Xtrackers S&P 500 Equal Weight: Keine einzelne Branche und kein einzelnes Unternehmen dominiert - ein Gegenentwurf zu klassischen S&P-500-ETFs

Statt der üblichen Marktkapitalisierung entscheidet hier ein fester Prozentsatz über die Gewichtung jedes einzelnen Unternehmens. Vor- und Nachteile der Gleichgewichtung erklärt.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Statt nach Marktkapitalisierung erhält hier jedes der 500 Unternehmen dieselbe Ausgangsgewichtung, wodurch weder NVIDIA noch Apple oder Microsoft den Fonds dominieren.
- Wer seit der letzten Überprüfung am stärksten gestiegen ist, führt automatisch die Top-10-Liste an, weshalb dort aktuell Namen auftauchen, die man in einem klassischen S&P-500-ETF kaum an der Spitze sehen würde.
- Keine einzelne Branche macht hier mehr als 16 Prozent des Fondsvermögens aus, ein deutlicher Unterschied zur sonst üblichen Technologielastigkeit amerikanischer Standardindizes.
Fester Prozentsatz statt Marktkapitalisierung: Wie die Gleichgewichtung funktioniert
Der Xtrackers S&P 500 Equal Weight UCITS ETF 1C bildet den S&P 500 Equal Weight Index nach. Das Anlageuniversum entspricht exakt dem klassischen S&P 500, den 500 größten börsennotierten US-Unternehmen, doch die Gewichtung folgt einem völlig anderen Prinzip. Jedem Unternehmen wird bei jeder vierteljährlichen Überprüfung eine feste Gewichtung von 0,20 Prozent zugewiesen, unabhängig davon, ob es sich um einen Billionen-Dollar-Konzern oder ein kleineres Mitglied des Index handelt. Der Fonds repliziert seinen Index vollständig und thesauriert seine Erträge. Bei den Kosten liegt er mit 0,15 Prozent pro Jahr im günstigeren Bereich etablierter, physisch replizierender Fonds: Der iShares S&P 500 Equal Weight UCITS ETF verlangt ebenfalls 0,15 Prozent, während der Invesco S&P 500 Equal Weight UCITS ETF mit 0,20 Prozent teurer ist. Noch günstiger sind einzelne swap-basierte Varianten von Amundi, UBS und Xtrackers selbst mit 0,12 Prozent, diese sind allerdings deutlich kleiner und weniger etabliert. Mit einem Fondsvolumen von 10.518 Mio. Euro ist der hier vorgestellte Fonds der mit Abstand größte Equal-Weight-ETF auf den S&P 500 und bereits seit 2014 am Markt.
Vor- und Nachteile der Gleichgewichtung für Anleger
Der wichtigste Effekt der Gleichgewichtung liegt in der automatischen Verteilung des Kapitals auf deutlich mehr Schultern. Im klassischen, nach Marktkapitalisierung gewichteten S&P 500 bestimmen einige wenige Technologiekonzerne wie NVIDIA, Apple und Microsoft einen unverhältnismäßig großen Teil der Indexrendite, ein Muster, das sich praktisch in jedem breiten US- oder Welt-ETF wiederholt. Bei diesem Fonds ist das Risiko einer solchen Einzeltitel-Abhängigkeit systematisch begrenzt, da selbst der größte Konzern nach der nächsten Überprüfung wieder auf 0,20 Prozent zurückgestutzt wird. Damit verbunden ist ein disziplinierter, antizyklischer Mechanismus. Wer stark gestiegen ist, wird bei der Neugewichtung tendenziell verkauft, wer zurückgeblieben ist, wird nachgekauft, ein systematisches Gegenteil dazu, immer mehr Kapital in die jeweils populärsten Aktien zu stecken. Diesem Vorteil steht jedoch ein spiegelbildlicher Nachteil gegenüber. Gerade die großen, marktbeherrschenden Technologiekonzerne sind oft deshalb so groß geworden, weil sie über die größte Marktmacht, Innovationskraft und Investitionsfähigkeit verfügen. Eine Gleichgewichtung kappt die Position genau dieser potenziellen Zukunftsgewinner künstlich auf das Niveau deutlich kleinerer, im Wachstum oft schwächer aufgestellter Indexmitglieder, wodurch der Fonds das überproportionale Wachstum einzelner Ausnahmeunternehmen nicht in vollem Umfang mitnehmen kann. Ein weiterer Punkt betrifft die Zusammensetzung der Top-Positionen selbst. Da diese ausschließlich davon abhängen, wer sich seit der letzten Überprüfung am stärksten entwickelt hat, wechseln sie deutlich häufiger und unvorhersehbarer als bei einem klassischen Index, in dem etablierte Konzerne über Jahre an der Spitze bleiben. Die aktuellen Top-10-Positionen bestehen dadurch eher aus kurzfristigen Kursgewinnern als aus dauerhaft etablierten Führungsunternehmen, was tendenziell mit einer höheren Schwankungsanfälligkeit einhergeht.
Western Digital, Moderna und Sandisk: Warum diese Namen aktuell ganz oben stehen
Die zehn größten Positionen vereinen zusammen nur 2,58 Prozent des Fondsvermögens, ein direkter Beleg für die extreme Streuung dieses Ansatzes gegenüber einem klassischen S&P-500-ETF. An der Spitze steht mit 0,30 Prozent Western Digital. Der auf Festplatten spezialisierte Speicherkonzern hat sich in den vergangenen zwölf Monaten vervielfacht, weil die Nachfrage nach Hochkapazitäts-Festplatten für KI-Rechenzentren das verfügbare Angebot deutlich übersteigt. Die Kapazitäten für 2026 gelten als praktisch ausverkauft, große Hyperscaler-Kunden haben sich langfristige Lieferverträge bis 2029 gesichert, was dem Unternehmen erstmals seit Langem wieder echte Preissetzungsmacht verschafft. Auf Platz zwei folgt mit 0,27 Prozent Moderna. Der mRNA-Spezialist hat auf seinem jüngsten Science Day eine deutlich breitere Pipeline jenseits von Covid-19-Impfstoffen vorgestellt, von einem in Kooperation mit Merck entwickelten personalisierten Krebsimpfstoff mit vielversprechenden Fünfjahresdaten bei Hautkrebs bis zu einem ersten körpereigenen CAR-T-Programm gegen Autoimmunerkrankungen, was dem lange gemiedenen Titel neue Kursfantasie verschafft hat. An dritter Stelle steht mit 0,26 Prozent Sandisk, der im Februar 2025 von Western Digital abgespaltene Flash-Speicher-Spezialist. Gemeinsam mit dem Partner Kioxia hat das Unternehmen zuletzt die Massenproduktion einer neuen, zehnten Generation von 3D-Flash-Speicherchips im japanischen Kitakami-Werk gestartet, ein weiterer Baustein in der aktuellen Angebotsverknappung bei NAND-Flash-Speichern, die die Preise und damit die Margen des Unternehmens deutlich nach oben getrieben hat. Alle drei Beispiele zeigen dasselbe Muster: In einem gleichgewichteten Index gelangen Unternehmen an die Spitze, die seit der letzten Überprüfung besonders stark gestiegen sind, unabhängig davon, ob sie zu den etablierten Standardwerten oder zu den volatilsten Titeln des gesamten Index zählen.
Ausgewogen statt technologielastig: Sektoren, Rendite und Risiko im Überblick
Nach Sektoren zeigt sich die zentrale Stärke der Gleichgewichtung deutlich. Technologie führt zwar mit 16,00 Prozent, liegt damit aber nur knapp vor Industrie mit 15,17 Prozent und Finanzdienstleistungen mit 13,18 Prozent, ergänzt um Gesundheitswesen mit 10,75 Prozent und weitere, deutlich gleichmäßiger verteilte Branchen. Das ist ein spürbarer Unterschied zum klassischen S&P 500, in dem Technologie üblicherweise mit großem Abstand dominiert. Bei der Rendite zeigt sich das Ergebnis dieser Streuung. Über ein Jahr steht ein Plus von 19,80 Prozent zu Buche, über drei Jahre von 42,84 Prozent und über fünf Jahre von 56,56 Prozent, mit 2022 als einzigem deutlichen Verlustjahr der jüngeren Historie. Beim Risiko liegt die Volatilität der vergangenen zwölf Monate bei 11,86 Prozent, über fünf Jahre bei 16,81 Prozent, insgesamt ein für einen US-Aktien-ETF moderates Niveau, das die zusätzliche Streuung über kleinere, teils schwankungsanfälligere Positionen widerspiegelt.
Für wen sich die gleichgewichtete Variante besser eignet als der klassische S&P 500
Die gleichgewichtete Variante eignet sich vor allem für Anleger, die bewusst eine geringere Abhängigkeit von einer Handvoll marktbeherrschender Technologiekonzerne suchen, entweder weil sie über andere Depotbausteine wie einen klassischen Welt-ETF ohnehin schon stark in diese Werte investiert sind, oder weil sie grundsätzlich einer breiteren, gleichmäßigeren Streuung über alle Branchen und Unternehmensgrößen den Vorzug geben. Wer dagegen daran glaubt, dass gerade die größten, kapitalstärksten US-Konzerne auch künftig überproportional von technologischem Fortschritt profitieren werden, verzichtet mit dieser Variante bewusst auf einen Teil dieses Aufwärtspotenzials, da deren Gewicht künstlich auf das Niveau kleinerer Indexmitglieder begrenzt wird. Zu berücksichtigen bleibt außerdem, dass sich die Top-Positionen dieses Fonds allein aus der jüngsten Kursentwicklung ergeben und deshalb deutlich häufiger wechseln als bei einem klassischen Index, was tendenziell mit etwas mehr kurzfristiger Schwankung einhergeht. Wer diese Eigenheiten kennt und akzeptiert, erhält mit diesem ETF eine sinnvolle Ergänzung oder Alternative zu einem klassischen S&P-500-Investment, insbesondere für einen langfristigen Anlagehorizont, der auch Phasen überstehen kann, in denen wenige Megacaps den breiten Markt zeitweise klar hinter sich lassen.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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