NVIDIA-Aktie: Der unauffällige Weg, um vom Robotik-Boom zu profitieren
Während Jensen Huang die Softwareschicht für humanoide Roboter zum nächsten großen Kapitel seines Konzerns erklärt, fließt das Geld der Industrie heute schon in bestimmte Bereiche.
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NVIDIA-Chef Jensen Huang bezeichnet Robotik und physische KI wiederholt als das nächste große Kapitel seines Konzerns, und der Markt nimmt ihm das zunehmend ab. Der Konzernumsatz aus physischer KI kletterte in den vergangenen zwölf Monaten auf über 9 Milliarden US-Dollar, nach rund 6 Milliarden US-Dollar im Jahr zuvor. Analysten behandeln Roboter daher laut einer Kolumne auf MarketWatch als den nächsten großen Wachstumstreiber.
Der eigentliche Gewinn für Anleger liege nach Einschätzung von Marktbeobachtern jedoch nicht allein bei NVIDIA selbst, sondern eine Ebene tiefer: bei den Zulieferern für Bewegung, Sensorik, Energieversorgung und Fabrikautomation, die schon heute reale Kunden und Auftragsbücher vorweisen.
Die Plattform-These ist noch nicht dort, wo das Geld fließt
Huang nennt humanoide Roboter eine wirtschaftliche Chance im mehrstelligen Billionenbereich. Mit der neu angekündigten Sicherheitsplattform Halos für Robotik will NVIDIA die Software-, Rechen- und Sicherheitsschicht rund um Humanoide besetzen, statt die komplette Maschine selbst zu bauen. Wie klein dieses Geschäft gegenüber dem Kerngeschäft aktuell noch ist, zeigt ein Blick auf die Bilanz: Im Geschäftsjahr 2026 erzielte NVIDIA einen Gesamtumsatz von 215,9 Milliarden US-Dollar, davon entfielen 193,7 Milliarden US-Dollar auf das Rechenzentrumsgeschäft. Die neu gebildete Sammelsparte für Automotive und Robotik kam lediglich auf 2,3 Milliarden US-Dollar, also gut ein Prozent des Konzernumsatzes, und darin steckt laut Unternehmensangaben fast ausschließlich selbstfahrende Technik statt Humanoiden. Die Plattform-These steht also, das Geld dahinter ist überwiegend noch Zukunftsmusik.
Wo der Wert im Roboter tatsächlich sitzt
Die Beratungsgesellschaft McKinsey bezifferte im April, dass Aktuatoren 40 bis 60 Prozent der Materialkosten eines humanoiden Roboters ausmachen. Sensorik kommt auf weitere 10 bis 20 Prozent, Recheneinheiten auf 10 bis 15 Prozent. Der wertvollste Bestandteil sitzt damit ausgerechnet in einem der am wenigsten entwickelten Zulieferer-Ökosysteme.
Für Anleger ergibt sich laut MarketWatch-Kolumnist Jurica Dujmovic daraus eine einfache Leitfrage: Verkauft ein Unternehmen in einen echten Engpass hinein, oder hängt sein Geschäft vom vollständigen Humanoiden-Traum ab? Je näher ein Zulieferer an Bewegung, Sensorik, Sicherheit oder Fabrikintegration sitzt, desto eher fließen schon heute Umsätze. Je weiter er davon entfernt ist, desto mehr hängt er von einem Zeitplan ab, der bislang nur auf dem Papier steht.
Der Schaeffler-Deal als Blaupause für Zulieferer-Umsätze
Schaeffler lieferte im Mai ein konkretes Beispiel dafür, wie aus einem einzelnen Roboter-Rollout ein wiederkehrendes Auftragsbuch wird. Der Motion-Technology-Konzern vereinbarte mit dem britischen Start-up Humanoid den Einsatz von bis zu 2.000 Robotern in den eigenen Werken bis 2032 und wurde zugleich bevorzugter Lieferant für mehr als die Hälfte von dessen Bedarf an Gelenkaktuatoren bis 2031, ein Auftrag, der nach eigenen Angaben eine siebenstellige Stückzahl umfassen soll.
Diese Nachfrage trifft auf eine bereits etablierte Basis: Die International Federation of Robotics zählte 2024 weltweit 542.000 neu installierte Industrieroboter, mehr als doppelt so viele wie ein Jahrzehnt zuvor und das vierte Jahr in Folge über 500.000 Einheiten. China stand dabei für 54 Prozent der Installationen.
Mehrere Schichten im Zulieferer-Ökosystem
Rund um NVIDIAs Plattform bildet sich ein mehrschichtiges Zulieferer-Feld heraus. Bei Aktuatoren, Motoren und Getrieben gilt neben Schaeffler auch der Autozulieferer Magna als Akteur, der sich mit einer Beteiligung am Robotik-Start-up Sanctuary AI positioniert hat, während der Industriekonzern Bosch mit dem privat finanzierten Anbieter Neura Robotics kooperiert. Bei Sensorik und Recheneinheiten ist das Rennen noch offen: NVIDIAs Jetson Thor konkurriert mit dem neuen humanoiden Prozessor Dragonwing IQ10 von QUALCOMM, das um Kunden wie Figure Technology Solutions und Neura Robotics wirbt. Bei Energie, Kühlung und Fabrikintegration liegt der Vorteil bei etablierten Automatisierern: FANUC, ABB, Yaskawa Electric und der inzwischen von Midea kontrollierte Roboterbauer Kuka verfügen zusammen über eine installierte Basis von mehr als 2 Millionen Robotern und binden NVIDIAs Omniverse- und Jetson-Module bereits in ihre Steuerungen ein.
Ein Risiko gehört in jede Betrachtung
Hochdrehmoment-Aktuatoren benötigen Seltene-Erden-Magnete, und China kontrolliert nach Marktschätzungen rund 90 Prozent der Verarbeitungskapazität für diese Magnete. Jüngste Änderungen bei Exportlizenzen haben gezeigt, wie schnell dieser Engpass zum Problem für die gesamte Lieferkette werden kann, unabhängig davon, welcher Roboterhersteller am Ende das Rennen macht.
Für die kommenden Quartale lohnt sich der Blick auf die Auftragsbücher der Zulieferer und auf NVIDIAs nächste Segmentberichte, um zu sehen, ob sich die Automotive-und-Robotik-Sparte tatsächlich beschleunigt oder ob das Wachstum weiterhin allein aus dem Rechenzentrumsgeschäft kommt.
Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
Hinweis: Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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