Marvell-Aktie schießt hoch: Google sichert sich milliardenschwere Kaufoption
Ein Warrant über knapp 59 Millionen Aktien bringt Marvell und Google enger zusammen, als es bisherige Chip-Deals vermuten ließen.
Werte in diesem Artikel
- Warrant-Deal mit Google katapultiert die Marvell-Aktie nach oben
- Neue Vereinbarung reicht von KI-Beschleunigern bis Near-Memory-Compute
- Vesting-Mechanismus koppelt Aktienpakete direkt an Google-Umsätze
Marvell hat Google im Rahmen einer erweiterten Chip-Partnerschaft einen Warrant auf bis zu 58,97 Millionen eigene Aktien zu einem Ausübungspreis von 206,58 US-Dollar je Aktie eingeräumt. Daraufhin legte die Marvell-Aktie im US-Handel an der NASDAQ um 9,85 Prozent auf 237,27 US-Dollar zu. Der Markt wertet die Vereinbarung augenscheinlich als Bestätigung, dass Marvell im Custom-Chip-Geschäft für Hyperscaler weiter an Gewicht gewinnt.
Was der Warrant konkret regelt
Marvell gab den Warrant am Dienstag im Zusammenhang mit einer kommerziellen Vereinbarung vom 29. Juli aus, die ein breites Spektrum an Custom-Silicon-Programmen für das TPU-Ökosystem von Google umfasst. Dazu zählen laut der Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC unter anderem KI-Inferenzbeschleuniger, Storage-Controller, Netzwerk-Controller, Speicher-Interface-Controller und Near-Memory-Compute-Technologien.
Von den insgesamt 58.970.907 Warrant-Aktien vesten 1.360.867 Stück zeitbasiert in gleichen Tranchen quartalsweise im ersten Jahr nach Vertragsabschluss. Der weitaus größere Rest hängt an tatsächlichen Käufen Googles beziehungsweise seiner Tochtergesellschaften: Verteilt auf 240 gleiche Tranchen vom dritten Quartal des Geschäftsjahres 2027 bis zum Ende des Geschäftsjahres 2033 schaltet jeweils eine weitere Tranche frei, sobald 500 Millionen US-Dollar Umsatz mit den Custom Products erreicht sind. Der Warrant bleibt bis zum 18. August 2033 ausübbar, ist grundsätzlich nicht übertragbar und unterliegt bei den zeitbasierten Aktien zusätzlichen Lock-up-Bestimmungen.
Marvell erweitert sein Hyperscaler-Geschäft
Die Vereinbarung baut die Position von Marvell neben Amazon Web Services und Microsoft als Custom-Chip-Partner großer Cloud-Anbieter aus; der maximale Wert des Pakets liegt laut SEC-Mitteilung bei bis zu 12,2 Milliarden US-Dollar. Bislang lief Googles Chip-Partnerschaft für die TPU-Fertigung vor allem über Broadcom, einen Wettbewerber von Marvell im Bereich kundenspezifischer Halbleiter.
Der Deal reiht sich in eine Serie von Signalen zum Custom-Silicon-Geschäft von Marvell ein. Bereits im Frühjahr 2026 hatte NVIDIA zwei Milliarden US-Dollar in Marvell investiert, um die Integration von Marvells kundenspezifischen KI-Chips mit NVIDIAs Netzwerktechnik und Zentralprozessoren zu erleichtern, ergänzt um eine Kooperation bei Silizium-Photonik-Technologie. Für sein Custom-Chip-Geschäft insgesamt strebt Marvell im Geschäftsjahr 2029 einen Umsatz von mehr als zehn Milliarden US-Dollar an.
Analysten sehen überwiegend Aufwärtspotenzial
Der Analystenkonsens stuft die Marvell-Aktie mit "Strong Buy" ein, bei 28 erfassten Häusern votieren 23 für "Buy" und 5 für "Hold", keines für "Sell". Das mittlere Kursziel liegt Stand 18. August bei 272,73 US-Dollar, die Spanne reicht von 180 bis 400 US-Dollar. Stifel Nicolaus bestätigte am 18. August ein Kursziel von 350 US-Dollar bei Einstufung "Buy", während TD Cowen am selben Tag bei "Hold" und einem Kursziel von 225 US-Dollar blieb. UBS hatte das Kursziel am Vortag auf 300 US-Dollar von zuvor 340 US-Dollar gesenkt, die Einstufung "Buy" aber bestätigt. Wells Fargo hatte bereits am 11. August ein Kursziel von 240 US-Dollar bei "Buy" ausgegeben.
Benedict Kurschat, Julia Walter, Redaktion finanzen.net
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