AMD-Aktie auf über 500 Dollar: Was nach der Quartalszahlen-Rally bleibt

Drei Wochen nach dem Quartalsbericht hat die AMD-Aktie ein neues Rekordhoch erreicht. Das Fundament der Rally ist real, der eigentliche Wachstumstest steht aber erst im Herbst an.
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Die AMD-Aktie erreichte im Mittwochshandel an der NASDAQ bei 510,21 US-Dollar ein neues Allzeithoch, ein Anstieg von über 50 Prozent allein in den letzten vier Wochen. Ausgelöst hatte die Bewegung der Quartalsbericht vom 5. Mai: Der Umsatz kletterte auf 10,25 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Analystenerwartungen von 9,88 Milliarden US-Dollar. Seither hat der Kurs nicht korrigiert, sondern weiter zugelegt. Die Frage für Anleger lautet nicht mehr, ob die Zahlen gut waren, sondern ob das Wachstumsversprechen der zweiten Jahreshälfte einlösbar ist.
Am Donnerstag ging es schlussendlich 4,55 Prozent hoch auf 518,09 US-Dollar.
Rechenzentrum zieht, Bruttomarge leicht unter Vorquartal
Das Rechenzentrum-Segment steht im ersten Quartal 2026 für 5,775 Milliarden US-Dollar Umsatz, ein Plus von 57 Prozent gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres und erstmals die Mehrheit am Konzernumsatz. Client und Gaming steuerten 3,605 Milliarden US-Dollar bei, das Embedded-Segment 873 Millionen US-Dollar. Beim Non-GAAP-Gewinn je Aktie lieferte AMD 1,37 US-Dollar, geringfügig über dem Analystenkonsens von 1,28 US-Dollar. Die GAAP-Bruttomarge lag bei 53 Prozent, einen Prozentpunkt unter dem Vorquartal - ein Detail, das im Kursfeuerwerk kaum Beachtung fand, aber relevant wird, sobald der MI450-Anlauf die Kostenstruktur belastet.
MI450-Hochlauf als einziger echter Prüfstein
Meta hat eine Partnerschaft über bis zu 6 Gigawatt kundenspezifischer MI450-GPUs angekündigt. Oracle plant für das dritte Quartal 2026 einen KI-Supercluster mit 50.000 AMD-Instinct-MI450-GPUs. Laut dem Earnings Call startet der signifikante KI-GPU-Aufbau erst im dritten Quartal, mit dem eigentlichen Volumen-Schub im vierten Quartal 2026. Das bedeutet: Die Bewertung ist weitgehend auf Erwartungen gestützt, die noch nicht in den Büchern stehen. Ob AMD Volumen, Marge und Lieferfähigkeit gleichzeitig unter Kontrolle halten kann, zeigt sich erst ab dem Produktionsanlauf im dritten Quartal.
Analysten ziehen nach, Bewertung bleibt eng
Goldman Sachs hob das Kursziel nach den Quartalszahlen von 240 auf 450 Dollar an und stufte die Aktie auf "Buy" hoch. Bernstein verdoppelte sein Ziel von 265 auf 525 Dollar und hob die Einstufung auf "Outperform" an. Damit liegen mehrere Kursziele bereits unter dem aktuellen Kurs. Das KGV liegt bei über 160, wobei institutionelle Anleger die Bewertung mit erwarteten Gewinnen von mehr als 20 Dollar je Aktie in den Folgejahren rechtfertigen. Der Spielraum für Enttäuschungen ist damit rechnerisch sehr gering: Schon eine Verschiebung des MI450-Anlaufs um ein Quartal würde die Gewinnschätzungen für 2026 unter Druck setzen.
Die nächste belastbare Einordnung liefert der Quartalsbericht für das zweite Quartal 2026, den AMD voraussichtlich Anfang August vorlegt. Dann lässt sich erstmals ablesen, ob der MI450-Produktionsanlauf planmäßig beginnt und ob die angekündigten Großaufträge von Meta und Oracle in den Umsatzzahlen sichtbar werden.
Alexandra Hesse, Martina Köhler, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
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