KI-Boom

NVIDIA-Aktie im Fokus: BIZ warnt vor Überkapazitäten und wachsender Verschuldung im KI-Sektor


NVIDIA-Aktie im Fokus: BIZ warnt vor Überkapazitäten und wachsender Verschuldung im KI-Sektor

Die BIZ warnt vor Überkapazitäten bei Rechenzentren und Chips sowie einer steigenden Verschuldung großer Technologiekonzerne durch KI-Investitionen.

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•Fünf US-Hyperscaler planen 2025 und 2026 über eine Billion US-Dollar an KI-Investitionen
•Investitionen übersteigen Gewinne und Cashflow, mehr Fremdkapital wird aufgenommen
•Kreditrisikoprämien einzelner KI-Firmen steigen, Aktienbewertungen bleiben hoch

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Investitionsboom übertrifft Cashflows der Konzerne

Die BIZ verweist in ihrem Bericht darauf, dass die fünf größten US-Hyperscaler zwischen 2025 und 2026 zusammen mehr als eine Billion US-Dollar für Investitionen im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz aufwenden wollen. Diese Ausgaben würden mittlerweile die Erträge und den freien Cashflow der betroffenen Unternehmen übersteigen, was einige von ihnen dazu veranlasst habe, zusätzliches Fremdkapital aufzunehmen. Der Wettlauf um Marktanteile werde nach Einschätzung der BIZ teils durch die Erwartung angetrieben, dass am Ende nur wenige Anbieter mit überlegener Technologie den Markt dominieren würden. Dies erhöhe das Risiko, dass Unternehmen Mittel in Projekte mit noch unsicheren Erträgen überinvestieren, was alle Beteiligten gegenüber Enttäuschungen bei den tatsächlichen Erträgen aus KI-Anwendungen verwundbar mache. In einem ungünstigen Szenario könnte der wirtschaftliche Nettoüberschuss des gesamten Sektors demnach ins Negative drehen. Als Referenzgröße für das Ausmaß der Investitionen nennt die BIZ eine Projektion von NVIDIA-Chef Jensen Huang, wonach die jährlichen KI-Investitionen bis 2030 auf 3 bis 4 Billionen US-Dollar steigen könnten.

Engpässe bei Strom und Halbleitern als zusätzliches Risiko

Neben der Finanzierungsfrage sieht die BIZ auch auf der Angebotsseite Risiken für den weiteren Ausbau der KI-Infrastruktur. Der Bericht nennt wachsende Engpässe bei Stromversorgung, hochentwickelten Halbleitern und Netzausrüstung als Faktoren, die den Boom bremsen könnten. Die schnell steigende Nachfrage nach Rechenleistung setzt bereits Stromkosten und andere Inputpreise unter Druck, was mögliche Rückwirkungen auf die allgemeine Inflation haben kann. Zugleich könnten die aktuellen Kapazitätsengpässe eine zusätzliche Überinvestition begünstigen, da Unternehmen versuchen, sich künftige Kapazitäten über langfristige Verträge zu sichern und sich damit stärker möglichen Nachfrageenttäuschungen aussetzen. Die BIZ zieht historische Parallelen zu früheren Investitionswellen wie der Kanalbau-Euphorie der 1830er Jahre, der britischen Eisenbahn-Manie der 1840er Jahre, dem Elektrifizierungsboom der 1920er Jahre und dem Dotcom-Boom der späten 1990er Jahre. Allen diesen Episoden sei gemeinsam gewesen, dass ein echter technologischer Durchbruch mehr Kapital angezogen habe, als kommerzielle Erträge letztlich hätten rechtfertigen können, mit anschließenden Investitionsrückgängen und gesamtwirtschaftlichen Rezessionen.

Steigende Verschuldung und wachsende Verflechtungen im Finanzsystem

Die BIZ verweist zudem auf eine zunehmende Verschuldung im KI-Sektor sowie auf komplexe, teils intransparente Finanzierungsstrukturen zwischen Chipherstellern, Hyperscalern und KI-Laboren. Ein wiederkehrendes Muster sei die sogenannte zirkuläre Finanzierung, bei der Chiphersteller und Hyperscaler Beteiligungen an KI-Laboren oder Neocloud-Anbietern übernehmen, die sich im Gegenzug zu mehrjährigen Abnahmeverpflichtungen für Chips oder Rechenleistung verpflichten. Die Konditionen solcher Vereinbarungen seien häufig unzureichend offengelegt, wobei laut BIZ auch das Risiko bestehe, dass dieselben Vermögenswerte mehrfach verpfändet würden. Die Kreditrisikoprämien von KI-Unternehmen mit Investment-Grade-Rating seien seit Januar 2025 gestiegen, während Aktienbewertungen weiterhin sehr hohe langfristige Gewinnwachstumserwartungen einpreisten. Sollte sich der Optimismus rund um Künstliche Intelligenz umkehren, könnten nach Einschätzung der BIZ nicht nur die beteiligten Unternehmen selbst, sondern auch ihre Zulieferer aus den Bereichen Engineering, Beschaffung und Bau in finanzielle Schwierigkeiten geraten, da deren Bilanzen vergleichsweise schwach seien.

Jonas Vogt, Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Andrey Suslov / Shutterstock.com, Deemerwha studio / Shutterstock.com

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