Millionendefizit voraus?

Nahostkonflikt drosselt Angebot: Citigroup sieht Aluminium vor historischem Preissprung

06.06.26 23:47 Uhr

Struktureller Angebotsschock: Citigroup prognostiziert Aluminium historischen Preissprung | finanzen.net

Der Aluminiumpreis steuert laut Citigroup auf ein neues Allzeithoch zu, da Produktionsausfälle im Nahen Osten das globale Angebot massiv verknappen.

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• Aluminium auf dem Weg zu neuem Allzeithoch?
• Nahostkonflikt drosselt Angebot
• Risko nach unten begrenzt?

Der Aluminiummarkt steht nach Einschätzung der Citigroup vor einem historischen Anstieg. Die US-Großbank sieht für das Leichtmetall derzeit das vielversprechendste Marktumfeld seit mehr als fünf Jahrzehnten. Angetrieben von strukturellen Verschiebungen auf der Angebots- und Nachfrageseite könnte der Rohstoff in eine langanhaltende Phase extremer Verknappung eintreten, die den Preis in neue Rekordhöhen treibt.

Kursziel von 4.000 US-Dollar: Der Weg zum neuen Rekordhoch

In ihrer aktuellen Analyse prognostizieren die Rohstoffexperten der Citigroup, dass der Aluminiumpreis an der London Metal Exchange (LME) in den kommenden 12 bis 15 Monaten auf bis zu 4.000 US-Dollar pro Tonne steigen könnte, so MarketWatch. Ein solches Kursniveau würde den bisherigen historischen Höchststand aus dem Jahr 2022 von rund 3.850 US-Dollar pro Tonne einstellen. Die Analysten betonen, dass es sich hierbei nicht um eine kurzfristige Spekulantenblase handelt, sondern um die fundamental stärkste Ausgangslage seit den 1970er-Jahren. Für Investoren und die verarbeitende Industrie gleichermaßen signalisiert diese Prognose eine fundamentale Neubewertung des Metalls.

Engpässe im Angebot: Wenn die Produktion an Grenzen stößt

Während die Nachfrage weiter steigt, kann das globale Angebot kaum Schritt halten. Die Citigroup verweist auf erhebliche Kapazitätsgrenzen bei den weltweiten Schmelzen. So erwartet Citi für 2026 ein globales Angebotsdefizit von rund 2,7 Millionen Tonnen, selbst unter der Annahme schwacher Nachfragebedingungen. Im Zuge der Eskalation des Krieges im Iran mussten mehrere Aluminiumhütten im Nahen Osten ihre Produktion einstellen oder reduzieren. "Nach den Turbulenzen im Nahen Osten ist die Angebotselastizität im gesamten System gesunken, da China weiterhin unter Druck steht und das Angebotswachstum außerhalb Chinas nicht ausreicht, um die bestehenden Defizite auszugleichen."

Diese anhaltenden Defizite müssen zwangsläufig durch den Abbau von Lagerbeständen ausgeglichen werden, was die Analysten als die derzeit zentrale Frage für den Markt bezeichnen. Zu Beginn eines solchen Verknappungszyklus können zwar versteckte Bestände im Handel und in den Lieferketten den Engpass abfedern - was dazu führt, dass die Preisentwicklung zunächst "volatil, frustrierend und makroökonomisch bedingt" verläuft, anstatt sofort zu explodieren. Sobald diese Puffer jedoch schrumpfen und Absicherungsgeschäfte (Short-Hedges) aufgelöst werden, steigt das Risiko drastisch: Unter diesen Bedingungen können schon minimale Lieferengpässe extreme, nichtlineare Kurssprünge auslösen.

Gleichzeitig sei das Risiko nach unten stark begrenzt - es sei denn, es komme zu einer schweren globalen Rezession von historischem Ausmaß wie in den frühen 1980er-Jahren oder während der Finanzkrise 2008.

Energiewende und KI

Zudem stellt Aluminium eine Schlüsselkomponente für die globale Dekarbonisierung dar. Der rasant voranschreitende Ausbau von Solaranlagen, die Modernisierung der Stromnetze und die Produktion von Elektrofahrzeugen verschlingen immer größere Mengen des Metalls. Hinzu kommt ein neuer, extrem dynamischer Nachfragefaktor: der weltweite Boom von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI). Diese modernen Infrastrukturen benötigen gigantische Mengen an Aluminium für Stromschienen, Kühlsysteme und Gehäusekomponenten, was die traditionellen Nachfragemodelle sprengt.

Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net

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