Intel-Aktie unter Druck: Vertiefte Fortinet-Zusammenarbeit reicht Anlegern nicht - SK hynix dementiert Interesse an Ohio-Fabrik
Nachdem Intel eine Vertiefung der Zusammenarbeit mit Fortinet angekündigt hat, rückt die erste neue Chipfertigung in New Albany in den Fokus.
Werte in diesem Artikel
- Intel und Fortinet vertiefen ihre Kooperation beim Sicherheitsprozessor SP6
- SK Hynix dementiert eine mögliche Übernahme von Intels Ohio-Fabrik
- Intel legt bereits an diesem Donnerstag neue Quartalszahlen vor
Intel vermeldete am Dienstag eine vertiefte Kooperation mit dem IT-Sicherheitsanbieter Fortinet, noch bevor tags darauf ein ganz anderes Thema die Aktie beschäftigt: ein Bericht über einen möglichen Verkauf der Chipfabrik in Ohio. Zunächst wurde der südkoreanische Speicherchip-Hersteller SK hynix als Interessent gehandelt, dieser hat dies inzwischen aber dementiert. Beide Stränge laufen auf dieselbe Frage hinaus, wie der schwer angeschlagene Foundry-Bereich des Chipkonzerns künftig finanziert und ausgelastet werden soll.
Fortinet-Kooperation als erste Nachricht des Tages
Intel und Fortinet meldeten eine vertiefte Zusammenarbeit beim Sicherheitsprozessor Fortinet Security Processor 6 (SP6). Intel bringt dabei sein Fertigungs- und Verpackungs-Knowhow ein, Fortinet sein seit zwei Jahrzehnten geschärftes Prozessordesign. Intel-Chef Lip-Bu Tan begründete die Kooperation damit, dass Sicherheitsinfrastruktur heute sowohl Leistung als auch schnelle Innovation liefern müsse, wozu Intels Fertigungskompetenz beitragen könne. Fortinet-Gründer und -Chef Ken Xie stellte heraus, die eigenen Sicherheitsprozessoren seien seit über zwanzig Jahren ein zentraler Wettbewerbsvorteil, den die erweiterte Partnerschaft mit Intel weiter stärken solle. Für Intel ist das ein Beispiel dafür, wie der Konzern sein Foundry-Geschäft über große Auftragskunden auszulasten versucht.
Bericht über Ohio-Verkauf: SK hynix winkt ab
Am heutigen Mittwoch rückt ein Bericht der koreanischen Zeitung Korea JoongAng Daily in den Fokus, wonach SK hynix intern prüfe, Intels Chipfabrik in Ohio zu übernehmen und die Kapazität angesichts knapper KI-Speicherchips zu erweitern. SK hynix widerspricht dem in einer Mitteilung an die koreanische Börse: Man prüfe laufend Investitions- und Übernahmemöglichkeiten, eine Übernahme des Intel-Standorts in Ohio sei aber weder verfolgt noch beschlossen worden. Die Aktie geriet dadurch kurzzeitig in den Fokus der Anleger in Seoul, ehe sich die Nachrichtenlage mit dem Dementi wieder beruhigte. Für Investoren zählt vor allem die Wortwahl: SK hynix bestreitet konkrete Gespräche oder einen Beschluss, schließt eine künftige Prüfung aber nicht ausdrücklich aus, ein in Unternehmenskommunikation gängiges Muster.
Warum die Ohio-Fabrik für die Intel-Aktie zur Machtfrage wird
Der Standort in New Albany ist mehr als eine Fabrik unter vielen: Intel hatte dort 2022 die erste komplett neue Chipfertigung in den USA seit vier Jahrzehnten gestartet, eingebettet in die eigene Wachstumsstrategie und den US-Chipgesetz-Rahmen (CHIPS Act). Ursprünglich für zwei Fabriken geplant und potenziell auf bis zu acht ausbaufähig, hat der Konzern die Zeitpläne inzwischen auf einen Produktionsstart um 2030 bis 2031 verschoben. Ein Verkauf oder eine Beteiligung Dritter könnte frisches Kapital verschaffen und wäre angesichts der Verluste im Foundry-Geschäft, dem Bereich, der Chips auch für externe Kunden fertigt, willkommen. Zum Vergleich: SK Hynix hatte zuletzt bereits rund 3,9 Milliarden US-Dollar in eine Verpackungsanlage in Indiana zugesagt, ein Ohio-Einstieg hätte diese US-Präsenz weiter vergrößert.
Beide Meldungen ergeben zusammen ein Muster: Intel öffnet sich in der Fertigung stärker gegenüber Partnern und Auftragskunden, ganz gleich ob es um Chipdesign für Dritte oder um eine mögliche Standortbeteiligung geht. Ob daraus tatsächlich frisches Kapital oder neue Aufträge in relevantem Umfang entstehen, dürfte sich an den Quartalszahlen zeigen, die Intel bereits an diesem Donnerstag (23. Juli) veröffentlicht. Dort dürfte sich auch ablesen lassen, wie dringend der Konzern zusätzliche Finanzierungsquellen für die Foundry-Sparte benötigt.
So bewegt sich die Intel-Aktie
Nachdem das Papier am Vortag noch deutlich zulegen konnte, deuten sich am Mittwoch Gewinnmitnahmen an. Zeitweise geht es an der NASDAQ 3,56 Prozent auf 101,70 US-Dollar abwärts. Die ADRs von SK hynix verlieren derweil 6,50 Prozent auf 160,77 US-Dollar.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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