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Drei Szenarien für den Börsengang: Was passiert, wenn die OpenAI-Aktie erst nächstes Jahr kommt?


Drei Szenarien für den Börsengang: Was passiert, wenn die OpenAI-Aktie erst nächstes Jahr kommt?

Am Markt wird spekuliert, dass OpenAI seinen geplanten Börsengang auf 2027 verschieben könnte. Morningstar hat nun drei Szenarien für einen IPO des KI-Startups durchgespielt.

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• Berichte über einen verschobenen OpenAI-Börsengang
• OpenAI wegen volatilen Tech-Märkten erst 2027?
• Drei mögliche Szenarien

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Der ChatGPT-Entwickler OpenAI hatte im Juni vertraulich Unterlagen für einen Börsengang bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht - eigentlich mit Kurs auf einen Handelsstart noch in diesem Jahr. Doch laut einem Bericht der "New York Times" erwägt das Management inzwischen, den Schritt an die Börse auf 2027 zu verschieben.

So hätten die zuletzt deutlich volatileren Technologiemärkte die Sorge aufgebracht, dass ein Börsendebüt derzeit nicht die von OpenAI-Chef Sam Altman angestrebte Bewertung von rund einer Billion US-Dollar rechtfertigen könnte. Ausschlaggebend dafür ist unter anderem der holprige Handelsstart von Elon Musks SpaceX: Der Raumfahrtkonzern hatte Anfang Juni mit über 85 Milliarden US-Dollar den bislang größten Börsengang überhaupt hingelegt und war zunächst auf eine Bewertung von 1,77 Billionen Dollar geklettert - seither ist der Kurs jedoch spürbar zurückgekommen. Berater sollen dem OpenAI-Management deshalb empfohlen haben, den Börsengang zu verschieben.

Das Analysehaus Morningstar hat sich in einem aktuellen Beitrag mit den möglichen Folgen eines solchen Aufschubs befasst und drei Szenarien durchgespielt.

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Szenario 1: Konkurrent Anthropic zieht an OpenAI vorbei

Verschiebt OpenAI den Börsengang, würde das Rivalen Anthropic in die Karten spielen: Der Anbieter des Chatbots Claude könnte dann als Erster an die Börse gehen - und damit den Rahmen für die gesamte Branche vorgeben. Lise Buyer, Partnerin bei der IPO-Beratung Class V Group, erklärte laut Morningstar, dass das Unternehmen, das zuerst an den Markt geht, festlegt, welche Firmen als Vergleichsmaßstab gelten, wie sie bewertet werden und an welchen Kennzahlen sich Erfolg misst. Der Verfolger müsse sich entweder an dieser Messlatte orientieren oder Investoren überzeugend erklären, warum er anders zu bewerten sei.

Ein zweiter Platz muss laut Morningstar aber nicht zwangsläufig ein Nachteil sein: Buyer weist darauf hin, dass der Nachzügler aus den Problemen lernen kann, mit denen der Erstplatzierte während des Prozesses konfrontiert war.

Szenario 2: Verzögerung bei OpenAi sowie bei Anthropic

Für Anthropic gelte: "Eine Verzögerung könnte Anthropic Luft verschaffen, um zu beweisen, dass Claude sich behaupten kann", bevor das Unternehmen an die Börse geht, meint Harrison Rolfes, Senior-Analyst bei PitchBook. Der ideale Zeitpunkt für den eigenen Börsengang sollte sich ohnehin nicht an OpenAIs Fahrplan orientieren, sondern an der eigenen Wettbewerbsfähigkeit und der Klärung offener regulatorischer Fragen - nur so lasse sich der Aktienkurs am tatsächlichen Vorsprung und nicht an der Reihenfolge festmachen, so Rolfes.

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Für OpenAI wäre eine Verzögerung nach Einschätzung von Rolfes dabei besonders schmerzhaft: Das Unternehmen habe am meisten zu verlieren, stehe schon heute unter Kapitaldruck und sei auf frisches Geld vom öffentlichen Markt angewiesen, um seine hohen Verluste zu finanzieren.

Szenario 3: OpenAI geht an die Börse, verfehlt aber die Billionen-Bewertung

Denkbar ist laut Morningstar auch, dass OpenAI den Schritt an die Börse nicht weiter aufschiebt, dabei aber zu einem moderateren Preis abschließt. CEO Sam Altman soll bei einem Börsengang eine Bewertung von einer Billion US-Dollar anstreben, was angesichts der Zweifel an der Profitabilität eine hohe Hürde darstellt.

Investoren sehen dem Bericht zufolge dennoch einen Weg für OpenAI, diese Marke später zu erreichen: So sieht David Yakobovitch, GP bei DataPower Capital, einem Investor von OpenAI, durchaus ein Szenario, in dem sich das Unternehmen zu einem Konzern vom Format eines Google, Apple, Microsoft oder Amazon entwickelt - und die aktuell hohen Ausgaben seien für ein Unternehmen in dieser Wachstumsphase nicht ungewöhnlich.

Was bedeutet das für Anleger?

Für Anleger läuft die Diskussion letztlich auf eine zentrale Erkenntnis hinaus: Der Zeitpunkt des OpenAI-Börsengangs ist derzeit Gegenstand von Abwägungen und Spekulationen, keine feststehende Tatsache - und er hat unmittelbare Folgen für den gesamten KI-Sektor an der Börse. Wer auf einen möglichst hohen Einstiegskurs bei OpenAI selbst spekuliert hat, muss einkalkulieren, dass sich das Zeitfenster bis 2027 verschieben könnte und die Billionen-Bewertung keineswegs garantiert ist. Gleichzeitig rückt dadurch Anthropic stärker in den Fokus: Sollte der Konkurrent tatsächlich zuerst an die Börse gehen, würde er die Vergleichsmaßstäbe für die gesamte Branche setzen - mit Signalwirkung auch für eine spätere OpenAI-Notierung.

Konkret heißt das für Anleger: Wer sich für ein Investment in die KI-Vorzeigeunternehmen interessiert, sollte die Nachrichtenlage zu beiden Kandidaten - OpenAI und Anthropic - parallel verfolgen, statt sich auf einen fixen Termin zu verlassen. Sinnvoll ist es zudem, sich schon jetzt mit den Kennzahlen auseinanderzusetzen, an denen sich der Erfolg eines KI-Börsengangs künftig messen lassen wird, etwa Bruttomargen, Cash-Verbrauch und Kundenwachstum im Firmenkundengeschäft. Wer bereits vor einer offiziellen Notierung Zugang zum Wachstumsthema KI sucht, kann alternativ auf Unternehmen ausweichen, die indirekt an OpenAI oder Anthropic beteiligt sind, etwa über bestehende Investorenbeziehungen. In jedem Fall gilt: Angesichts der Unsicherheit über Timing und Bewertung ist Geduld gefragt - und eine kritische Prüfung der Geschäftszahlen, sobald diese im Rahmen eines offiziellen Börsenprospekts öffentlich werden.

Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: JarTee / Shutterstock.com

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