SpaceX-Aktie, OpenAI und Anthropic: Warum ein Fondsmanager bei den Mega-IPOs kein Risiko sieht

SpaceX ist bereits an der Börse, OpenAI und Anthropic dürften folgen. Warum ein Fondsmanager trotz der Mega-IPOs keine Risiken für den Gesamtmarkt sieht.
Werte in diesem Artikel
• SpaceX wird seit dem 12. Juni 2026 an der NASDAQ unter dem Kürzel SPCX gehandelt
• Das Emissionsvolumen von SpaceX summierte sich auf etwa 75 Milliarden US-Dollar
• Neu gelistete Aktien haben meist nur einen geringen frei handelbaren Streubesitz
SpaceX an der Börse, OpenAI und Anthropic dürften folgen
Innerhalb weniger Wochen sorgten drei große Technologieunternehmen mit ihren Börsenplänen für Aufsehen. Den Anfang machte SpaceX. Wie aus der offiziellen Mitteilung von Space Exploration Technologies vom 11. Juni 2026 hervorgeht, legte das Unternehmen den Ausgabepreis seines Börsengangs auf 135 US-Dollar je Aktie fest und brachte 555,6 Millionen Class-A-Aktien an den Markt. Es handelte sich dabei um den größten Börsengang, der je durchgeführt wurde. Seit dem 12. Juni 2026 werden die Papiere an der NASDAQ unter dem Kürzel SPCX gehandelt.
Die beiden führenden Anbieter im Bereich der künstlichen Intelligenz stehen kurz dahinter. Anthropic reichte nach eigenen Angaben am 1. Juni 2026 vertraulich einen Registrierungsentwurf auf dem Formular S-1 bei der SEC ein und betonte, dass weder die Zahl der angebotenen Aktien noch der Preis feststehe und der Schritt lediglich die Option auf einen Börsengang nach Abschluss der SEC-Prüfung eröffne.
OpenAI bestätigte am 8. Juni 2026 eine ebenfalls vertrauliche Einreichung. Das Unternehmen erklärte, ein konkreter Zeitpunkt sei noch nicht entschieden und könne sich hinziehen, weil sich manche Vorhaben als privates Unternehmen leichter umsetzen ließen. Auch hier eröffne die Einreichung zunächst nur die Möglichkeit, früher an die Börse zu gehen. Bewertet wurde OpenAI nach einer Finanzierungsrunde im März 2026 mit rund 852 Milliarden US-Dollar, Anthropic nach einer im Mai 2026 abgeschlossenen Runde über 65 Milliarden US-Dollar mit etwa 965 Milliarden US-Dollar.
Warum ein Fondsmanager keine Gefahr für den Gesamtmarkt sieht
Brian Barbetta ist Co-Leiter des Technologie-Teams bei Wellington Management und begleitet die Branche seit über zehn Jahren. Nach Angaben von Barron's verwaltet sein Team rund 40 Milliarden US-Dollar. Er ist unter anderem an der Steuerung des Vanguard U.S. Growth ETF beteiligt sowie an der 2,7 Milliarden US-Dollar schweren Strategie Wellington Global Technology Opportunities, die laut demselben Bericht in drei Jahren eine durchschnittliche Rendite von 37 Prozent pro Jahr nach Gebühren erzielte. In einem am 11. Juni 2026 veröffentlichten Gespräch mit Barron's, geführt im Mai und ergänzt per E-Mail am 8. Juni 2026, ordnete er die Mega-Börsengänge ein.
Seine zentrale Einschätzung gegenüber Barron's: Einen spürbaren negativen Effekt auf andere Aktien erwartet er nicht. Der Grund liegt für ihn in der Struktur solcher Erstnotierungen. Neu gelistete Unternehmen geben meist nur einen kleinen Teil ihrer Aktien frei, der Streubesitz bleibt also gering. Dadurch binden die Börsengänge weniger Kapital aus dem übrigen Markt, als es das schiere Volumen vermuten lässt. Unter Druck geraten könnten nach seiner Darstellung vor allem einzelne börsennotierte Titel, die Anleger bislang als Stellvertreter für die noch privaten Unternehmen gehalten hatten.
Wo die eigentlichen Druckpunkte liegen und wann Einstiege entstehen
Genau diese Stellvertreter-Titel bilden für Barbetta den interessanten Teil der Bewegung. Wenn Anleger nach einer echten Erstnotierung aus ihren Ersatzpositionen umschichten, entsteht dort Verkaufsdruck. Hinzu kommt die Mechanik der Sperrfristen, also der Zeiträume, in denen Altaktionäre ihre Anteile zunächst nicht verkaufen dürfen. Laufen diese Fristen aus, gelangt zusätzliches Angebot an den Markt, was den Kurs der neuen Aktie häufig drückt. Solche Rücksetzer nutzt Barbetta nach eigener Aussage gezielt, um Positionen aufzubauen oder aufzustocken. Übergeordnet verweist er darauf, dass börsennotierte Technologieinvestments über jeden messbaren Zeitraum deutlich besser abgeschnitten hätten als die große Mehrheit der auf Technologie spezialisierten Privatfonds.
Unbegrenzt ist sein Optimismus dennoch nicht. Gegenüber Barron's nannte er zwei Bedingungen, unter denen er seine positive Haltung überdenken würde. Die erste ist verschärfter Wettbewerb, der etwa das Wachstum und die Profitabilität von NVIDIA beschneiden könnte. Die zweite ist eine nachlassende Nachfrage nach KI-Diensten, für die er die Akzeptanz in Unternehmen als entscheidenden Frühindikator betrachtet. Als denkbaren Bruch im Trend beschreibt er zudem einen wissenschaftlichen Durchbruch, der die benötigte Rechenarchitektur und damit den Bedarf an bestimmten Halbleitern grundlegend verschieben würde.
Dominik Maier, Redaktion finanzen.net
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