KI-Partnerschaft

Kampfansage an NVIDIA: Microsoft stärkt AMD im KI-Rennen mit neuem Deal - Allianz mit Mistral AI - Aktien profitieren


Kampfansage an NVIDIA: Microsoft stärkt AMD im KI-Rennen mit neuem Deal - Allianz mit Mistral AI - Aktien profitieren

Microsoft setzt bei Azure künftig auf AMDs neues KI-Rack-System Helios. Ein wichtiger Erfolg für AMD im Wettbewerb mit Marktführer NVIDIA.

Werte in diesem Artikel
Aktien

460.80 EUR 10.80 EUR 2.4 %

348.95 EUR -3.15 EUR -0.89 %

180.60 EUR 2.92 EUR 1.64 %

  • Microsoft setzt künftig auf AMDs neues KI-Rack-System Helios
  • NVIDIA dominiert den Markt weiter
  • Finanzielle Details des Deals bleiben wie bei früheren Partnerschaften offen
Werbung

Microsoft bindet sein Cloud-Geschäft enger an AMD: Am Montag kündigte der Softwarekonzern an, das neue KI-Rack-System Helios von AMD künftig in großem Umfang für Azure einzusetzen, und schickte damit den Anteilsschein des Chipherstellers nach oben. Bis zum Handelsende legte die AMD-Aktie an der NASDAQ um 1,58 Prozent auf 503,57 US-Dollar zu, nachdem es im Handelsverlauf zeitweise sogar um bis zu 5,4 Prozent nach oben gegangen war. Aktien von Microsoft beendeten den Montagshandel daneben um 2,15 Prozent fester bei 402,29 US-Dollar. Vorbörslich zeigen sich die beiden Aktien uneinheitlich: Während es für das Papier von AMD um weitere 3,86 Prozent auf 523,00 US-Dollar rauf geht, geben die Anteilsscheine von Microsoft um 1,06 Prozent auf 398,03 US-Dollar nach.

Für AMD ist der Deal die bislang deutlichste Bestätigung, dass der jahrelange Aufholprozess gegenüber NVIDIA im Rechenzentrumsgeschäft nun auch bei einem der größten Cloud-Anbieter ankommt.

Was Microsoft und AMD konkret vereinbart haben

Herzstück der erweiterten Partnerschaft ist Helios, AMDs erstes komplettes Rack-System für KI-Rechenzentren. Es bündelt die Grafikbeschleuniger Instinct MI455X, die kommenden EPYC-Prozessoren der Generation Venice, die Netzwerktechnik Pensando sowie die Software-Plattform ROCm in einer offenen Architektur. Microsoft will Helios nach eigener Darstellung für die Inferenz besonders leistungsfähiger Frontier-Modelle einsetzen und führt dafür zwei neue virtuelle Maschinen-Reihen in Azure ein, HDv2 für agentenbasierte KI-Anwendungen und HXv2 für den Chipentwurf. Zusätzlich integrieren beide Konzerne AMDs Pensando-Netzwerktechnik in Azure Boost, um die Verarbeitungsleistung im Cloud-Netzwerk zu erhöhen. Die Auslieferung der ersten Racks an Microsoft und weitere Kunden soll in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 beginnen.

Werbung

AMDs Vorstoß gegen die Dominanz von NVIDIA

Der Schritt reiht sich in eine größere Aufholjagd ein. Nach Schätzungen der Marktforscher von Futurum Group, auf die CNBC verweist, hält AMD im Rechenzentrumsmarkt für Grafikprozessoren derzeit nur rund 4,5 Prozent Marktanteil, während NVIDIA auf mehr als 95 Prozent kommt. Laut der Nachrichtenseite hält Analyst Daniel Newman von der Futurum Group jedoch einen Sprung auf 20 bis 25 Prozent für realistisch, was nach seinen Worten einem Umsatzpotenzial in dreistelliger Milliardenhöhe entspräche.

Wie stark Analysten dabei auf neue Partnerschaften reagieren, zeigte bereits die im Februar 2026 bekannt gegebene Vereinbarung mit Meta: Jefferies bestätigte danach seine Kaufempfehlung für AMD. Mit Microsoft, Meta und Oracle als bestätigten Helios-Kunden wächst die Zahl der Cloud-Schwergewichte, die AMD inzwischen als zweite Bezugsquelle neben NVIDIA führen.

Wo die Euphorie zu kurz greift

Weder AMD noch Microsoft nannten in ihren Mitteilungen jedoch den finanziellen Umfang der Vereinbarung oder die Menge an tatsächlich bestellter Rechenleistung, ein Muster, das sich schon bei den Deals mit Meta und Oracle zeigte. Laut CNBC schätzt die Futurum Group die Kosten eines Helios-Racks auf 5 bis 5,5 Millionen US-Dollar, während das vergleichbare NVIDIA-System Vera Rubin mit 3,5 bis 4 Millionen US-Dollar veranschlagt wird. Ob sich der Aufpreis für Microsoft rechnet, hängt von Faktoren ab, die außerhalb der Mitteilung liegen, etwa der Energieeffizienz im Dauerbetrieb und der Reife der Software-Plattform ROCm gegenüber dem etablierten CUDA-Ökosystem von NVIDIA. Zudem bleibt Microsoft parallel einer der größten NVIDIA-Kunden überhaupt. Der Schritt liest sich damit eher als Diversifizierung der Bezugsquellen denn als Abkehr vom bislang unangefochtenen KI-Platzhirsch.

Werbung

Der nächste Prüfstein folgt nun bereits in den nächsten Tagen: Beim Branchentreffen Advancing AI am 23. Juli dürfte AMD weitere Details zu Kunden und Kapazitäten nachreichen, während Microsoft am 29. Juli seine Bilanz zum vierten Fiskalquartal vorlegt und damit zeigen kann, ob sich ähnliche Investitionen wie der Helios-Deal in den Wachstumsraten des Cloud-Geschäfts niederschlagen.

Milliarden-Deal: Microsoft und Mistral AI stärken Europas KI

Außerdem bauen Microsoft und das französische KI-Start-up Mistral AI bauen ihre strategische Allianz erheblich aus. Mit einer neuen Vereinbarung im Umfang von mehreren Milliarden Euro wollen die Partner die europäischen Infrastrukturkapazitäten für Künstliche Intelligenz spürbar erweitern und hochmoderne KI-Modelle in sensiblen Unternehmen sowie Behörden verankern. Eine exakte Summe nannten die beiden Tech-Unternehmen nicht.

Im Zentrum des Abkommens stehe eine erhebliche Ausweitung der Rechenkapazitäten in Europa, teilten die beiden Unternehmen mit. Microsoft verpflichtet sich, Teile der von Mistral ausgebauten europäischen Hardware-Infrastruktur direkt zu nutzen. Damit will der US-Konzern die enorm steigende Nachfrage nach Cloud- und KI-Diensten auf dem Kontinent bedienen und zugleich seine im Jahr 2025 abgegebenen Versprechen zur europäischen Digitalisierung einlösen.

Warum kooperiert Microsoft mit einem europäischen KI-Anbieter?

Sowohl europäische Unternehmen als auch öffentliche Institutionen stehen beim Einsatz US-amerikanischer KI-Lösungen häufig vor rechtlichen und regulatorischen Hürden. Die erweiterte Partnerschaft setzt genau an dieser Schwachstelle an: Durch die Integration von Mistrals europäischen KI-Modellen in Microsofts Produktportfolio erhalten Kunden flexible Bereitstellungsoptionen.

Anwendungen können künftig wahlweise in der öffentlichen Cloud, in lokal angebundenen Infrastrukturen oder völlig autark in physisch isolierten Systemen ("fully disconnected") betrieben werden. Dies richtet sich insbesondere an Betreiber kritischer Infrastrukturen, Banken, den Gesundheitssektor sowie die Fertigungsindustrie, in denen Datenschutz, Geschäftsgeheimnisse und Ausfallsicherheit oberste Priorität besitzen.

Neben der Infrastruktur ebnen die Partner auch auf Softwareebene den Weg für einen breiteren Einsatz in Unternehmen. Die neuen Flaggschiff-Modelle Mistral Medium 3.5 für kosteneffiziente Unternehmens-Anwendungen sowie OCR 4 für automatisierte Dokumentenverarbeitung stehen ab sofort in Microsofts Entwicklungsplattform bereit. Zudem hält Mistral Medium 3.5 Einzug in das Automatisierungswerkzeug Microsoft Copilot Studio. Die Lösungen wollen Mistral und Microsoft gemeinsam vermarkten.

Abhängigkeit von OpenAI reduzieren

Der Milliarden-Deal unterstreicht die Strategie von Microsoft, sich im Bereich der generativen KI nicht allein auf den US-Partner OpenAI zu verlassen, sondern auch andere Schlüsselspieler im globalen Ökosystem frühzeitig einzubinden. Für das Pariser KI-Aushängeschild Mistral wiederum bedeutet die Vertiefung der Allianz den direkten Zugang zum weltweiten Vertriebsnetzwerk von Microsoft, während der KI-Standort Europa nachhaltig gestärkt wird.

Carolin Ludwig, Bettina Schneider, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

Anzeige: Mit der finanzen.net zero App AMD mobil handeln, ab 0 Euro Ordergebühr.

Bildquellen: JHVEPhoto / Shutterstock.com, James Marvin Phelps / Shutterstock.com

Aktuelle NVIDIA Aktie News

Werbung

NVIDIA Analysen

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für NVIDIA nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
DatumRatingAnalyst
29.06.26 NVIDIA Outperform Bernstein Research
08.06.26 NVIDIA Outperform Bernstein Research
21.05.26 NVIDIA Kaufen DZ BANK
21.05.26 NVIDIA Buy UBS AG
21.05.26 NVIDIA Outperform RBC Capital Markets