eine breitere Basis, während der Eurozone-Fonds für Anleger interessanter ist, die bewusst nur auf die Eurozone und eine strengere, regulatorisch definierte Klimapfad-Methodik setzen möchten.

ASML, HSBC und Roche: Die Schwergewichte im Fonds

Die zehn größten Positionen vereinen 30,25 Prozent des Fondsvermögens. Größte Position ist ASML Holding mit 6,61 Prozent. Der niederländische Hersteller von Lithografie-Anlagen für die Chipfertigung meldete zuletzt einen neuen Reifegrad-Meilenstein für seine High-NA-EUV-Technologie, die erstmals ein Logik-Produkt in hohem Volumen erreicht hat, ein wichtiger Fortschritt für die nächste Generation modernster Chipfertigung. Auf Platz zwei folgt HSBC Holdings mit 3,38 Prozent. Die britische Großbank hat eine umfassende KI-Partnerschaft mit Google Cloud angekündigt, mit der Bankprozesse und Kundenservice stärker auf künstliche Intelligenz gestützt werden sollen. An dritter Stelle steht Roche Holding mit 3,12 Prozent. Der Basler Pharmakonzern erhielt zuletzt eine vorrangige Prüfung durch die US-Arzneimittelbehörde FDA für ein Medikament gegen eine seltene Nierenerkrankung und stellte zudem einen neuen, vollautomatisierten Diagnostiktest zum Nachweis der besonders schweren Hepatitis-D-Variante vor. Dahinter folgen in der Top 10 mit unter anderem AstraZeneca, Siemens, SAP und Banco Santander weitere etablierte europäische Konzerne aus Pharma, Industrie, Technologie und Finanzwesen.

Ausgewogene Branchen, moderate Schwankung: Rendite, Dividende und Risiko im Überblick

Nach Sektoren führt Finanzdienstleistungen mit 23,34 Prozent, gefolgt von Industrie mit 17,43 Prozent, Technologie mit 10,65 Prozent und Gesundheitswesen mit 10,18 Prozent, eine für einen Europa-ETF typische, recht ausgewogene Verteilung. Bei der Rendite steht seit Auflage im Mai 2023 ein Plus von 42,16 Prozent zu Buche, über drei Jahre waren es 42,74 Prozent und über ein Jahr 18,77 Prozent. Beim Risiko liegt die Volatilität der vergangenen zwölf Monate bei 12,99 Prozent, ein für einen Europa-Aktien-ETF moderater Wert, der maximale Verlust über drei Jahre bei minus 16,75 Prozent. Bei der Dividende zeigt sich ein Effekt, der auf den ersten Blick überraschen könnte: Die aktuelle Ausschüttungsrendite liegt bei 2,09 Prozent, niedriger als die 2,80 Prozent aus dem Jahr 2024, obwohl die Ausschüttung je Anteil mit 2,83 Euro nur geringfügig unter dem Vorjahreswert von 2,92 Euro liegt. Der Rückgang der Rendite ist damit überwiegend ein mathematischer Effekt der gestiegenen Kurse, nicht ein Zeichen sinkender Unternehmensgewinne oder -ausschüttungen.

Für wen sich dieser ESG-Europa-ETF als langfristiger Baustein eignet

Der Fonds eignet sich für Anleger, die europäische Standardwerte mit Nachhaltigkeitsfilter möglichst breit über Länder und Branchen gestreut abdecken möchten, ohne dabei größere Abstriche bei der Diversifikation gegenüber einem klassischen, ungefilterten Europa-ETF hinzunehmen. Die geringe Abweichung zum breiten Markt bei gleichzeitig sehr niedrigen Kosten macht ihn zu einer naheliegenden Alternative für alle, die den ESG-Aspekt eher als Ergänzung denn als radikale Umschichtung verstehen. Wer dagegen eine strengere, regulatorisch definierte Dekarbonisierung mit garantierten jährlichen Reduktionspfaden sucht und dafür eine engere geografische Fokussierung auf die Eurozone sowie höhere Kosten in Kauf nimmt, ist mit dem Amundi S&P Eurozone Climate Paris Aligned ETF besser bedient. Als Risiko bleibt bei diesem Fonds vor allem die grundsätzliche Abhängigkeit von der Entwicklung des europäischen Aktienmarkts insgesamt bestehen, samt der für Europa typischen Einflussfaktoren wie Zinspolitik der EZB, Konjunkturentwicklung und dem im Vergleich zu US-Aktien geringeren Technologieanteil. Ein langer Anlagehorizont sowie das Bewusstsein, dass ein Nachhaltigkeitsfilter mit engem Tracking Error zum breiten Markt keine grundlegend andere Risikostruktur bietet als ein klassischer Europa-ETF, sind für dieses Investment hilfreich einzuordnen.

Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.

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Bildquellen: petrmalinak / Shutterstock.com, Carlos Caetano / Shutterstock.com

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