Biogen und BioNTech vor wichtigen Studien: Welche Aktie hat mehr Potenzial?
JPMorgan sieht Biogen vor einem Katalysatorjahr und hebt das Kursziel kräftig an. Auch BioNTech steht vor Studiendaten, doch das Risikoprofil unterscheidet sich deutlich.
Werte in diesem Artikel
- JPMorgan stuft Biogen hoch und setzt auf Studiendaten bis Mitte 2027
- BioNTech schreibt Verluste, verfügt aber über 16,6 Milliarden Euro
- Bei beiden Konzernen stehen bis Ende 2026 wichtige Studienergebnisse an
JPMorgan hat Biogen am Montag von Neutral auf Overweight hochgestuft und das Kursziel von 210 auf 300 US-Dollar angehoben. Damit rückt ein Muster in den Blick, das der US-Konzern mit BioNTech teilt: Bei beiden Biotechwerten entscheiden in den kommenden Monaten Studiendaten mehr über die Kursrichtung als das laufende Geschäft. Die finanzielle Ausgangslage könnte dagegen kaum unterschiedlicher sein.
Biogen-Aktie: JPMorgan setzt auf die Pipeline
Analyst Chris Schott begründet die Hochstufung mit einer zunehmend überzeugenden Abfolge von Katalysatoren und besseren langfristigen Wachstumsaussichten. Biogen sei mehr als die Geschichte um das Alzheimerpräparat Leqembi. Als wichtigsten Wert der Pipeline sieht Schott Felzartamab gegen die antikörpervermittelte Abstoßung nach Nierentransplantationen, Daten der Phase 3 erwartet er in der ersten Jahreshälfte 2027. Schon für diese erste Indikation hält er Umsätze über den Markterwartungen für möglich. Früher fällt eine andere Entscheidung: Die Ergebnisse der beiden Studien der Phase 3 mit Litifilimab gegen systemischen Lupus stellt Biogen für das zweite Halbjahr in Aussicht. Diesen Teil der Pipeline stuft JPMorgan als riskanter ein.
Biogen und BioNTech: Gewinnbringer gegen Kassenpolster
Biogen verdient Geld, hat sich für das Wachstum aber verschuldet. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 3 Prozent auf rund 2,74 Milliarden US-Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie sank dagegen von 5,47 auf 3,60 US-Dollar. Belastet haben Sonderkosten im Zusammenhang mit Transaktionen, die Verwässerung durch die im Mai abgeschlossene Übernahme von Apellis und Investitionen in laufende Studien der Phase 3. Die Nettoverschuldung lag Ende Juni bei rund 6,8 Milliarden US-Dollar. Für 2026 peilt Biogen einen bereinigten Gewinn je Aktie von 12 bis 13 US-Dollar an, nach gut 15 US-Dollar im Jahr 2025. Ab 2027 soll Apellis den Gewinn je Aktie steigern statt ihn zu verwässern.
BioNTech steht spiegelbildlich da. Der Umsatz brach im zweiten Quartal auf knapp 106 Millionen Euro ein, nach rund 261 Millionen Euro im Vorjahresquartal, der Nettoverlust wuchs von knapp 387 auf rund 821 Millionen Euro. Anfang August senkte der Mainzer Konzern die Umsatzprognose für 2026 von 2,0 bis 2,3 auf 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro, vor allem wegen schwächerer Nachfrage nach Coronaimpfstoffen. Schulden spielen dagegen kaum eine Rolle: Ende Juni verfügte BioNTech über Barmittel und Wertpapiere von 16,6 Milliarden Euro, nach 17,2 Milliarden Euro zum Jahresende 2025. Trotz der Verluste kauft der Konzern bis Mai 2027 eigene Aktien für bis zu 1,0 Milliarden US-Dollar zurück.
BioNTech-Aktie: Bei der Bewertung hängt mehr an den Daten
Wie Biogen steuert auch BioNTech auf entscheidende Auswertungen zu. Die erste Zwischenanalyse aus dem zulassungsrelevanten zweiten Teil der Lungenkrebsstudie mit Gotistobart erwartet der Konzern 2026, die Hauptauswertung der Brustkrebsstudie mit Trastuzumab Pamirtecan im vierten Quartal 2026. Der Unterschied liegt im Gewicht: Bei Biogen treffen die Daten auf ein profitables Geschäft mit Milliardenumsätzen. BioNTech rechnet für 2026 dagegen noch mit keinen Erlösen aus Krebsmedikamenten, die Onkologiepipeline trägt damit fast die gesamte Bewertungsfantasie. Dass Rückschläge dazugehören, zeigte der 28. August, als BioNTech eine Studie der Phase 2 mit seinem individualisierten Krebsimpfstoff auf mRNA-Basis gegen Darmkrebs abbrach. Hinzu kommt ein Wechsel an der Spitze: Guido Oelkers übernimmt spätestens zum 1. Februar 2027 den Vorstandsvorsitz von Ugur Sahin.
Nächster Rückschlag für BioNTech mit mRNA-Krebsimmuntherapie-Kandidaten
BioNTech muss einen weiteren Rückschlag bei der Entwicklung eines möglichen Krebswirkstoffs verkraften. Der Krebsimmuntherapie-Kandidat BNT113 habe bei einem bestimmten Kopf- und Halskrebs in Kombination mit Pembrolizumab keine statistisch signifikante Verbesserung des Überlebens ohne ein Fortschreiten der Krankheit im Vergleich zu Pembrolizumab als Monotherapie gezeigt, teilten die Mainzer am Dienstag mit. Konkret geht es um eine Erstlinien-Behandlung für Patienten mit inoperablen, wiederkehrenden oder metastasierten Plattenepithel-Karzinomen im Kopf- und Halsbereich, die auch mit dem humanen Papillomavirus 16 infiziert sind. Die Studie wird aber bis zur Auswertung des zweiten dualen primären Endpunkts "Gesamtüberleben" fortgesetzt. Der Aktienkurs knickte im frühen US-Handel um 4,5 Prozent ein.
Erst Ende August hatte BioNTech eine Phase-II-Studie zu einem mRNA-Impfstoff zur Behandlung von Darmkrebs abgebrochen. Dabei wurde Autogene Cevumeran als Monotherapie an Darmkrebs-Hochrisikopatienten getestet, die bereits operiert wurden.
Biogen- und BioNTech-Aktien: Was Analysten ihnen zutrauen
Bei Biogen lässt sich die Bewertung am Gewinn messen, bei BioNTech fehlt dieser Maßstab, hier zählen Kassenbestand und Pipeline. Für BioNTech bestätigte Berenberg am 7. Oktober die Einstufung Buy mit einem Kursziel von 140 US-Dollar und verwies auf den Krebskongress ESMO, der am 23. Oktober in Madrid beginnt. Bank of America senkte am 9. Oktober das Kursziel von 122 auf 114 US-Dollar, beließ die Aktie aber auf Buy.
So reagieren die Biogen- und BioNTech-Aktien
Die Biogen-Aktie zeigt sich an der NASDAQ 0,35 Prozent tiefer bei 228,61 US-Dollar. Seit Januar hat der Anteilsschein bereits mehr als ein Drittel an Wert gewonnen.
BioNTech-Anleger haben unterdessen ein weniger erfolgreiches Jahr auszusitzen: YTD zeigt sich für die BioNTech-Aktie kaum Bewegung, auch wenn es am Dienstag aufgrund des Rückschlags mit den mRNA-Krebsimmuntherapie-Kandidaten deutliche 5,99 Prozent auf 90,10 US-Dollar nach unten geht.
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Claudia Stephan, Bettina Schneider, Julia Walter, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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Bildquellen: Biogen Inc, Thomas Lohnes/Getty Images
