Der größte KI-ETF Europas hat 8 Milliarden Euro eingesammelt, doch NVIDIA ist nur auf Platz sechs

Der mit Abstand größte KI-ETF für europäische Anleger, doch an seiner Spitze stehen nicht NVIDIA oder AMD, sondern drei Speicherchiphersteller, und in den Top-10 sitzt sogar eine Bank.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- 87 Unternehmen aus aller Welt, die von künstlicher Intelligenz, Big Data oder Cybersicherheit profitieren, und trotzdem dominieren nicht die üblichen Namen die Spitze.
- Die drei schwersten Positionen sind allesamt Speicherchiphersteller, und ein Blick auf ihre jüngsten Meldungen zeigt, warum Speicher gerade das eigentliche Nadelöhr der KI-Revolution ist.
- Andere KI-ETFs haben im gleichen Zeitraum mehr Rendite geliefert, dafür aber auch stärker geschwankt, was die Frage aufwirft, welcher Ansatz besser zum eigenen Risikoprofil passt.
Künstliche Intelligenz ist der Megatrend dieser Jahre, und wer über einen ETF daran teilhaben will, stößt auf eine inzwischen unübersichtliche Auswahl. Der Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data UCITS ETF ist mit rund 8 Milliarden Euro Fondsvolumen der mit Abstand größte KI-ETF, den europäische Anleger direkt besparen können, und zugleich der einzige, der den Nasdaq Global Artificial Intelligence and Big Data Index nachbildet. Dieser Alleinstellungsstatus macht ihn zur ersten Adresse für viele Sparpläne, doch wer in den Fonds hineinschaut, findet nicht das, was er vielleicht erwartet.
87 KI-Profiteure, ein exklusiver Index und 0,35 Prozent Kosten
Der Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data UCITS ETF 1C bildet den Nasdaq Global Artificial Intelligence and Big Data Index ab, einen Index, der Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern auswählt, die ein wesentliches Engagement in den Bereichen künstliche Intelligenz, Datenverarbeitung oder Cybersicherheit aufweisen. Die Auswahl trifft ein KI-gestütztes Klassifikationsverfahren, das nicht nur Hersteller von KI-Technologie, sondern auch deren größte Anwender einbezieht. Gewichtet wird nach Marktkapitalisierung mit einer Obergrenze von 4,5 Prozent je Einzeltitel, überprüft wird halbjährlich. Ein ESG-Filter schließt kontroverse Geschäftsfelder aus. Aktuell enthält der Index 87 Positionen.
Die laufenden Kosten betragen 0,35 Prozent pro Jahr. Im Vergleichsfeld der europäischen KI-ETFs ist das günstig: Der L&G Artificial Intelligence kostet 0,49 Prozent, der WisdomTree AI 0,40 Prozent, und aktiv gemanagte Produkte wie der iShares AI Innovation Active UCITS ETF verlangen sogar 0,73 Prozent. Die physische Vollreplikation sorgt dafür, dass alle 87 Indexwerte tatsächlich im Bestand liegen. Erträge werden thesauriert. Der ETF wurde im Januar 2019 aufgelegt und bringt damit über sieben Jahre Börsengeschichte mit, inklusive des KI-Winters 2022 mit einem Verlust von über 30 Prozent.
Der KI-Boom 2026: Milliarden fließen, doch die Risiken wachsen mit
Wer diesen ETF kauft, wettet auf die Breite des KI-Ökosystems. Und das Ökosystem wächst in atemberaubendem Tempo. Die Investitionen der großen Technologiekonzerne in KI-Infrastruktur erreichen nach Schätzungen mehrerer Analysehäuser im Jahr 2026 die Marke von 650 Milliarden US-Dollar. Die Nachfrage nach Speicherchips, Rechenbeschleunigern und Dateninfrastruktur übersteigt das Angebot, und der Wandel von KI-Trainingsmodellen hin zu agentischer KI, die in Echtzeit auf Nutzeranfragen reagiert, treibt den Bedarf an Speicher und Rechenleistung zusätzlich nach oben. Das erklärt, warum gerade die Speicherhersteller in diesem ETF so schwer wiegen.
Die Kehrseite gehört dazu. Die Bewertungen vieler KI-Werte haben nach zwei Jahren explosiven Wachstums ein Niveau erreicht, das wenig Spielraum für Enttäuschungen lässt. Ein Rückgang der KI-Investitionsausgaben, sei es durch konjunkturelle Abkühlung, regulatorische Eingriffe oder schlicht enttäuschende Monetarisierung, würde den gesamten Sektor treffen. Die Technologiedominanz von fast 69 Prozent im ETF verstärkt jeden Stimmungsumschwung, wie der KI-Winter 2022 mit einem Verlust von über 30 Prozent gezeigt hat. Hinzu kommt ein Wettbewerbsrisiko: Die KI-Landschaft verändert sich schnell, und die heutigen Gewinner müssen nicht die von morgen sein.
Samsung, Micron und SK Hynix: drei Speicherriesen und das Nadelöhr der KI
Die zehn größten Positionen stellen zusammen 49,78 Prozent. Bei 87 Titeln ist das eine erhebliche Konzentration. Auffällig ist, was an der Spitze steht und was dort fehlt. Kein Chiphersteller im engeren Sinn wie AMD und auch kein reiner Softwarekonzern, sondern drei Speicherchipunternehmen. NVIDIA, das in der öffentlichen Wahrnehmung als Inbegriff des KI-Booms gilt, landet erst auf Rang sechs mit 4,58 Prozent.
Größte Position ist dagegen Samsung Electronics mit 7,49 Prozent. Dass dieser Wert die Indexobergrenze von 4,5 Prozent überschreitet, liegt daran, dass sich die Gewichte zwischen den halbjährlichen Überprüfungsterminen mit den Börsenkursen verschieben. Samsung liefert nicht nur die Speicherchips für KI-Rechenzentren, sondern treibt die KI-Technologie inzwischen bis in die Hosentasche. Am 23. Juni 2026 stellte der Konzern den branchenweit schnellsten mobilen Speicher nach dem neuen UFS-5.0-Standard vor, der mit einer Übertragungsrate von 10,8 Gigabyte pro Sekunde die nächste Generation von KI-Anwendungen direkt auf dem Smartphone ermöglichen soll, von großen Sprachmodellen bis zur lokalen Bilderkennung. Der Schritt zeigt, dass die KI-Revolution nicht nur in der Cloud stattfindet, sondern zunehmend am Rand des Netzwerks, auf den Geräten der Nutzer.
Auf Rang zwei folgt Micron Technology mit 5,98 Prozent. Der US-Konzern ist nach Samsung und SK Hynix der drittgrößte Speicherchiphersteller der Welt und ein zentraler Lieferant von DRAM, NAND und hochbandbreitigem Speicher (HBM) für KI-Server. Am 22. Juni 2026 gab Micron ein strategisches Abkommen mit dem KI-Unternehmen Anthropic bekannt. Die Vereinbarung umfasst die gemeinsame Entwicklung von Speicher- und Storage-Architekturen für KI-Infrastruktur, einen mehrjährigen Liefervertrag, den Einsatz von Anthropics KI-Modellen in Microns eigenen Arbeitsabläufen sowie eine Beteiligung an Anthropics jüngster Finanzierungsrunde. Das Abkommen illustriert einen neuen Trend: Die Hersteller von KI-Modellen und die Hersteller der zugrunde liegenden Hardware rücken immer enger zusammen, weil die Leistungsfähigkeit von Speicher und Storage darüber mitentscheidet, wie effizient ein KI-Modell trainiert und betrieben werden kann.
Den dritten Platz belegt SK Hynix mit 5,38 Prozent. Der südkoreanische Konzern dominiert mit einem geschätzten Marktanteil von rund 61 Prozent den globalen Markt für hochbandbreitigen Speicher, der als Schlüsselkomponente in KI-Beschleunigern gilt. Am 8. Juni 2026 gaben SK Hynix und NVIDIA eine mehrjährige Technologiepartnerschaft bekannt: SK Hynix wird die nächste Speichergeneration entlang der KI-Roadmap von NVIDIA entwickeln und den globalen Ausbau von KI-Rechenzentren beliefern. Dass alle drei Spitzenpositionen des ETFs Speicherchiphersteller sind, ist die vielleicht wichtigste Botschaft für Anleger: Nicht der Prozessor allein macht die KI, sondern das Zusammenspiel mit dem Speicher, und genau dort fließen gerade die Milliarden. Bank of America auf Rang zehn mit 3,92 Prozent wirkt dagegen zunächst deplatziert, erklärt sich aber durch die breite Indexdefinition, die auch Unternehmen erfasst, die KI in großem Umfang zur Datenauswertung, Kreditvergabe und Betrugserkennung einsetzen.
Wer sich wundert, warum AMD, der direkte NVIDIA-Konkurrent bei KI-Beschleunigern, nicht in den Top-10 auftaucht, obwohl er bei den beiden größten Konkurrenz-ETFs von L&G und WisdomTree die Spitze anführt: Das liegt an der unterschiedlichen Indexphilosophie. Der Nasdaq-Index gewichtet das gesamte KI-Ökosystem, also Hersteller, Anwender und Infrastruktur, nach Marktkapitalisierung mit einer 4,5-Prozent-Kappe und gibt dem Bereich Daten und Speicher ein höheres Gewicht. Die Indizes von L&G und WisdomTree setzen dagegen stärker auf die reine KI-Rechenleistung, weshalb Chipdesigner wie AMD dort schwerer wiegen. AMD ist im Xtrackers-ETF enthalten, nur eben mit einem geringeren Gewicht als bei den Konkurrenten.
69 Prozent Technologie, 73 Prozent USA, und ein Dreiervergleich
Die Branchenaufteilung bestätigt den Technologiefokus: 68,59 Prozent Technologie, gefolgt von Telekommunikation mit 13,61 Prozent und Finanzdienstleistungen mit 5,18 Prozent. Regional führen die USA mit 72,95 Prozent, vor Südkorea mit 13,30 Prozent. Der hohe Südkorea-Anteil erklärt sich unmittelbar aus Samsung und SK Hynix.
Bei der Wertentwicklung lohnt sich der direkte Vergleich mit den beiden nach Fondsvolumen nächstgrößten KI-ETFs. Im laufenden Jahr kommt der Xtrackers-ETF auf rund 36 Prozent, der L&G Artificial Intelligence auf 40 Prozent und der WisdomTree AI auf 47 Prozent. Auf Jahressicht: 55 Prozent (Xtrackers), 68 Prozent (L&G) und 77 Prozent (WisdomTree). Über drei Jahre dagegen führt der Xtrackers mit 146 Prozent kumuliert vor dem L&G mit 137 Prozent und dem WisdomTree mit 119 Prozent. Das Bild ist also nicht eindeutig: In der jüngsten KI-Euphorie profitieren die stärker auf KI-Rechenleistung fokussierten Konkurrenten mehr, über längere Zeiträume hat sich der breitere Ansatz des Xtrackers bisher bezahlt gemacht.
Beim Risiko zeigt sich der Vorteil des breiteren Ansatzes deutlicher. Die Volatilität des Xtrackers-Fonds lag über ein Jahr bei 19,48 Prozent, beim L&G bei 25,23 Prozent und beim WisdomTree bei 25,90 Prozent. Der maximale Rückschlag über fünf Jahre betrug beim Xtrackers 33,32 Prozent, beim L&G 42,88 Prozent und beim WisdomTree 39,76 Prozent. Der Xtrackers ist also der schwankungsärmste der drei, weil die breitere Indexdefinition (inklusive KI-Anwender wie Banken und Telekommunikation) die Ausschläge glättet. Das Rendite-Risiko-Verhältnis über drei Jahre bestätigt das: 1,73 beim Xtrackers gegenüber 1,33 (L&G) und 1,11 (WisdomTree).
Für wen sich der KI-ETF eignet
Der Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data ETF eignet sich für Anleger, die breit und vergleichsweise kostengünstig am KI-Megatrend teilhaben wollen und einen ETF bevorzugen, der nicht nur die KI-Chipdesigner, sondern das gesamte Ökosystem aus Speicher, Infrastruktur, Software und Anwendern abdeckt. Gegenüber der Einzelaktie bietet er die Streuung über 87 Titel und die Sicherheit, nicht alles auf einen Namen setzen zu müssen. Gegenüber den KI-Konkurrenz-ETFs punktet er mit niedrigeren Kosten, geringerer Schwankung und einem besseren Drei-Jahres-Rendite-Risiko-Verhältnis, gibt dafür in den heißesten Phasen der KI-Rally Rendite ab. Als Grundbaustein ist er nicht gedacht, denn fast 69 Prozent Technologie und 73 Prozent USA sind ein ausgeprägtes Klumpenrisiko, gerade in Kombination mit einem klassischen MSCI-World-ETF. Als gezielte KI-Beimischung zu einem breiten Weltportfolio ist er dagegen die größte, liquideste und am breitesten aufgestellte Option am europäischen Markt.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net).
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Themen-ETFs unterliegen erhöhten Kursschwankungen und Klumpenrisiken, zwischenzeitliche Verluste von über 30 Prozent sind bei diesem Fonds historisch belegt.
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| 19.12.2018 | Micron Technology Sector Perform | RBC Capital Markets |
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| 10.06.2011 | Micron Technology sell | Goldman Sachs Group Inc. | |
| 09.12.2008 | Micron Technology Neueinschätzung | Goldman Sachs Group Inc. | |
| 29.09.2008 | Micron Technology Ersteinschätzung | JMP Securities LLC | |
| 04.04.2008 | Micron Technology below average | Caris & Company, Inc. |
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