Chipmarkt China

Druck für die NVIDIA-Aktie? KI-Platzhirsch verliert Marktanteile in China - Huawei holt bei Chips auf


Druck für die NVIDIA-Aktie? KI-Platzhirsch verliert Marktanteile in China - Huawei holt bei Chips auf

In China hat NVIDIA binnen eines Jahres über 40 Prozent seiner Auslieferungen von KI-Chips eingebüßt. Doch wie viel ist der chinesische Markt für den Konzern überhaupt noch wert?

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  • NVIDIA kommt in China laut IDC nur noch auf 34 Prozent Marktanteil
  • Huawei steigert Auslieferungen kräftig und hält bereits 28 Prozent
  • Prognose von NVIDIA berücksichtigt Geschäft in China nicht
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NVIDIA verliert im chinesischen Geschäft mit KI-Chips deutlich an Boden, und für Aktionäre rückt damit eine Frage in den Vordergrund, die die Rekordzahlen der vergangenen Quartale bislang überdeckt haben: Wie viel ist der chinesische Markt für den Chipriesen überhaupt noch wert? Laut einem Reuters-Bericht, der sich auf eine Studie des Marktforschers IDC stützt, ist der Anteil des US-Konzerns am chinesischen Markt für KI-Chips in Rechenzentren im ersten Halbjahr 2026 auf 34 Prozent gefallen. Von Januar bis Juni lieferte NVIDIA demnach rund 678.000 KI-Beschleuniger nach China aus, 44 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Huawei rückt bis auf sechs Prozentpunkte heran

Den Platz, den NVIDIA räumt, besetzt vor allem Huawei. IDC zufolge brachte der chinesische Technologiekonzern 572.000 KI-Beschleuniger in den Markt, nach etwas mehr als 300.000 ein Jahr zuvor, und kommt damit auf einen Anteil von 28 Prozent. Dahinter formiert sich eine breite Riege heimischer Anbieter: T-Head, die Chipentwicklungssparte von Alibaba, erreicht 7 Prozent, Cambricon 5 Prozent, Kunlunxin aus dem Hause Baidu 4 Prozent und Hygon 3 Prozent. Neun der elf von IDC erfassten chinesischen Chiphersteller steigerten ihre Stückzahlen gegenüber dem Vorjahr.

Noch aufschlussreicher ist die Verschiebung zwischen den Chiparten. Die Auslieferungen klassischer Grafikprozessoren, also jener Produktkategorie, mit der NVIDIA groß geworden ist, sanken um 26 Prozent auf 991.000 Einheiten. Spezialisierte KI-Beschleuniger legten dagegen um fast 80 Prozent auf gut eine Million Stück zu und überholten GPUs damit nach Stückzahl. In diesem Segment vereinen Huawei, T-Head, Kunlunxin und Cambricon zusammen 95 Prozent auf sich.

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Washington bremst, Peking lenkt die Nachfrage um

Die Gründe für den Rückgang liegen auf beiden Seiten des Pazifiks. Wie Reuters berichtet, beschränkt Washington den Zugang Chinas zu den leistungsstärksten NVIDIA-Chips, während Peking heimische Alternativen fördert und Unternehmen verpflichtet, den Import exportkonformer NVIDIA-Produkte genehmigen zu lassen. NVIDIA-Chef Jensen Huang hat die US-Exportauflagen wiederholt kritisiert und erklärt, sie zwängen ein amerikanisches Unternehmen, Chinas KI-Chipmarkt im Volumen von 50 Milliarden US-Dollar an Huawei abzutreten. Ganz scharf ist das Bild allerdings nicht: IDC legte nicht offen, welche NVIDIA-Produkte in den 34 Prozent stecken und ob etwa die nach China geschmuggelten, offiziell nicht exportierbaren Modelle B200 und B300 mitgezählt wurden.

Gewichtiger als die Momentaufnahme ist ein Befund, den die Marktforscher hinzufügen: Der Wettbewerb verlagere sich von der Leistung eines einzelnen Chips hin zu Systemfähigkeiten, also dem Zusammenspiel vieler Chips in großen Rechenclustern. Genau dort setzt Huawei an. Zum Auftakt seiner Hausmesse Huawei Connect kündigte der Konzern Mitte September in Shanghai an, den Trainingschip Ascend 960DT bereits im ersten Quartal 2027 auszuliefern, drei Quartale früher als ursprünglich geplant, und darauf eigene Großsysteme vom Typ Atlas 960E SuperPoD aufzubauen. Für 2026 insgesamt erwartet IDC in China ein Plus der Auslieferungen von KI-Beschleunigern um 19 Prozent, bei einem Rückgang der GPUs um 9 Prozent.

Warum die NVIDIA-Aktie den Marktanteilsverlust bislang kaum spürt

Im Rechenzentrumsgeschäft ist China schon heute nur eine Randgröße. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027, das am 26. Juli dieses Jahres endete, steigerte NVIDIA den Umsatz um 106 Prozent auf 96,2 Milliarden US-Dollar, das Rechenzentrumsgeschäft wuchs um 117 Prozent auf 89,0 Milliarden US-Dollar. Laut dem Kommentar von Finanzchefin Colette Kress machten Auslieferungen von Hopper-Chips nach China weniger als 1 Prozent des Rechenzentrumsumsatzes aus. Für das laufende dritte Quartal stellt NVIDIA 108,0 Milliarden US-Dollar plus oder minus 2 Prozent in Aussicht und klammert dabei Umsätze mit Rechenzentrumschips in China ausdrücklich aus.

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Kurzfristig kann die IDC-Studie die Prognose damit kaum gefährden. Wer China deshalb nur noch als zusätzliche Chance verbucht, greift aus Anlegersicht allerdings zu kurz. Je mehr chinesische Rechenzentren auf Systeme von Huawei und anderen heimischen Anbietern umgestellt werden, desto schwerer dürfte eine Rückkehr fallen, selbst wenn Washington und Peking die Tür eines Tages wieder weiter öffnen. Die Option, die im Kurs mitschwingt, verliert mit jedem Quartal an Wert.

Analysten halten an ihren positiven Einstufungen der NVIDIA-Aktie fest

An der Zuversicht der Analysten ändert das bislang wenig. Die Schweizer Großbank UBS beließ die Einstufung am 9. Oktober auf „Buy“ mit einem Kursziel von 300 US-Dollar. Bernstein Research bestätigte im September das Votum „Outperform“ mit einem Kursziel von 400 US-Dollar, Analyst Stacy Rasgon hob nach Gesprächen mit Finanzchefin Kress das weiterhin enorme Potenzial im Bereich Rechenzentren hervor.

Der nächste belastbare Datenpunkt sind die Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2027, die wohl Ende November anstehen. Dann zeigt sich, ob NVIDIA an seinem Ausblick ohne chinesischen Rechenzentrumsumsatz festhält und ob die Auslieferungen nach China über die Marke von einem Prozent des Rechenzentrumsumsatzes hinauskommen.

Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net

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Bildquellen: Below the Sky / Shutterstock.com, Sergei Prokhorov / Shutterstock.com

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