HANetf Future of Defence ETF: 60 Rüstungswerte, zwei Jahre Kursexplosion und jetzt?

In den Kalenderjahren 2024 und 2025 schlug der Rüstungs-ETF den MSCI World deutlich. Seit einigen Monaten dreht sich das Bild, obwohl die Auftragsbücher voller sind als je zuvor.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- 60 Rüstungswerte aus NATO- und Partnerländern in einem ETF, der in zwei Kalenderjahren jeweils über 37 Prozent zulegte und den breiten Weltmarkt weit hinter sich ließ.
- An der Spitze drei europäische Verteidigungskonzerne, deren jüngste Meldungen von der Rüstungsmesse Eurosatory zeigen, wie tief die Auftragsbücher reichen.
- Warum der ETF trotzdem zuletzt hinter den MSCI World zurückfiel, was das über das Risiko einer Branchenwette verrät und ob der Rüstungszyklus damit vorbei ist.
Wenige Themen haben in den vergangenen zwei Jahren so viel Geld angezogen wie die Rüstungsindustrie. Der HANetf Future of Defence UCITS ETF bündelt 60 Unternehmen aus NATO- und Partnerstaaten, die Panzer, Drohnen, Munition, Cyberabwehr oder Radarsysteme liefern. Zwischen seiner Auflage im Juli 2023 und Ende 2025 vervielfachte sich der Kurs, getragen von steigenden Verteidigungsbudgets und einem geopolitischen Umfeld, das die Branche in den Fokus rückte. 2026 kam dann die Ernüchterung: Während der breite Weltmarkt dank Technologieriesen wieder zulegte, konsolidierte der Rüstungssektor. Genau diese Doppelgesichtigkeit macht den Fonds zum Lehrstück dafür, was eine Branchenwette leisten kann und wo ihre Grenzen liegen.
Ein NATO-Korb mit 60 Rüstungswerten und 0,49 Prozent Kosten
Der HANetf Future of Defence UCITS ETF bildet den EQM Future of Defence Index ab, einen regelbasierten Korb aus 60 Unternehmen, die mehr als die Hälfte ihres Umsatzes in verteidigungsrelevanten Bereichen erzielen und ihren Sitz in NATO- oder Partnerstaaten haben. Gewichtet wird nach einer modifizierten Marktkapitalisierung mit einer Kappung je Titel, damit einzelne Schwergewichte den Fonds nicht dominieren. Die Zusammensetzung wird regelmäßig überprüft und angepasst.
Die laufenden Kosten betragen 0,49 Prozent pro Jahr, im Feld der Rüstungs-ETFs ein mittlerer Wert. Der Fonds thesauriert, schüttet also nicht aus. Mit rund 2,78 Milliarden Euro Fondsvolumen hat er sich seit seiner Auflage im Juli 2023 in kurzer Zeit zu einem der größten Rüstungs-ETFs am europäischen Markt entwickelt. Die physische Replikation bedeutet, dass die Aktien tatsächlich im Bestand liegen.
Rüstungszyklus 2026: Die Rally pausiert, die Auftragsbücher nicht
Wer diesen ETF kauft, kauft eine gesamte Branche, deshalb muss man ihre Lage verstehen. Die europäische Rüstungsindustrie hat gerade zwei außergewöhnliche Jahre hinter sich. Der Ukraine-Krieg, die NATO-Verpflichtung auf mindestens 2 Prozent des BIP als Verteidigungsausgaben und eine wachsende Bereitschaft vieler Mitgliedstaaten, sogar darüber hinauszugehen, haben die Auftragsbücher der Hersteller so voll wie seit Jahrzehnten nicht gefüllt. Hinzu kommen neue Konfliktherde und ein geopolitisches Umfeld, in dem Staaten ihre Streitkräfte nach Jahren der Unterfinanzierung modernisieren. Mehrere Analysehäuser schätzen, dass die weltweiten Verteidigungsausgaben bis 2030 auf über 3,6 Billionen US-Dollar steigen könnten, rund ein Drittel mehr als 2024.
Trotz dieser strukturellen Stärke korrigierte der Sektor 2026 spürbar. Der europäische Rüstungsindex MSCI Europe Aerospace & Defence fiel allein im März um gut 9 Prozent, den stärksten Monatsrückgang seit fünf Jahren. Nach der extremen Rally waren die Bewertungen auf teils über 30-fache Gewinne gestiegen, viele Anleger nahmen Gewinne mit, und die Auftragsannahme einiger Konzerne blieb hinter den inzwischen hohen Erwartungen zurück. Analysten sprechen von einer Konsolidierung, nicht von einer Trendwende: Das Geld fließt weiter in Rüstungs-ETFs, allein in den WisdomTree Europe Defence ETF laut LSEG-Daten über 1,3 Milliarden Dollar im bisherigen Jahresverlauf 2026.
Die Risiken sind dennoch greifbar. Eine diplomatische Entspannung, so unwahrscheinlich sie derzeit scheint, könnte die politische Bereitschaft zu hohen Ausgaben bremsen. Die hohen Bewertungen lassen wenig Spielraum für Enttäuschungen bei Quartalszahlen oder Aufträgen. Der Sektor ist eng, nur zwei Branchen (Industrie und Technologie) machen den gesamten Korb aus, was jede Stimmungsänderung verstärkt. Und der Rüstungszyklus hängt an politischen Entscheidungen, die sich jederzeit ändern können. Der Trend wiederum ist klar: Die Welt rüstet auf, die Auftragsbücher decken Jahre ab, und die Ausgabenversprechen werden zunehmend gesetzlich fixiert statt jährlich verhandelt. Die Eurosatory 2026 in Paris, eine der größten Rüstungsmessen der Welt, auf der alle drei Spitzenwerte des ETFs gerade neue Partnerschaften und Verträge verkündeten, unterstreicht diesen Punkt.
BAE Systems, Safran und Rheinmetall: drei europäische Schwergewichte
Wie konzentriert der Fonds ist, zeigen die Zahlen: Die zehn größten Positionen stellen 46,17 Prozent bei insgesamt 60 Titeln. Auffällig ist, dass die drei Spitzenwerte dicht beieinanderliegen, ein Ergebnis der Kappungsregel, die verhindert, dass ein einzelner Name den Fonds dominiert.
Größte Position ist BAE Systems mit 5,00 Prozent und einem KGV von 27,0. Der britische Konzern gehört zu den fünf größten Rüstungsunternehmen der Welt und liefert Kampfflugzeuge, U-Boote, Panzerfahrzeuge und Elektronik. Am 15. Juni 2026 gab BAE einen 535 Millionen US-Dollar schweren Vertrag der US-Armee für die Weiterproduktion der selbstfahrenden Panzerhaubitze M109A7 Paladin bekannt, ein Programm, das die Artilleriefähigkeit der US-Streitkräfte modernisiert. Das KGV von 27 spiegelt die Erwartung eines anhaltend hohen Auftragseingangs wider, liegt aber deutlich über dem historischen Mittel des Sektors und zeigt, wie viel Wachstum der Markt bereits einpreist.
Auf Rang zwei folgt Safran mit 4,97 Prozent und einem KGV von 18,9. Der französische Technologiekonzern ist vor allem für seine Flugzeugtriebwerke bekannt, betreibt aber über seine Sparte Safran Electronics & Defense auch ein wachsendes Geschäft mit Optronik, Navigation und elektronischer Kampfführung. Am 17. Juni 2026 unterzeichnete Safran auf der Eurosatory eine Absichtserklärung mit Hemeria zur Entwicklung KI-gestützter elektromagnetischer Aufklärungssysteme, die von Stratosphärenballons aus operieren und Radar- sowie Kommunikationssignale aus großer Höhe erfassen und analysieren sollen. Das vergleichsweise moderate KGV von knapp 19 erklärt sich durch die Mischung aus ziviler Luftfahrt und Verteidigung, die dem Konzern zwei Ertragsströme sichert und die Bewertung breiter abstützt als bei reinen Rüstungswerten.
Den dritten Platz belegt Rheinmetall mit 4,88 Prozent und einem KGV von 72,7. Der Düsseldorfer Konzern hat sich in den vergangenen Jahren vom diversifizierten Technologieunternehmen zum gefragtesten europäischen Rüstungshersteller gewandelt und liefert gepanzerte Fahrzeuge, Waffensysteme, Munition und Flugabwehr. Am 18. Juni 2026 unterzeichneten Rheinmetall und General Atomics auf der Eurosatory eine Absichtserklärung zur möglichen Koproduktion der 155-mm-Präzisionsmunition Vektrex, die die Reichweite konventioneller Artilleriegeschosse verdoppelt bis verdreifacht und sich direkt in bestehende NATO-Artilleriesysteme integrieren lässt. Das KGV von fast 73 ist das mit Abstand höchste der drei Spitzenwerte und verdeutlicht, wie aggressiv der Markt das erwartete Wachstum bereits in den Kurs eingepreist hat. Analysten rechnen für die nächsten Jahre mit einer mehr als Verdopplung des Umsatzes, was auch das hohe KGV relativieren könnte, doch darin steckt auch das Risiko: Bleibt das Wachstum hinter den Erwartungen zurück, droht eine empfindliche Neubewertung.
Viel Industrie, über die Hälfte USA, hohe Schwankung
Die Branchenzusammensetzung ist naturgemäß eng: 64,25 Prozent entfallen auf den Industriesektor und 26,77 Prozent auf die Technologie. Andere Sektoren spielen praktisch keine Rolle. Regional führen die USA mit 56,17 Prozent, gefolgt von Frankreich mit 9,09 Prozent, Großbritannien mit 6,91 Prozent, Südkorea mit 6,02 Prozent und Deutschland mit 5,93 Prozent. Der US-Anteil ist damit zwar hoch, aber niedriger als bei vielen Konkurrenz-ETFs im Rüstungsbereich, was dem Fonds eine etwas breitere geographische Streuung gibt.
Die Wertentwicklung erzählt eine Geschichte in zwei Akten. In den Kalenderjahren 2024 und 2025 legte der ETF um 40,79 Prozent und 37,26 Prozent zu, jeweils deutlich mehr als der iShares Core MSCI World mit 26,24 Prozent und 7,12 Prozent. Seit Auflage im Juli 2023 steht ein kumuliertes Plus von rund 146 Prozent zu Buche. Auf rollierender Zwölfmonatsbasis ergibt sich dagegen ein anderes Bild. Hier kommt der Rüstungs-ETF auf 15,09 Prozent, klar weniger als der MSCI World mit 25,71 Prozent. Das Zwölfmonatsfenster erfasst die Konsolidierung seit Ende 2025, also genau die Phase, in der Anleger nach der extremen Rally Gewinne mitnahmen und Neubewertungen erfolgten, während der MSCI World vom anhaltenden KI-Boom profitierte. Das zeigt, wie schnell sich das Bild bei einem Branchen-ETF drehen kann. Zwei Jahre lang war der Fonds der klare Gewinner, dann reichte eine Konsolidierung von wenigen Monaten, um auf Jahressicht hinter den Weltmarkt zurückzufallen. Auch wenn dieser mittelfristig natürlich noch immer deutlich geschlagen wurde.
Beim Risiko zeigt sich die Kehrseite der Renditechancen. Die Volatilität lag über ein Jahr bei 19,46 Prozent, fast doppelt so hoch wie die 10,37 Prozent des MSCI World. Der maximale Rückschlag im gleichen Zeitraum betrug 13,24 Prozent, verglichen mit 6,47 Prozent beim Weltindex. Weil der Fonds erst seit Mitte 2023 existiert, deckt seine Kurshistorie noch keinen echten Bärenmarkt ab. In einer tiefen Krise dürfte die Schwankung noch deutlich höher ausfallen. Ein reiner Branchen-ETF verstärkt jede Marktbewegung, und der Rüstungssektor hängt zusätzlich an politischen Entscheidungen, die sich nicht aus Bilanzen ableiten lassen.
Für wen sich der Rüstungs-ETF eignet
Der HANetf Future of Defence eignet sich für Anleger, die bewusst auf den strukturellen Aufrüstungstrend setzen wollen und die erhöhte Schwankung und das Klumpenrisiko einer Branchenwette akzeptieren. Als Beimischung zu einem breiten Welt-ETF kann er ein Portfolio um einen Sektor ergänzen, der in klassischen Indizes nur einen kleinen Anteil hat, und gleichzeitig eine geographisch etwas breitere Abdeckung bieten als rein US-zentrierte Konkurrenzprodukte. Die jüngste Konsolidierung zeigt aber auch: Wer nach zwei Jahren extremer Kursgewinne einsteigt, kauft einen Sektor, in dem die Bewertungen bereits viel Zukunft vorwegnehmen. Als alleiniges Investment ist der Fonds ungeeignet, weil er nur zwei Branchen abdeckt, stark an politischen Zyklen hängt und eine Kurshistorie hat, die gerade erst begonnen hat. Wer diese Grenzen kennt und den Fonds als gezielte Ergänzung versteht, findet hier ein etabliertes Instrument für eine der prägenden Investmentgeschichten dieses Jahrzehnts.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Branchen-ETFs unterliegen erhöhten Kursschwankungen und Klumpenrisiken, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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