Xtrackers MSCI Emerging Markets: 77 Prozent Gewinnsprung bei TSMC treiben den größten Schwellenländer-ETF der Welt sofort an

Drei Halbleiterkonzerne aus Asien bringen es in diesem Fonds zusammen auf mehr Gewicht als so manches große Schwellenland für sich allein. Ein Blick in den größten Emerging-Markets-ETF der Welt.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Die vier größten Länderpositionen dieses Fonds stammen allesamt aus Asien und vereinen bereits rund drei Viertel des gesamten Fondsvermögens.
- Fast die Hälfte des Fonds steckt in der Technologiebranche, ein Ergebnis, das sich direkt aus der Struktur der größten Volkswirtschaften unter den Schwellenländern ergibt.
- 2022 verlor der Fonds deutlich an Wert, 2024 und 2025 lief er dagegen außergewöhnlich stark, ein Muster mit einer klaren, nachvollziehbaren Erklärung.
Der größte Schwellenländer-ETF der Welt: Wie er aufgebaut ist und was er kostet
Der Xtrackers MSCI Emerging Markets UCITS ETF 1C bildet den MSCI Emerging Markets Index nach und ist mit einem Fondsvolumen von fast 12 Milliarden Euro der größte ETF, der auf diesen Index setzt, noch vor dem iShares MSCI EM UCITS ETF und den verschiedenen Amundi-Varianten. Der Index bündelt große und mittelgroße Unternehmen aus rund 24 Schwellenländern weltweit und deckt dabei jeweils etwa 85 Prozent der frei handelbaren Marktkapitalisierung jeder vertretenen Branche ab. Gewichtet wird nach Marktkapitalisierung, größere Unternehmen erhalten also automatisch mehr Gewicht im Fonds. Der Fonds nutzt dafür ein Optimiertes-Sampling-Verfahren, hält also eine repräsentative Auswahl der insgesamt rund 1.190 Indexbestandteile, statt jeden einzelnen davon zu kaufen. Bei den Kosten liegt der Fonds mit 0,18 Prozent pro Jahr im Mittelfeld seines Vergleichsfelds: gleichauf mit den beiden iShares-Varianten und dem State Street SPDR MSCI Emerging Markets ETF, aber teurer als der günstigste Wettbewerber, der Amundi Core MSCI Emerging Markets Swap UCITS ETF mit 0,14 Prozent, sowie die HSBC- und UBS-Varianten mit jeweils 0,15 Prozent. Wer ausschließlich auf die Kostenquote schaut, findet also günstigere Alternativen, wer dagegen Wert auf das größte, liquideste und am längsten etablierte Produkt in diesem Marktsegment legt, ist mit diesem Fonds gut bedient.
Drei Viertel des Fonds aus nur vier Ländern: Was das für Anleger bedeutet
Der Begriff Schwellenländer suggeriert eine breite Streuung über viele, geografisch weit auseinanderliegende Volkswirtschaften. Ein Blick auf die Länderverteilung dieses Fonds relativiert das jedoch ein Stück weit. Taiwan führt mit 26,25 Prozent, gefolgt von Südkorea mit 24,44 Prozent, China mit 17,15 Prozent und Indien mit 9,40 Prozent. Zusammen vereinen diese vier Länder bereits über drei Viertel des gesamten Fondsvermögens, und alle vier liegen in Asien. Wer diesen Fonds kauft, investiert de facto weit überwiegend in asiatische Volkswirtschaften und weniger in eine wirklich globale Streuung über Lateinamerika oder Afrika, die zusammen nur einen kleinen Teil des Fonds ausmachen. Das bringt sowohl Potenzial als auch Risiko mit sich. Auf der Chancenseite steht, dass genau diese vier Länder zu den technologisch und wirtschaftlich am weitesten entwickelten Schwellenländern zählen, mit Weltmarktführern in Halbleiterfertigung, Elektronik und zunehmend auch Software. Auf der Risikoseite steht eine geringere Diversifikation als der Name des Fonds vermuten lässt. Politische Spannungen oder wirtschaftliche Rückschläge in nur einem dieser vier Länder, etwa rund um Taiwan und China, können einen überproportionalen Effekt auf den gesamten Fonds haben, anders als bei einer tatsächlich gleichmäßigen Streuung über 24 Länder.
Fast die Hälfte Technologie: Warum ausgerechnet diese Branche den Fonds dominiert
Mit 45,34 Prozent entfällt fast die Hälfte des Fonds auf die Technologiebranche, weit vor Finanzdienstleistungen mit 16,98 Prozent. Taiwan und Südkorea, zusammen bereits die Hälfte des Fonds, sind wirtschaftlich extrem stark auf Halbleiterfertigung und Elektronik ausgerichtet, mit Weltkonzernen wie Taiwan Semiconductor, Samsung Electronics und SK hynix an der Spitze ihrer jeweiligen Börsen. Dieser Fonds ist streng genommen also weniger eine breite Wette auf Schwellenländer im klassischen Sinne, etwa auf wachsenden Konsum oder Rohstoffe, sondern in erheblichem Maße eine Wette auf die globale Halbleiter- und Technologiebranche, nur eben über den Umweg asiatischer Schwellenländer statt über US-Technologiewerte. Wer bereits über andere ETFs oder Einzelaktien stark in die globale Technologiebranche investiert ist, sollte das bei der Depotplanung berücksichtigen, statt automatisch von einer unabhängigen Diversifikation auszugehen.
Taiwan Semiconductor, Samsung und SK hynix: Die Schwergewichte im Fonds
Größte Position ist mit 14,62 Prozent Taiwan Semiconductor Manufacturing. Der Konzern meldete für das zweite Quartal 2026 einen Gewinnsprung von 77 Prozent und erreichte damit das fünfte Rekordquartal in Folge, getragen von der anhaltend hohen Nachfrage nach KI-Prozessoren und dem hohen Anteil modernster Fertigungsknoten am Umsatz. Als Reaktion hob TSMC seine Umsatzprognose für 2026 auf ein Wachstum von über 40 Prozent an und erhöhte gleichzeitig seine geplanten Investitionen für 2026 auf 60 bis 64 Milliarden US-Dollar, unter anderem für den weiteren Ausbau der Kapazitäten in den USA. Auf Platz zwei folgt mit 8,42 Prozent Samsung Electronics. Der südkoreanische Elektronikriese hat zuletzt neue Haushaltsgeräte mit integrierter KI vorgestellt, darunter eine neue Generation von Waschmaschinen und Trocknern mit KI-gestützter Stoffpflege sowie Einbauherde und Mikrowellen mit Heißluftfritteusen-Funktion, ein Beleg dafür, dass der Konzern seine KI-Kompetenz aus dem Speicherchipgeschäft zunehmend auch in Konsumprodukte einbringt. An dritter Stelle steht mit 7,76 Prozent SK hynix. Der Speicherchip-Spezialist hat zuletzt erstmals American Depositary Receipts an der Nasdaq gelistet, was dem Unternehmen einen direkten Zugang zu US-Kapitalmärkten und internationalen Investoren verschafft und seine globale Sichtbarkeit als einer der wichtigsten Zulieferer für KI-Speicherchips deutlich erhöht.
Absturz 2022, Rekordjahre 2024 und 2025: Was hinter der Kursentwicklung steckt
2022 verlor der Fonds rund 15,28 Prozent, belastet durch eine Kombination aus stark steigenden US-Leitzinsen, die Schwellenländerwährungen unter Druck setzten, einem damals einsetzenden globalen Abschwung bei Speicherchips sowie regulatorischen Eingriffen Pekings gegen chinesische Technologiekonzerne. Seit 2024 zeigt sich dagegen ein deutlich freundlicheres Bild. 2024 legte der Fonds um 14,36 Prozent zu, 2025 um weitere 18,22 Prozent, über ein Jahr aktuell sogar um 37,15 Prozent. Der wesentliche Treiber dahinter ist der weltweite KI-Boom, der die Nachfrage nach Speicher- und Logikchips aus Taiwan und Südkorea in die Höhe getrieben hat, ergänzt um eine Erholung chinesischer Technologiewerte seit 2024. Unter anderem getragen von neuen chinesischen KI-Modellen, die internationales Anlegerinteresse an chinesischen Technologiekonzernen wiederbelebt haben. Beim Risiko liegt die Volatilität der vergangenen zwölf Monate bei 19,24 Prozent, höher als bei breiten Welt-ETFs, was die Konzentration auf wenige Länder und eine einzelne Branche widerspiegelt. Der maximale Verlust seit Auflage liegt bei minus 31,87 Prozent, ein Hinweis darauf, dass auch die aktuell starken Renditen mit entsprechenden Rückschlagrisiken einhergehen.
Für wen sich dieser Schwellenländer-ETF eignet
Der Fonds eignet sich als Beimischung für Anleger, die gezielt am wirtschaftlichen Aufstieg asiatischer Schwellenländer und insbesondere an der globalen Halbleiterbranche teilhaben möchten, weniger für jene, die eine wirklich breite, gleichmäßige Streuung über alle Weltregionen der Schwellenländer suchen. Wer investiert, sollte sich bewusst sein, dass die Wertentwicklung maßgeblich von der Entwicklung weniger großer Technologiekonzerne aus Taiwan und Südkorea sowie von der grundsätzlichen Zyklik der Halbleiterbranche abhängt, und dass geopolitische Risiken rund um Taiwan und China einen überproportionalen Effekt auf den Gesamtfonds haben können. Wer diese Konzentration versteht und bewusst in Kauf nimmt, findet mit dem größten und liquidesten ETF in diesem Segment einen wachstumsstarken, relativ günstigen Baustein für eine langfristige Depotergänzung.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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