LPKF: Wenn das Marktpotenzial die Bilanz überholt

23.07.26 13:34 Uhr

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Der Laserspezialist meldete für das erste Halbjahr einen Umsatzeinbruch von mehr als einem Drittel und ein zweistelliges Millionenminus beim operativen Ergebnis, hält die Jahresprognose aber unverändert aufrecht. Die Börse bleibt kritisch.

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36,5 Mio. Euro Umsatz im ersten Halbjahr nach 59,2 Mio. Euro im Vorjahr, das sind 38,3 Prozent weniger. Im zweiten Quartal allein fiel der Erlös von LPKF von 33,8 auf 19,3 Mio. Euro. Das EBIT rutschte in den ersten sechs Monaten auf -14,1 Mio. Euro ab, nach -1,7 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Auch der Auftragseingang enttäuschte: 19,9 Mio. Euro stehen 43 Mio. Euro aus dem Vorjahr gegenüber. Immerhin lag der Auftragsbestand mit 34,7 Mio. Euro zum Stichtag nahezu auf Vorjahresniveau.

Die Prognose ist die eigentliche Nachricht

LPKF bestätigte dennoch die Guidance für 2026, die von einem Konzernumsatz von 105 bis 120 Mio. Euro sowie einer bereinigten EBIT-Marge zwischen -3,0 und 4,5 Prozent ausgeht. Rechnet man das durch, wird die Dimension der Aufgabe sichtbar. Im zweiten Halbjahr müsste das Unternehmen zwischen 68,5 und 83,5 Mio. Euro erlösen, also mindestens das Doppelte des ersten Halbjahres.

Beim Ergebnis wäre die Aufholjagd noch beeindruckender: Um am unteren Ende der Margenspanne zu landen, braucht es im zweiten Halbjahr ein bereinigtes EBIT von rund 7 Mio. Euro, nach -10,4 Mio. Euro im ersten. Das ist nicht unmöglich, der Maschinenbau kennt solche Halbjahresverteilungen, aber es ist eine Prognose mit ausgesprochen wenig Puffer.

LIDE liefert Fantasie, aber noch kaum Umsätze

Der strategische Kern der Halbjahresbilanz ist die Neubewertung des adressierbaren Marktes im Bereich Advanced Packaging. Statt bisher 500 Mio. Euro sieht LPKF bis 2030 nun rund 1,7 Mrd. Euro, getrieben vom KI-bedingten Ausbau von Hochleistungsrechnern und der damit steigenden Zahl benötigter Wafer für High-Performance-Chips.

Die patentierte LIDE-Technologie zur rissfreien Glasbearbeitung ist bei führenden Halbleiterkunden im Einsatz, und LPKF erweitert sein Angebot Schritt für Schritt. Dazu gehört das saubere Zerteilen großer Glasplatten in die einzelnen Chipträger sowie das Verbinden mehrerer Glaslagen zu einem Stapel, ebenfalls per Laser. Beides sind Arbeitsschritte, die in der Fertigung direkt auf die Strukturierung des Glases folgen. Wer sie mitliefert, bleibt beim Kunden nicht Zulieferer für eine Einzelmaschine, sondern wird Partner für einen ganzen Prozessabschnitt.

Nur: Ein größerer Zielmarkt ist kein Auftragsbuch. Konkret vermeldet wurden im zweiten Quartal nur zwei ausgelieferte LIDE-Systeme, eines an einen Spezialglashersteller, eines an eine US-Universität. Das Unternehmen selbst formuliert die Aufgabe deutlich, es brauche jetzt Beweispunkte über strategisch relevante Aufträge. Genau daran wird sich die Aktie messen lassen müssen.

North Star kostet, bevor es wirkt

Das in Gang gebrachte Transformationsprogramm hat die erste Welle des Personalabbaus im zweiten Quartal abgeschlossen. Für 2026 rechnet LPKF mit Restrukturierungskosten von rund 3 bis 4 Prozent des Umsatzes, also grob 3,5 bis 4,5 Mio. Euro. Das Ziel einer nachhaltig zweistelligen EBIT-Marge bis 2028 bleibt stehen. Bei den Segmenten ist das Bild geteilt: Electronics und Development liefern beim Auftragseingang, Solar leidet massiv unter der Investitionszurückhaltung vor dem Technologiewechsel zu Perowskit, Welding ist trotz Neuausrichtung wieder in die Verlustzone gedreht.

Die Zwischenbilanz

Die Technologie ist aussichtsreich, die Marktchancen im Glas-Packaging ebenfalls, aber der Zeitpunkt der Monetarisierung ist offen, und die Jahresprognose steht auf einem sehr schmalen Grat. Das sieht aktuell auch die Börse, die LPKF nach der Zahlenvorlage gut 10 Prozent nach unten schickt. Das macht die zaghafte Erholung der letzten Tage gleich wieder zunichte und zeigt ebenfalls, wie schwer es für solch einen Wert ist, aus einem Stimmungstief herauszukommen. Anleger sollten entsprechend erst einmal weiter nur beobachten.

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Erstellung am 23.07.26 um 13:24 Uhr.

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