Unter Trump gewann dieser S&P-500-ETF 13 Prozent in sechs Wochen, doch Goldman Sachs warnt vor dem, was jetzt kommt

Fünfhundert der größten US-Konzerne, fast 38 Prozent Technologie und NVIDIA an der Spitze. Dieser ETF spiegelt den Puls der US-Wirtschaft wie kein anderer. 2026 lief er stark, doch das Umfeld ist kompliziert.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- 500 US-Unternehmen, fast 38 Prozent Technologie und eine Handvoll Konzerne, die gerade dabei sind, die weltweite KI-Infrastruktur in US-Boden zu gießen.
- 2026 startete turbulent, und der S&P 500 legte nach einem Einbruch um fast 20 Prozent im Frühjahr 13 Prozent in sechs Wochen zu: was hinter dieser Achterbahn steckt und warum Goldman Sachs trotzdem eine klare Botschaft für die zweite Jahreshälfte hat.
- Günstigster Swap-ETF auf den S&P 500, stärker als der Welt-ETF über fast alle Zeiträume, aber mit einer Konzentration, die man kennen sollte.
Wer in die 500 größten börsennotierten Unternehmen der Vereinigten Staaten investieren will, hat viele Möglichkeiten. Der Amundi Core S&P 500 Swap UCITS ETF gehört mit einem Fondsvolumen von rund 15,7 Milliarden Euro zu den größten S&P-500-ETFs in Europa und ist mit 0,05 Prozent laufenden Kosten der günstigste unter den Swap-basierten Varianten. Im Wettbewerb der großen Anbieter kostet nur der SPDR weniger (0,03 Prozent), nutzt jedoch vollständige physische Replikation statt eines Tauschvertrags. Wer in diesen ETF investiert, kauft nicht einzelne Unternehmen, sondern eine Wette auf das gesamte Wirtschaftssystem der USA, mit allem, was dazugehört: dem KI-Boom, der Trump-Politik, den Zöllen, der Inflation und dem Versprechen, dass die Gewinne der größten US-Konzerne weiter steigen.
503 Positionen, 0,05 Prozent Kosten, Swap statt Aktien
Der Amundi Core S&P 500 Swap UCITS ETF Acc bildet den S&P 500 ab, den meistbeachteten Aktienindex der Welt. Er umfasst die 500 nach Free-Float-Marktkapitalisierung größten US-Unternehmen, derzeit resultieren hieraus aufgrund unterschiedlicher Aktiengattungen 503 Positionen. Gewichtet wird nach Börsenwert, die Überprüfung erfolgt vierteljährlich. Erträge werden thesauriert.
Umgesetzt wird die Indexabbildung synthetisch über einen unfunded Swap. Der Fonds hält also kein Körbchen aus US-Aktien, sondern vereinbart mit einer Gegenpartei, die exakte Indexrendite zu liefern, abgesichert durch ein Wertpapierkörbchen als Sicherheit. Das sichert eine sehr genaue Indexabbildung und vermeidet Quellensteuerprobleme auf US-Dividenden, birgt aber das bereits erwähnte Gegenparteirisiko, das durch UCITS-Regeln begrenzt wird. Die laufenden Kosten betragen 0,05 Prozent pro Jahr. Im Vergleichsfeld der großen S&P-500-ETFs ist das günstig: Der iShares Core S&P 500 (129 Mrd. Euro Fondsvolumen, physisch) und die Vanguard-Varianten kosten 0,07 Prozent, der Invesco-Swap-ETF ist mit 0,05 Prozent gleich günstig. Aufgelegt wurde der Amundi-ETF im Dezember 2014, er bringt damit über elf Jahre Börsengeschichte mit.
Der S&P 500 unter Trump: Achterbahn, Rekordhoch und ein Fragezeichen für den Herbst
Wer einen S&P-500-ETF kauft, kauft zwangsläufig auch die politische Großwetterlage der USA. 2026 war bisher ein Lehrstück in Marktpsychologie. Das Jahr begann mit einem der gefürchtetsten Ereignisse der Finanzgeschichte: Als Präsident Donald Trump am so genannten Liberation Day im April weitreichende Zölle ankündigte, brach der S&P 500 innerhalb weniger Tage um knapp 20 Prozent ein, so tief wie seit dem Corona-Crash 2020 nicht mehr. Danach folgte eine ebenso verblüffende Erholung: Angetrieben von einer De-Eskalation bei den Zöllen, weiter starken Unternehmensgewinnen und dem anhaltenden KI-Investitionsboom legte der Index von seinen Tiefs aus in sechs Wochen gut 13 Prozent zu. Wer in der Panik nicht verkaufte, sitzt heute auf einem Plus von fast 13 Prozent im laufenden Jahr.
Was treibt den Markt in einem Umfeld, das politisch unruhiger kaum sein könnte? Die Antwort liegt in den Unternehmensgewinnen. S&P-500-Konzerne steigerten ihre Umsätze im ersten Quartal 2026 um 11,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Gewinne um 28 Prozent, weit mehr als Analysten erwartet hatten. Das Fundament ist also stärker, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Rund 40 bis 50 Prozent dieses Gewinnwachstums ist laut Goldman Sachs auf den KI-Investitionsboom zurückzuführen: Die großen Technologiekonzerne und ihre Zulieferer profitieren von Kapitalausgaben der Hyperscaler in Höhe von über 750 Milliarden US-Dollar allein in diesem Jahr.
Goldman Sachs Research hat sein S&P-500-Jahresendziel zuletzt auf 8.000 Punkte angehoben und erwartet einen weiteren Anstieg um rund 6 Prozent. Gleichzeitig warnt die Investmentbank vor zwei Risiken, die für die zweite Jahreshälfte relevant sind. Erstens läuft im Juli das temporäre Zoll-Moratorium von 10 Prozent aus, und Präsident Trump hat neue Zölle angekündigt, die erneut für Volatilität sorgen könnten. Zweitens ist die Marktbreite gering: Laut Charles Schwab haben nur rund 17 Prozent der S&P-500-Mitglieder im vergangenen Monat den Index übertroffen, eines der niedrigsten Werte seit einem Jahrzehnt. Das bedeutet: Die Rally hängt an wenigen Namen, und wenn diese ins Straucheln geraten, könnte der breite Markt empfindlich reagieren. Hinzu kommen eine weiterhin hartnäckige Inflation, die Zinssenkungen auf Eis gelegt hat, und ein Nahost-Konflikt, der die Energiepreise treibt. Der S&P 500 ist derzeit mit einem KGV von rund 21 bewertet, einem der höchsten Werte der vergangenen vier Jahrzehnte, was den Spielraum für Enttäuschungen einengt.
NVIDIA, Apple und Microsoft: die KI-Infrastruktur der USA in drei Positionen
Die zehn größten Positionen stellen zusammen 39,22 Prozent. Bei 503 Titeln ist das eine erhebliche Konzentration, vergleichbar mit dem MSCI World, doch der Unterschied liegt im Detail: Im MSCI World sind es rund 1.400 Titel, im S&P 500 nur 503, was die Abhängigkeit von den Schwergewichten strukturell höher macht.
Die größte Einzelposition ist NVIDIA mit 8,03 Prozent, so hoch wie kein anderer Einzelwert in einem breiten Index. Damit liegt fast jeder zwölfte im ETF investierte Euro in einem einzigen Halbleiterkonzern. Am 23. Juni 2026 gaben NVIDIA und Amazon Web Services eine vertiefte Zusammenarbeit bekannt. Über neue EC2-G7-Instanzen, angetrieben von NVIDIA RTX PRO 4500 Blackwell-Chips, erhalten US-Unternehmen Zugang zu bis zu 4,6-facher KI-Inferenzleistung gegenüber der Vorgängergeneration, direkt über die AWS-Cloud, ohne eigene Hardwareinvestitionen. Zusätzlich erreichte AWS den NVIDIA-Exemplar-Cloud-Status für GB300-Trainingsworkloads, was bedeutet: Wer auf AWS trainiert, kann sicher sein, die Referenzarchitektur von NVIDIA zu nutzen. Die Partnerschaft zeigt, wie tief NVIDIA mit der US-Cloud-Infrastruktur verflochten ist, und warum das Unternehmen sein Gewicht im S&P 500 so schnell aufgebaut hat.
Auf Rang zwei folgt Apple mit 7,08 Prozent. Der Konzern betreibt mit iPhone, Mac, iPad, App Store, iCloud und Apple Pay eines der profitabelsten Ökosysteme der Welt. Am 9. Juni 2026 kündigte Apple ein umfangreiches Update seiner Services-Plattform an, das mit den Herbst-Releases seiner 2027-Software-Generation kommt. Zu den neuen Funktionen zählen eine KI-gestützte Flyover-Ansicht in Apple Maps für Städte weltweit, lokale Empfehlungslisten, flexible Standortfreigabe in Find My und die Möglichkeit, Rechnungen über Apple Cash per visueller Erkennung zu teilen. Der gemeinsame Nenner: Apple webt seinen KI-Assistenten Apple Intelligence immer tiefer in täglich genutzte Dienste ein, mit dem Ziel, hunderte Millionen US-Nutzer stärker an wiederkehrende, hochmargige Abonnements zu binden.
Den dritten Platz belegt Microsoft mit 4,89 Prozent. Am 23. Juni 2026 meldete der Konzern die Fertigstellung seines ersten Rechenzentrums in Mount Pleasant, Wisconsin. Das Fairwater-Rechenzentrum ist nun vollständig in Betrieb und beschäftigt rund 550 Vollzeitmitarbeiter. Brad Smith, Vizepräsident von Microsoft, bezeichnete es als "weltgrößten Supercomputer". Das Rechenzentrum wurde vor dem ursprünglichen Zeitplan fertiggestellt, von knapp 10.000 Bauarbeitern errichtet und auf einem Gelände gebaut, das ursprünglich für einen Foxconn-Komplex vorgesehen war, der nie realisiert wurde. Die Gesamtinvestition in Wisconsin beläuft sich auf 7,3 Milliarden US-Dollar, ein zweites benachbartes Rechenzentrum befindet sich im Bau. Die Meldung illustriert, was den S&P 500 gerade antreibt: Die USA bauen in einem Tempo KI-Infrastruktur auf, das in diesem Ausmaß historisch beispiellos ist, und die größten Profiteure sitzen alle im Index.
Fast 38 Prozent Technologie, 100 Prozent USA, und ein deutlicher Vorsprung vor dem Welt-ETF
Die Sektoraufteilung macht den Charakter des Fonds deutlich. Die Informationstechnologie führt mit 37,94 Prozent, gefolgt von Finanzwesen mit 11,26 Prozent, Kommunikationsdiensten (darunter Alphabet und Meta) mit 10,59 Prozent und zyklischem Konsum mit 9,86 Prozent. Technologie ist damit fast viermal so stark gewichtet wie im Europa-Vergleichsindex STOXX Europe 600 (rund 8 Prozent). Regional entfallen definitionsgemäß 100 Prozent auf die USA.
Die Wertentwicklung spricht für sich. Auf Jahressicht weist justETF ein Plus von 26,25 Prozent aus, über drei Jahre kumuliert 70,11 Prozent, über fünf Jahre 95,65 Prozent und seit Auflage im Dezember 2014 rund 375,50 Prozent. Im Vergleich zum Amundi MSCI World Swap: Auf Jahressicht 26,25 versus 24,74 Prozent, über drei Jahre 70 versus 63 Prozent, über fünf Jahre 96 versus 78 Prozent. In drei der vier letzten Kalenderjahre war der S&P 500 dem Welt-ETF überlegen, nur 2022 war das Minus mit 12,85 Prozent marginal kleiner als beim Weltindex.
Beim Risiko zeigt sich die Kehrseite. Die Volatilität lag über ein Jahr bei 12,59 Prozent, über drei Jahre bei 15,71 Prozent und über fünf Jahre bei 17,14 Prozent, etwas höher als beim MSCI World (10,48, 12,76 und 13,95 Prozent). Der maximale Rückschlag über fünf Jahre betrug 22,39 Prozent, seit Auflage 33,60 Prozent. Ein US-only-Portfolio schwankt strukturell stärker als ein Weltindex, weil regionale Diversifikation fehlt. Das Rendite-Risiko-Verhältnis über ein Jahr liegt bei 2,09, über drei Jahre bei 1,23 und über fünf Jahre bei 0,84.
Für wen sich der S&P-500-ETF eignet
Der Amundi Core S&P 500 Swap eignet sich für langfristig orientierte Anleger, die kostengünstig und breit an der Wertentwicklung der größten US-Unternehmen teilhaben wollen und dafür eine ausgeprägte Konzentration auf die USA und die Technologiebranche in Kauf nehmen. Als Ergänzung zu einem Welt-ETF, der die USA mit rund 68 Prozent bereits stark gewichtet, verstärkt er das US-Exposure erheblich. Als alleiniger Baustein bedeutet er: kein Europa, kein Japan, keine Schwellenländer, kein direktes Gegenwicht zum dominierenden Trend. Wer das weiß und es bewusst will, findet hier eine der kostengünstigsten und liquidesten Möglichkeiten, auf die US-Wirtschaft zu setzen. Die Swap-Struktur ist für die meisten Anleger kein Problem, sollte aber bekannt sein.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net).
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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