Alarm an der Straße von Hormus: Diese Rohstoffe könnten sich neben Öl drastisch verteuern

Die Spannungen an der Straße von Hormus könnten laut Bloomberg deutlich größere Folgen haben als steigende Ölpreise. Einem Bericht zufolge geraten auch andere Rohstoffe zunehmend unter Druck.
Werte in diesem Artikel
- Spannungen in der Straße von Hormus belasten laut Bloomberg auch Düngemittel, Schwefel, Aluminium und Helium
- Harnstoffpreise in New Orleans steigen binnen einer Woche um 6,2 Prozent
- Heliumpreis laut Branchenexperten seit März mindestens verdoppelt
Die erneute Zuspitzung der Lage an der Straße von Hormus gefährdet laut einem Bloomberg-Bericht globale Lieferketten weit über Öl und Gas hinaus. Betroffen sind demnach vor allem vier Rohstoffgruppen, die für Landwirtschaft, Industrie und Chipproduktion gleichermaßen wichtig sind.
Düngemittel und Schwefel: Risiko für die Landwirtschaft
Der Persische Golf ist demnach der Standort bedeutender Düngemittelhersteller wie Qatar Fertiliser, Fertiglobe und der saudischen Saudi Basic Industries Corp. Beim vorigen Konflikt zahlte Indien als größter Harnstoffimporteur der Welt demnach fast das Doppelte des Vorkriegspreises; dieses Mal gilt vor allem Brasilien als exponiert, da dort die Aussaat für die Südhalbkugel bevorsteht. Der Preis für Harnstoff in New Orleans, der als globaler Referenzpreis gilt, kletterte laut Bloomberg bis zum 10. Juli um 6,2 Prozent, der stärkste Anstieg seit mehr als drei Monaten. Da die Golfregion auch große Mengen Schwefel liefert, einen wichtigen Ausgangsstoff für Phosphatdünger, hätten zudem bereits Anlagen in Brasilien, den USA und Marokko ihre Produktion kürzen müssen.
Steigende Schwefelpreise treffen dem Bericht zufolge zusätzlich Industrien wie die Kupfer- und Nickelproduktion, die auf Schwefelsäure angewiesen sind. Nach Angaben von Händlern sei zwar genug Schwefel verfügbar für Käufer, die bereit seien, höhere Preise zu zahlen, für die Landwirtschaft fielen die Kostensteigerungen jedoch deutlich schwerer aus als für die Minenindustrie.
Aluminium: Engpässe bei Spezialprodukten
Der Nahe Osten stehe für knapp ein Zehntel der weltweiten Aluminiumproduktion, spiele aber bei spezialisierten Aluminiumprodukten für Automobilbau, Bauwirtschaft und Luftfahrt eine überproportionale Rolle, heißt es weiter. Während sich die Lage bei Standardaluminium durch Umwege und steigende Exporte aus China und Indonesien entspannt habe, blieben die Aufschläge für Spezialprodukte wie Aluminiumbolzen hoch, so der Bericht.
Helium: Engpass mit Folgen für die Chipproduktion
Besonders aufschlussreich sei laut Bloomberg der Blick auf Helium: Katars Anlage Ras Laffan, weltweit größter Exportstandort für Flüssigerdgas, deckte demnach vor Ausbruch der Krise Ende Februar rund ein Drittel des weltweiten Heliumbedarfs. Helium werde unter anderem in Airbags und MRT-Geräten benötigt, spiele aber auch eine zentrale Rolle beim Kühlen von Siliziumwafern in der Chipproduktion. Da Helium nicht an Börsen gehandelt wird, lässt sich der genaue Preiseffekt dem Bericht zufolge schwer beziffern; ein von der Nachrichtenagentur zitierter Branchenexperte mit mehr als 40 Jahren Erfahrung geht jedoch davon aus, dass sich der Spotpreis seit März mindestens verdoppelt hat. Zusätzlich habe China am 10. Juli Exportbeschränkungen für Helium eingeführt, während ukrainische Angriffe die russische Förderung beeinträchtigt hätten.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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