QUALCOMM-Aktie bereits KI-Profiteur: CEO sieht KI-Agenten als Nachfolger klassischer Apps

KI-Agenten werden Apps ersetzen und die Art, wie Menschen mit Technologie interagieren, von Grund auf verändern. Der QUALCOMM-CEO untermauert diese These mit konkreten Produktplänen.
Werte in diesem Artikel
• CEO Amon sieht 2026 als "Jahr der Agenten", die klassische Apps ablösen werden
• QUALCOMM erzielte 10,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und das Autosegment wächst rasant
• Über 40 neue KI-Geräteklassen sind geplant und Cloud-Chips starten Ende 2026
Die QUALCOMM-Aktie hat in den vergangenen Monaten vom KI-Narrativ profitiert. Das Kursplus bleibt in diesem Jahr mit rund 30 Prozent verglichen mit anderen KI-Profiteuren aber überschaubar. Dabei hat das Unternehmen große Pläne, die auch dem Kurs auf die Beine helfen könnten.
"2026 ist das Jahr der Agenten"
QUALCOMM-Präsident und CEO Cristiano Amon hat die Transformation der Technologiebranche in den Mittelpunkt seiner öffentlichen Auftritte gerückt. In einem Interview mit dem US-Sender CNBC am 16. Juni 2026 erklärte Amon, KI-Agenten würden zur "neuen App": Statt durch einzelne Anwendungen zu navigieren, könnten Nutzer künftig einen Agenten ansprechen, der komplexe Aufgaben eigenständig übernimmt. Als Beispiel nannte Amon einen Agenten, der Banktransaktionen sofort abruft und aufbereitet, ohne dass der Nutzer manuell durch eine App suchen müsste. Amon zufolge entwickelt QUALCOMM derzeit über 40 neue KI-fähige Gerätekategorien, darunter Schmuck, Kopfhörer mit Kameras, Pins und Uhren. Anders als heutige Apps, die an bestimmte Betriebssysteme und Geräte gebunden sind, würden KI-Agenten plattformübergreifend agieren und Nutzer durch ihren Alltag begleiten.
Agentic AI als strategischer Kern
Im jüngsten Quartalsbericht von QUALCOMM machte CEO Cristiano Amon eine klare Ansage: Sogenannte "KI-Agenten" werden die Art und Weise, wie Menschen Smartphones und PCs nutzen, komplett auf den Kopf stellen. Für den Chipkonzern bedeutet diese Entwicklung vor allem eine riesige Geschäftsmöglichkeit. Laut Amon sind die derzeit genutzten Geräte schlicht nicht für die Zukunft gebaut. Moderne KI-Assistenten müssen permanent im Hintergrund laufen, in Echtzeit auf Sensor- oder Kameradaten reagieren und komplexe, mehrstufige Aufgaben selbstständig organisieren. Weil die aktuelle Technik an dieser Dauerlast scheitert, rechnet QUALCOMM in den kommenden Jahren mit einer riesigen Welle von Neuanschaffungen durch die Verbraucher, was den Markt für das Unternehmen massiv vergrößert.
Bei der Steuerung und Koordinierung dieser KI-Prozesse wird vor allem der Hauptprozessor gefordert. Hier sieht sich QUALCOMM mit seiner Snapdragon-Architektur bestens aufgestellt. Wie konkret diese Zukunft bereits ist, zeigt laut Amon der Blick auf den aktuellen Top-Chip Snapdragon X2, auf dem moderne KI-Anwendungen wie Claude Desktop oder OpenClaw schon heute problemlos laufen. Wohin die Reise geht, hatte QUALCOMM bereits Anfang des Jahres auf der Technikmesse CES angedeutet: weg von klassischen Apps und hin zu einer völlig neuen Benutzeroberfläche. Dort übernimmt ein digitaler Assistent, der stellvertretend für den Nutzer sieht, hört und handelt - eine Vision, die QUALCOMM nun zur festen Produktstrategie macht.
Zahlen und Ausblick: Automotive wächst, Smartphones unter Druck
QUALCOMM hat im zweiten Geschäftsquartal 2026 starke Zahlen vorgelegt: Mit einem Gesamtumsatz von 10,6 Milliarden US-Dollar und einem bereinigten Gewinn von 2,65 US-Dollar je Aktie landete der Chipkonzern am oberen Ende seiner eigenen Erwartungen. Ein echter Wachstumsmotor war dabei das Autogeschäft. Die Sparte QCT Automotive verbuchte mit 1,3 Milliarden US-Dollar Umsatz das vierte Rekordquartal in Folge und legte im Vergleich zum Vorjahr um satte 38 Prozent zu. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr hat das Autosegment damit erstmals die Marke von 5 Milliarden US-Dollar geknackt. Bis Ende 2026 rechnet CEO Cristiano Amon hier sogar mit einer hochgerechneten Jahresrate von über 6 Milliarden US-Dollar.
Weniger rund lief es dagegen im Smartphone-Geschäft. Weil chinesische Hersteller ihre Lagerbestände abbauten und es Engpässe bei Speicherbauteilen gab, gerieten die Chip-Umsätze für Handys unter Druck. Das Unternehmen geht jedoch davon aus, dass die Talsohle im dritten Quartal 2026 durchschritten wird. Für dieses dritte Vierteljahr prognostiziert QUALCOMM einen Gesamtumsatz zwischen 9,2 und 10 Milliarden US-Dollar.
Neue Impulse soll bald der Rechenzentrums-Bereich liefern. Finanzchef Akash Palkhiwala kündigte an, dass noch im Dezemberquartal 2026 die ersten maßgeschneiderten Chips an einen großen Cloud-Riesen ausgeliefert werden sollen. Dieses Geschäft verspricht für QUALCOMM besonders profitabel zu werden und soll die Gewinnmargen ankurbeln.
Jonas Vogt, Redaktion finanzen.net
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