Spin-Off-ETF

Invesco S&P Spin-Off: Über 78 Prozent Plus in einem Jahr - Dieser ETF setzt erfolgreich auf den Abspaltungseffekt

14.07.26 14:00 Uhr

Invesco S&P Spin-Off ETF (US46137V1594) im Check: Was ein Spin-Off ist und wie der Fonds davon profitiert | finanzen.net

Wenn ein Konzern einen Teil von sich selbst abspaltet, entsteht daraus oft ein Unternehmen, das an der Börse ganz eigene Wege geht, und genau auf diesen Effekt setzt dieser ETF seit fast zwanzig Jahren.

Werte in diesem Artikel

Das Wichtigste in Kürze:

  • Über die vergangenen zwölf Monate hat dieser Fonds fast 79 Prozent zugelegt, mehr als das Dreifache eines breiten US-Mid-Cap-Index im selben Zeitraum.
  • Viele Positionen dieses Fonds sind erst innerhalb der vergangenen zwei Jahre überhaupt als eigenständige, börsennotierte Unternehmen entstanden.
  • Wichtiger Hinweis vorab: Dieser Fonds ist ein US-amerikanischer ETF ohne europäisches Basisinformationsblatt und deshalb bei den meisten deutschen Brokern für Privatanleger nicht regulär handelbar oder besparbar.

Was ein Spin-Off ist, und warum er für Anleger interessant sein kann

Ein Spin-Off bezeichnet die Abspaltung eines Unternehmensteils von einem größeren Mutterkonzern in ein neues, eigenständig börsennotiertes Unternehmen. Die Aktionäre des Mutterkonzerns erhalten dabei in der Regel anteilig Aktien der neuen Gesellschaft, ohne dafür zusätzlich bezahlen zu müssen, während der bisherige Geschäftsbereich fortan als komplett unabhängiges Unternehmen mit eigenem Management, eigener Bilanz und eigener Kapitalstruktur an der Börse gehandelt wird. Für das abgespaltene Unternehmen selbst bringt das mehrere potenzielle Vorteile mit sich. Das Management kann sich vollständig auf das eigene Geschäft konzentrieren, ohne Kapital und Aufmerksamkeit mit anderen, oft ganz andersartigen Konzernsparten teilen zu müssen, die Kapitalallokation lässt sich gezielter auf die eigenen Wachstumschancen ausrichten und der Markt kann das Geschäft losgelöst von der Mutter oft klarer und ohne einen sogenannten Konglomeratsabschlag bewerten. Diesen Vorteilen stehen jedoch reale Nachteile gegenüber. Das neue Unternehmen verliert den Zugriff auf gemeinsame Konzernressourcen wie zentrale Verwaltung, Einkaufsmacht oder ein etabliertes Forschungsbudget und muss viele Funktionen erstmals eigenständig aufbauen, was zunächst zusätzliche Kosten verursacht. Hinzu kommt ein häufig zu beobachtender technischer Effekt direkt nach der Abspaltung. Viele bisherige Aktionäre des Mutterkonzerns, etwa große Indexfonds, die den neuen, oft kleineren Spin-Off gar nicht in ihrer Anlagestrategie vorgesehen haben, verkaufen die frisch erhaltenen Aktien rasch wieder, was den Kurs kurzfristig unter Druck setzen kann, unabhängig von der eigentlichen Geschäftsqualität. Genau auf diesen Effekt, dass Spin-Offs kurz nach der Abspaltung oft unterbewertet sind und sich mittelfristig davon erholen, zielt die Strategie dieses ETFs ab.

Wie der Invesco S&P Spin-Off ETF aufgebaut ist

Der Invesco S&P Spin-Off ETF (Ticker: CSD) bildet den S&P U.S. Spin-Off Index nach, der US-amerikanische Unternehmen erfasst, die innerhalb der vergangenen vier Jahre von einem größeren Mutterkonzern abgespalten wurden und eine streubesitzbereinigte Mindestmarktkapitalisierung von 1 Milliarde US-Dollar aufweisen. Der Fonds ist bereits seit dem 15. Dezember 2006 am Markt, hält aktuell 26 Positionen und gilt regulatorisch als nicht diversifiziert, was ihn von den meisten breiten Themen-ETFs unterscheidet. Die zehn größten Positionen vereinen rund 64 Prozent des Fondsvermögens. Bei den Kosten liegt der Fonds mit 0,67 Prozent pro Jahr deutlich über dem Niveau klassischer, breit gestreuter Index-ETFs, was sich mit der Nische, der aktiveren Indexpflege durch monatliche Überprüfungen sowie der vergleichsweise geringen Fondsgröße erklären lässt.

GE Vernova, Sandisk und Qnity Electronics: Die Schwergewichte im Fonds

Größte Position mit 9,23 Prozent ist GE Vernova, das Energiegeschäft des früheren Mischkonzerns General Electric, abgespalten am 2. April 2024. Die Aktie startete an ihrem ersten Handelstag bei rund 115 US-Dollar und hat sich seither, getrieben vom stark gestiegenen Energiebedarf durch KI-Rechenzentren, um ein Vielfaches erhöht. Das Unternehmen hat zuletzt einen Großauftrag für Gasturbinen-Ausrüstung für das Kraftwerksprojekt Quang Trach II in Vietnam gemeldet, ein Beleg für die weiterhin hohe globale Nachfrage nach Energieerzeugungstechnik. Auf Platz zwei folgt mit 8,54 Prozent Sandisk, der im Februar 2025 von Western Digital abgespaltene Flash-Speicher-Spezialist. Als NAND-Flash-Anbieter für Rechenzentren profitiert das Unternehmen aktuell von einer globalen Angebotsknappheit bei Speicherchips, verstärkt durch die jüngst gemeinsam mit dem Partner Kioxia gestartete Serienfertigung einer neuen Generation von 3D-Flash-Speicherchips im japanischen Kitakami-Werk. An dritter Stelle steht mit 7,54 Prozent Qnity Electronics, das Elektronikgeschäft des Chemiekonzerns DuPont, abgespalten zum 1. November 2025 und damit der jüngste Spin-Off in diesem Fonds. Qnity liefert spezialisierte Materialien für die Chipfertigung und hat zuletzt neue Verpackungslösungen vorgestellt, mit denen Halbleiterhersteller von flächigen auf gestapelte Chipdesigns umsteigen können, ein für die fortschreitende Miniaturisierung der Chipindustrie relevanter Technologieschritt.

Fast 79 Prozent Plus in einem Jahr: Was die Rendite über die Strategie verrät

Nach Sektoren dominiert Industrie mit 40,68 Prozent, gefolgt von Informationstechnologie mit 22,31 Prozent und Gesundheitswesen mit 11,74 Prozent, eine Verteilung, die sich rein daraus ergibt, welche Konzerne in den vergangenen Jahren zufällig Unternehmensteile abgespalten haben, nicht aus einer bewussten Branchenauswahl. Geografisch entfällt naturgemäß der gesamte Fonds auf die USA. Bei der Rendite zeigt sich eine deutliche Outperformance gegenüber einem breiten Vergleichsindex. Während der Russell Midcap Index über ein Jahr rund 21,63 Prozent zulegte, kam der Invesco S&P Spin-Off ETF auf rund 78,71 Prozent, über drei Jahre stehen 38,52 Prozent gegenüber 16,51 Prozent, über fünf Jahre 18,92 Prozent gegenüber 8,50 Prozent. Diese Werte sind historische Wertentwicklungen, die stark von der aktuell besonders erfolgreichen Entwicklung einzelner Spin-Offs wie GE Vernova geprägt sind, und keine Garantie für die Zukunft. Für US-Anleger relevant, für deutsche Anleger aber informativ zur Einordnung: Der Renditeunterschied zwischen einer Anlage vor und nach Steuern fällt bei diesem Fonds spürbar aus, ein Hinweis darauf, dass die zugrunde liegende Strategie mit einer gewissen Umschichtungshäufigkeit und entsprechenden realisierten Gewinnen einhergeht.

Für wen sich dieser Spin-Off-ETF eignet, und was dabei zu beachten ist

Wichtig vorab: Als US-amerikanischer ETF ohne europäisches Basisinformationsblatt (KID) nach der PRIIPs-Verordnung ist dieser Fonds bei den meisten deutschen Brokern und Banken für Privatanleger nicht regulär handelbar oder besparbar. Ein Zugang wäre allenfalls über spezialisierte, außereuropäische Broker oder für professionelle Anleger möglich. Inhaltlich eignet sich die zugrunde liegende Strategie als spekulative Beimischung für Anleger, die gezielt auf den beschriebenen Spin-Off-Effekt setzen möchten, bei dem frisch abgespaltene Unternehmen kurzfristig unter technischem Verkaufsdruck stehen können, sich mittelfristig aber oft überdurchschnittlich entwickeln, weil sie ihr Geschäft fokussierter und unabhängiger vom früheren Mutterkonzern steuern können. Die Konzentration auf nur 26 Positionen, die vergleichsweise hohen laufenden Kosten sowie die Abhängigkeit von wenigen, teils noch sehr jungen und dementsprechend schwankungsanfälligen Unternehmen wie Qnity Electronics sprechen dagegen gegen eine Rolle als Kernbaustein eines Portfolios. Wer die Strategie grundsätzlich überzeugend findet, aber Wert auf einen in Europa reibungslos handelbaren ETF legt, sollte gezielt nach vergleichbaren UCITS-Produkten mit ähnlichem Spin-Off-Ansatz suchen.

Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Dieser Fonds ist ein US-amerikanischer ETF ohne europäisches Basisinformationsblatt und für deutsche Privatanleger bei den meisten Brokern nicht regulär handelbar.

In eigener Sache

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Bildquellen: T. Schneider / Shutterstock.com, Lux Blue / Shutterstock.com

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